Landwirte fordern von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen
Dürftige Ernte

Bielefeld (WB). „Die Zukunftsangst in den Bauernfamilien ist groß,“ sagt Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe. Gerade die jüngere Generation, die jetzt nach und nach die Höfe übernimmt, verlange nach Planungssicherheit. Diese sei durch die Politik in Gefahr.

Donnerstag, 05.12.2019, 09:52 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 11:28 Uhr
Die Getreideernte (von oben links im Uhrzeigersinn) war weniger schlecht als erwartet, dafür geht es dem Wald so mies wie nie. Die Maisernte verlief enttäuschend – selten sahen die Kolben so prächtig aus. Auch die Kartoffelernte war wie bereits 2018 mager. Foto: dpa

„Der politische Druck auf unsere Landwirtschaft wächst unentwegt“, beklagt Beringmeier weiter. „Es fällt den Landwirten zunehmen schwerer, selbst bei hohem unternehmerischen Geschick ihre Höfe so für die Zukunft aufzustellen, dass diese der nächsten Generation übergeben werden können“, sagt er.

Fakt sei, dass die deutsche Politik keine verlässlichen Rahmenbedingungen für die Landwirte biete – weder bei der Düngeverordnung noch bei der Tierhaltung oder beim Insektenprogramm.

Das Anfang September von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Entwurf vorgelegte Agrarpaket sei ein „gefährlicher Cocktail“ für die heimische Landwirtschaft. Es fuße auf „politischem Aktionismus“, aber nicht auf einer sachgerechten Landwirtschaft, kritisiert der OWL-Verbandschef. Man wolle aber in Europa „noch annähernd wettbewerbsfähig“ bleiben. Beringmeier: „Wir stehen im Wettbewerb mit dem Weltmarkt. Der Lebensmitteleinzelhandel kauft weltweit ein.“

Kompromisse finden

Gerade das Aktionsprogramm Insektenschutz müsse überarbeitet werden. Die Bauern kritisieren daran die Auflagen und Verbote. Beringmeier: „Die Frage ist nicht, ob wir Insektenschutz machen, sondern wie: Kooperativer Naturschutz muss der Weg sein.“ Der Verband hofft, durch weitere Gespräche mit der Politik in Berlin Kompromisse zu finden.

Derweil ziehen die Landwirte in OWL eine eher gemischte Bilanz des Erntejahres 2019:

Getreide-/Rapsernte:

Die Ernte fiel leicht unterdurchschnittlich aus, was angesichts der Trockenheit und Hitze aber ein überraschendes Ergebnis ist.

Grünland:

Im Frühjahr gab es einen guten Schnitt, die Folgeschnitte fielen aber schlechter aus – bis hin zum Totalausfall. Der Regen im Herbst war dringend notwendig. Wiesen und Weiden konnten sich erholen.

Mais:

Große Spannbreite wegen unterschiedlicher Bodenqualitäten und Niederschlage: von ganz ordentlich bis ganz schlecht.

Kartoffeln:

Unterdurchschnittliche Ernte. Sie fiel zwar besser aus als 2018, war aber dennoch enttäuschend.

Zuckerrüben:

Durchschnittlich bis zufriedenstellend mit guten Zuckergehalten und sehr guten Qualitäten.

Wald:

Der Wald bereitet weiter große Sorgen. Die Schadholzmenge ist groß. Durch mangelnde Abfuhrkapazitäten und Nichtaufnahme des Marktes (übersättigt) wird es in den Folgejahren zu einer weiteren Schädigung des Waldes kommen. Die Fichte wird nahezu komplett aus dem Wald verschwinden. Das Landschaftsbild ändere sich sehr.

Milch:

Die Situation in den Milchviehbetrieben bleibt angespannt. Bei einem Preis von rund 30 bis 31 Cent je Kilogramm Milch zahlen viele Landwirte drauf.

Rindfleisch:

Die Preise haben sich in den letzten zwei Monaten etwas erholt durch den Sog des Weltmarktes. Gerade die Nachfrage in China ist groß. „Die nehmen alles, was sie bekommen können“, heißt es. Schwein:

Der Schweinemarkt konnte sich nach seiner Talsohle der letzten zwei Jahre erholen. Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (Text links) in anderen Ländern haben die Kurse steigen lassen.

Wolf:

Weidetierhalter haben große Sorgen vor der Rückkehr des Wolfes. Der Verband fordert, dass es klare Regelungen für einen Abschuss von auffälligen Wölfen geben muss.

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