Fernbusbahnhof: Vorgeschlagene Einbahnregelung wirft Fragen auf Wo fahren sie denn lang?

Bielefeld (WB). Die Idee hat Charme: Fernbusse sollen nicht länger an der Peripherie am Brackweder Bahnhof halten, sondern hinter dem Hauptbahnhof, in unmittelbarer Nähe zur City. Doch der erste Planungsvorschlag, der jetzt von der Verwaltung vorgelegt worden ist, hat mindestens bei den Politikern der Bezirksvertretung Mitte viele Fragen hinterlassen. Sie behandelten das Thema in der vergangenen Woche deshalb nur in erster Lesung.

Von Michael Schläger
An der Joseph-Massolle-Straße hinter dem Hauptbahnhof sollen künftig Fernreisebusse halten.
An der Joseph-Massolle-Straße hinter dem Hauptbahnhof sollen künftig Fernreisebusse halten. Foto: Michael Schläger

Zwei-Richtungs-Radweg

Nach dem Verwaltungsvorschlag ist angedacht, auf der Joseph-Massolle-Straße die Fahrbahn für den motorisierten Individualverkehr von 6,50 auf 3,50 Meter zu reduzieren. Damit würde sie zur Einbahnstraße, die vom Kreisel am Cinemaxx in Richtung Ishara führte. Der Vorteil: Es bliebe mehr Raum für eine Busspur und Bushaltebuchten. Auch ein 4,50 Meter breiter Radweg (einschließlich Sicherheitsabstand) könnte im Zwei-Richtungs-Verkehr eingerichtet werden. Er soll auf Hochborden geführt werden und würde die Busspur und die Auto-Fahrspur trennen. Allerdings entfielen teilweise die Stellplätze für Taxis und Behinderte, ebenso die Bushaltebucht auf der Seite des Ishara.

„Welche Auswirkungen diese Verkehrsführung auf das Umfeld hat, ist völlig ungeklärt“, kritisiert Hartmut Meichsner (CDU) das vorläufige Verwaltungskonzept. Ähnlich sieht es auch Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD). Weder sei klar, wie die Busse letztlich geleitet werden könnten noch wie der Autoverkehr im und um das neue Bahnhofsviertel geführt würde, finden beide.

Der Unions-Politiker bringt auch die zusätzlichen Emissionen ins Spiel. Anders als bei Bussen der städtischen Verkehrsbetriebe Mobiel seien unter den Überlandbussen häufig noch echte Stinker unterwegs. Auch die von der CDU-Ratsfraktion geforderten „Kiss-and-Ride-Plätze“, also Möglichkeiten, Bahnreisende mit dem Auto am Hauptbahnhof abzusetzen oder abzuholen, gäbe es nach diesem Konzept fast gar nicht mehr.

Täglich bis zu 50 Fernbusse

Zwischen 40 und 50 Fernbusse machen jeden Tag in Bielefeld Halt. Fernbusanbieter wie Flixbus hatten mehrfach gefordert, eine Station in der Innenstadt anfahren zu können. Im politischen Raum hatte sich anfangs die FDP für eine Verlegung des Fernbusbahnhofs stark gemacht. Schließlich hatte sich auch Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) dieser Forderung angeschlossen. Die Busreisenden könnten am Hauptbahnhof direkt vom Bus in den Zug umsteigen. Gleichzeitig könnten auch WC-Anlagen, Kioske und Geschäfte im Hauptbahnhof genutzt werden. Mit der Bahn wird derzeit über eine Öffnung des Bahnsteigs in Höhe des künftigen Fernbushalts verhandelt. Der Zaun, der dort bisher steht, soll abgebaut werden.

Die Bezirksvertretung Brackwede hatte der Verlagerung des Fernbushalts bereits zugestimmt. Die Bezirksvertretung Mitte will mehr Informationen und noch einmal beraten. Die Verlagerung steht auch auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsauschusses am morgigen Dienstag.

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