Gebiete mit hoher Nitratbelastung im Fokus – Sorge um Existenz
OWL-Bauern kämpfen gegen Dünge-Dilemma

Bielefeld (WB). Im Kampf gegen immer strengere Düngevorgaben der EU und damit drohenden finanziellen Einbußen suchen die rund 7000 Bauern in Ostwestfalen-Lippe nach Auswegen. Ein Ansatz: Die meist mehrere Quadratkilometer großen Gebiete mit hoher Nitratbelastung sollen „differenziert“ betrachtet werden.

Donnerstag, 05.12.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 05:50 Uhr
Zu viel Gülle schadet dem Grundwasser. Foto: dpa

Kleinräumige Unterteilung besonders belasteter Gebiete

„Das könnte vielen Höfen Erleichterung bringen“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe, Hubertus Beringmeier (58), am Mittwoch in Bielefeld. Konkret gehe es um eine kleinräumige Unterteilung der als rot – und damit als besonders belastet – ausgewiesenen Gebiete. Laut Beringmeier sind in OWL davon etwa 30 Prozent der Flächen betroffen – darunter weite Teile der Kreise Paderborn und Gütersloh, aber auch Minden-Lübbecke.

Erträge gehen zurück, Bewirtung könnte unrentabel werden

In diesen Gebieten müssen Landwirte ihren Düngeeinsatz künftig um 40 Prozent verringern, auf den übrigen Flächen um 20 Prozent. „Langfristig gehen die Erträge der Bauern deutlich zurück und die Bewirtschaftung könnte unrentabel werden“, warnt Beringmeier. Weitere Höfe stünden vor dem Aus. In den vergangenen zwei Jahren – zuletzt wurde die Düngeverordnung 2017 verschärft – hätten vier bis fünf Prozent der Hofbesitzer aufgegeben, in den Jahren davor seien es drei Prozent gewesen, sagt Wilhelm Brüggemeier (65), Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Mit der „Binnendifferenzierung“ will der Verband erreichen, dass die strengen Vorgaben nur auf „Hotspotgebiete“ beschränkt bleiben. Grundlage für die Unterteilung in Rot und Grün sind die rund 300 Grundwassermessstellen in OWL. Das sieht der Verband kritisch.

Landwirte sehen sich in „Sippenhaft” genommen

„Obwohl nur einzelne Messstellen auffällige Ergebnisse zeigen, kommt es durchaus vor, dass sehr weiträumige Gebiete Rot gekennzeichnet werden. Selbst weit entfernte Teile der Grundwasserkörper gelten dann als belastet“, kritisiert Beringmeier. Und Brüggemeier: „Die hohe Nitratbelastung hat nicht immer mit der Landwirtschaft zu tun, sondern etwa auch mit dem maroden Abwassersystem vieler Kommunen.“ Die Landwirte sehen sich damit in „Sippenhaft“ genommen.

Um den Belangen des Umweltschutzes gerecht zu werden, streben die Bauern zudem Partnerschaften mit Wasserkooperationen wie Stadtwerken an. Pflanzenberater etwa der Landwirtschaftskammer sollen helfen, zielgerichteter zu düngen. Auch Flächenbeprobungen spielten eine Rolle. „Wir wollen Erkenntnisse nutzen, die wir vor zehn Jahren noch nicht hatten“, sagt Landwirt Antonius Tillmann (55) aus Höxter. Beringmeier sagt mit Blick auf das umstrittene Agrarpaket: „Wir stellen uns nicht gegen Insekten- und Umweltschutz. Es muss aber auch finanzierbar sein.“

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