Baumgarte präsentiert Werke des Silberskulpteurs Goudji Achtung vor dem Geschöpf

Bielefeld  (WB). Es ist eine Kunst, die aus längst vergangenen Zeiten zu kommen scheint. Und doch sind die Werke des Pariser Silberskulpteurs Goudji fest im Hier und Jetzt verankert.

Von Uta Jostwerner
Der Silberskulpteur Goudji zeigt seine Werke aktuell bei Baumgarte.
Der Silberskulpteur Goudji zeigt seine Werke aktuell bei Baumgarte. Foto: Bernhard Pierel

Eine seltene Gelegenheit, die einzigartige Schmiedekunst des gebürtigen Georgiers in Deutschland mit eigenen Augen zu sehen, bietet jetzt die Samuelis Baumgarte Galerie.

Auf dem Montmartre in Paris, vis-a-vis zum ehemaligen Atelier von Vincent van Gogh, entstehen jene archaisch anmutenden Skulpturen und Gefäße aus hochkarätigem Silber und Edelsteinen. Sie erinnern in ihrer Ästhetik an die Kunst antiker Völker.

Hat man solch einen Löwen wie Goudji ihn erschuf nicht schon einmal so ähnlich bei den Etruskern gesehen? Und kennt man diese geheimnisvollen Vögel, Pferde und Antilopen nicht aus irgendwelchen Mythologien? „Die Tiere erscheinen mir im Traum“, verdeutlicht der Künstler.

Aber Goudjis Werke hinterlassen beim Betrachter nicht nur ein Déjà-vu-Erlebnis, sie lassen einen in Anbetracht der kostbaren, strahlenden und edlen Materialität auch ein bisschen demütig werden.

Die Einbindung von Edelsteinen dient dem 78-Jährigen zur Steigerung des Ausdrucks, Gold und Silber zur Verherrlichung des Göttlichen. Eine gewisse Spiritualität sowie die Achtung vor dem Geschöpf, gleich welcher Art, ist in jedem seiner Werke spürbar.

Freude am Fühlen und Betrachten

Etwa die Hälfte seiner Werke, erzählt er beim Gespräch in der Bielefelder Galerie, haben einen sakralen Hintergrund. Seine Werke sind zentraler Bestandteil der liturgischen Sammlung von Papst Johannes Paul II., und auch der Kirchenschatz der Kathedrale Notre-Dame ist mit vielen seiner Skulpturen bestückt.

Beim Brand konnten sie glücklicher Weise gerettet werden. „Die Feuerwehr hat den Tresor mit den Kunstwerken zuerst geborgen. Erst danach stürzte das Dach ein und begrub alles unter sich“, berichtet Goudji.

Der Aspekt des Gebrauchs ist für Goudji indes nebensächlich. Vielmehr geht es ihm um die Freude am Fühlen und Betrachten. „Allein die Kreativität ist das, was zählt, und ich erschaffe heute eine Vielzahl an Formen und Visionen und lasse meiner Leidenschaft dabei freien Lauf“, erzählt der Künstler, der 1941 unter dem Namen Goudji Amachoukelis geboren wurde und an der Kunstakademie in Tiflis studierte. Er war in der Sowjetunion bereits als Künstler etabliert, als er an der französischen Botschaft die junge Französin Katherin Barsacq kennen- und lieben lernte. Das Paar heiratete 1969 und siedelte 1974 nach Frankreich über, wo Goudji seine internationale Karriere als Silberskulpteur startete.

Mittlerweile wurden seine Werke in bedeutenden Museen in Paris, London, New York und Tokio ausgestellt. 2009 wurde er für sein Lebenswerk zum „Chevalier des Ordre de la Légion d’honneur“ ernannt.

Die Ausstellung im Obergeschoss der Samuelis Baumgarte Galerie, Niederwall 10, läuft bis zum 15. Januar und kann montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr besichtigt werden.

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