Hans Schumacher beleuchtet die Waterbör und die Familie von Spiegel Die Geschichte von Hof und Herrenhaus

Bielefeld (WB). Die Bauernhöfe haben den Beginn der Siedlung in Senne geprägt und sind schon lange Forschungsthema des Museums Osthusschule, dessen früheren Leiters und einstigen Ortsheimatpflegers Hans Schumacher. Dem ältesten dieser Höfe hat er jetzt ein Buch gewidmet und darin gleichzeitig die Geschichte der Adelsfamilie Spiegel von und zu Peckelsheim vorgelegt. Auf 300 Seiten stehen zum einen die Hofstelle Waterbör, zum anderen das in der Nähe gelegene Herrenhaus der Familie von Spiegel im Fokus.

Von Peter Bollig
Hans Schumacher (links) und Lothar Schröder präsentieren das Buch über die Waterbör und die Familie von Spiegel. Deren Herrenhaus hat Roland Kündahl als Aquarell festgehalten. Das Bild gehört zum Bestand des Museums Osthusschule.
Hans Schumacher (links) und Lothar Schröder präsentieren das Buch über die Waterbör und die Familie von Spiegel. Deren Herrenhaus hat Roland Kündahl als Aquarell festgehalten. Das Bild gehört zum Bestand des Museums Osthusschule. Foto: Peter Bollig

Es ist wohl die Lage der Waterbör in einer Quellschlucht des Teutoburger Waldes, vermutet Hans Schumacher, warum dieser Ort schon früh besiedelt wurde. Funde aus der Steinzeit soll es geben, zudem Hinweise auf eine Schmiede, die aus der Zeit Karls des Großen stammt. In Krisenzeiten könnte die Ansiedlung wie andere Quellschluchthöfe wohl eine Zugfluchtstätte gewesen sein, so auch während des 30-jährigen Krieges. Der Name „Waterbör“ stammt nach Schumachers Recherche aus dem 12. Jahrhundert und bedeutet „Wasserquelle“. Dieser Quelle sei inzwischen aber versiegt.

Jahrhundertelang war die Waterbör ein Bauernhof, bis Bethel 1924 das Gebäude übernahm und es als Begegnungsstätte und Ausflugslokal nutzte. 1963 wurde daraus eine Gaststätte – mit einer dramatische Episode 1979, als das Gebäude abbrannte, nach dem Wiederaufbau 1982 aber wiedereröffnet werden konnte. In der Gaststätte führten Cornelius und Jutta Wulle 29 Jahre lang Regie bis 2011. Inzwischen wird sie von einer Eventfirma für Veranstaltungen genutzt.

80 Jahre lang wurde am Haus gebaut

Eng verbunden ist die Waterbör auch mit der Adelsfamilie von Spiegel, die das Hofgebäude in den 1920er Jahren durch die Übergabe an Bethel der Öffentlichkeit zugänglich machte. Deren Geschichte geht zurück bis ins 11. Jahrhundert, entwickelte aus dem Raum Warburg mehrere Zweige, die auch in Bielefeld in Erscheinung traten. Ortsbezeichnungen wie „Spiegels Hof“ oder „Spiegels Forst“ weisen darauf hin. Im 16. Jahrhundert erwarben sie viel Land im Teutoburger Wald, betreiben bis heute Forstwirtschaft. Am Anfang allerdings, sagt Hans Schumacher, noch von außerhalb.

„Sesshaft wurden sie erst mit dem Bau des Herrenhauses“ – dem zweiten Schwerpunkt des Buches. Der in Magdeburg lebende Gutsherr Karl Friedrich Anton Herrmann Spiegel von und zu Peckelsheim entschloss sich, nahe der Waterbör einen Wohnsitz am Spiegelsberge zu bauen. 80 Jahre lang wurde daran zwischen den 1850er Jahren und 1939 gearbeitet, wurden immer wieder Erweiterungen vorgenommen, überwiegen als Fachwerkgebäude, aber auch in Massivbauweise. Am Ende war das Haus rund 32 Meter lang.

Bemerkenswert sind aus Schumachers Sicht unter anderem Wandmalereien im Inneren der Gebäude – die einzigen in Senne, wie er betont, geschaffen vom Freiburger Kirchenmaler Hans Franke. Sie zeigen Heilige, verdeutlichen aber auch die Verbundenheit der Familie von Spiegel zur Natur und zur Jagd. Bemerkenswert seien auch die 1929 geweihte Kapelle auf dem Anwesen sowie ein Privatfriedhof, auf dem Mitglieder der Familie Spiegel von und zu Peckelsheim bestattet sind. Dort stehen zudem Gedenksteine, die an Angehörige erinnern, die an anderen Orten bestattet sind, etwa an zwei im Zweiten Weltkrieg gefallene Söhne.

Landwirtschaft bis 1923

Die Familie mit dem späteren Herrenhaus und der Hof Waterbör sind seit 1769 verbunden: Damals übernahm die Adelsfamilie die Rechte des in Leibeigenschaft geführten Hofes. Die Bauern konnten sich 1856 aus der Leibeigenschaft freikaufen, 1890 kaufte die Familie von Spiegel den Hof samt Ländereien. Bis 1923 wurde von dort aus Landwirtschaft betrieben, bis der Hof an Bethel verpachtet wurde.

Die Familie von Spiegel, deren Stammbaum und Geschichte ebenfalls Thema des Buches ist, war zeitweise wohl größter Grundbesitzer auf dem heutigen Stadtgebiet und größter Arbeitgeber in Senne.

Das Herrenhaus steht seit dem Tod der letzten Bewohnerin, Dr. Melanie Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim, leer. Hans Schumacher und Lothar Schröder, der am Buch ebenso mitgearbeitet hat wie Claudia von Spiegel, sorgen sich um die Zukunft des Anwesens. „Es ist das ungewöhnlichste Haus, das wir hier haben“, sagt Schumacher. Allerdings sei es in keinem guten Zustand und bedürfe einer Restaurierung, um es zu erhalten. Konzepte für eine künftige Nutzung gebe es wohl noch nicht, und so soll das Buch, sagt Schumacher, das Interesse auf das Herrenhaus lenken, es „bekannter machen und zeigen, dass es wichtig ist, es zu erhalten“.

Erhältlich ist das Buch im Museum Osthusschule sowie in der Buchhandlung Klack an der Hauptstraße.

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