Kindesmissbrauch: Bielefelder Staatsanwältin fordert vier Jahre Haft und Berufsverbot für Bad Oeynhausener Physiotherapeut verlangt von Zeugen 75.000 Euro

Bielefeld (WB). Im Missbrauchsprozess gegen den Physiotherapeuten Rainer M. (61) aus Bad Oeynhausen hat Staatsanwältin Sabine Berger am Dienstagabend vier Jahre Gefängnis gefordert . Außerdem beantragte sie ein Berufsverbot, das nach Verbüßung der Haft vier Jahre lang gelten und auf die Behandlung minderjähriger Mädchen beschränkt sein soll. Auch die vier Opferanwälte forderten die Verurteilung des Therapeuten.

Von Christian Althoff
Am Mittwochnachmittag soll vor dem Landgericht Bielefeld das Urteil gegen den Physiotherapeuten Rainer M. (kleines Foto, hier mit seiner Verteidigerin Iris Grohmann) und seine Frau gesprochen werden. Am Dienstag wurde bekannt: Der Angeklagte soll aus der Untersuchungshaft heraus versucht haben, einen Zeugen unter Druck zu setzen.
Am Mittwochnachmittag soll vor dem Landgericht Bielefeld das Urteil gegen den Physiotherapeuten Rainer M. (kleines Foto, hier mit seiner Verteidigerin Iris Grohmann) und seine Frau gesprochen werden. Am Dienstag wurde bekannt: Der Angeklagte soll aus der Untersuchungshaft heraus versucht haben, einen Zeugen unter Druck zu setzen. Foto: Althoff

Für die Ehefrau Reinhild M. (62), die wegen Beihilfe angeklagt war , plädierte die Staatsanwältin auf Freispruch.

Verteidigerin Iris Grohmann beantragte für den Therapeuten zwei Jahre Haft auf Bewährung und die Anordnung einer Therapie. Das Gericht wird das Urteil Mittwochnachmittag sprechen.

Befürchtung: Rainer M. wollte Zeugen unter Druck setzen

Zu Beginn des Verhandlungstages war bekanntgeworden, dass der Physiotherapeut, der in seiner Praxis acht kleine Mädchen missbraucht haben soll, aus der Untersuchungshaft heraus den Computerfachmann, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, unter Druck setzen wollte. Rainer M. hatte auf seinem Praxiscomputer eine professionelle Software für die Terminplanung in Physiotherapiepraxen. Diese Anwendung ließ er von dem Softwarehersteller fernwarten. Dabei stieß ein Computertechniker 2017 auf sogenannte Kinderpornos. Der Mann informierte die Polizei , die Anfang 2019 schließlich Wohnung und Praxis von Rainer M. durchsuchte.

Das Gericht, das für die Postkontrolle inhaftierter Angeklagter zuständig ist, habe einen Brief an die Softwarefirma angehalten, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Nabel am Dienstag.  Es bestehe die Befürchtung, dass Rainer M. mit dem Schreiben einen Zeugen unter Druck habe setzen wollen, sagte der Richter.

Pyhsiotherapeut verlangte 75.000 Euro

In dem Brief wirft der Angeklagte dem Softwaretechniker Datendiebstahl vor. Was der Techniker getan habe, sei nicht vom Wartungsvertrag umfasst gewesen. Der Techniker habe seine Existenz zerstört. Er, Rainer M., habe seine Praxis auflösen und das Inventar einlagern müssen. Dafür verlange er 75.000 Euro, wobei die Rufschädigung in dieser Summe noch nicht berücksichtigt sei. Sobald das Geld überwiesen sei, sei er bereit, eine Schweigeverpflichtung zu unterschreiben, auf den Rechtsweg zu verzichten „und die Medien auszuschließen“.

Richter Carsten Nabel fragte den Angeklagten, wie er dazu komme, dem Mann, der diese Fotos gefunden habe, so einen Brief zu schreiben. Rainer M. zögerte und antwortete dann: „Dazu möchte ich nichts sagen.“

Psychiater: Angeklagter voll schuldfähig

Es war nicht der einzige Brief, den Richter Nabel vorlas. In einem Schreiben vom 29. Oktober („Sehr geehrter Herr Nabel und Co.“) bat der Angeklagte das Gericht um Entschuldigung, weil er in einem Fall zuerst bestritten hatte, dass es sein Daumen war, der auf einem der Missbrauchsfotos zu erkennen war. Als der Richter nachhakte, erklärte der Angeklagte überraschend, dass er nicht nur in seiner Praxis Fotos von Kindern gemacht habe. Wo noch, wollte er nicht sagen.

Anschließend hörten die Prozessbeteiligten den Psychiater Carl-Ernst von Schönfeld, der den Angeklagten untersucht hatte. Er bewertete ihn als voll schuldfähig.

Rainer M. hatte im Prozess zugegeben, sogenannte Kinderpornografie von Patientinnen hergestellt zu haben. Einen darüberhinausgehenden Missbrauch der Mädchen hatte er bestritten.

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