Jazz-Trompeter Till Brönner stimmt in der Bielefelder Oetkerhalle auf Advent ein Lässige Weihnachten

Bielefeld (WB). Weihnachtslieder können ziemlich lässig klingen. Wenn Till Brönner sie als Jazz- und Swingversionen spielt. Der Termin am Mittwochabend schien ihm selbst etwas früh, weil noch vor dem Ersten Advent. Doch besser so als später, denn das Konzert in der ausverkauften Bielefelder Oetkerhalle sollte sich als Weltpremiere erweisen.

Von Andreas Schnadwinkel
Till Brönner zeigte in der Oetker-Halle, dass Weihnachten auch lässig daherkommen kann.
Till Brönner zeigte in der Oetker-Halle, dass Weihnachten auch lässig daherkommen kann. Foto: Andreas Schnadwinkel

Bis zu diesem Abend hat der Trompeter live einen Bogen um sein »Christmas Album« von 2007 gemacht. »Die Idee war immer da, und viele wollten, dass daraus ein Konzert würde. Das ist also das erste Till-Brönner-Weihnachtskonzert ever. Respekt für Sie alle, dass Sie dazu schon Ende November Lust haben«, lobt er das Publikum und den Saal: »Das ist eine der bestklingenden Hallen in Deutschland, und ich habe einige erleben dürfen.« Dann kann ja nichts schief gehen.

Brönner beginnt mit »Santa Claus ist coming to town«, spielt es aus dem Off und betritt langsam die noch dunkle Bühne. Auf das Intro folgt als erstes Stück »Nature Boy«, das 1947 für Nat King Cole der Anfang einer Weltkarriere war. Obwohl kein Weihnachtslied, macht es früh den Clou des Konzerts deutlich: Mit Frank McComb ist einer der Sänger der Bönner’schen Weihnachtsplatte dabei. Die Soulstimme hat durchaus Wiedererkennungswert – zumindest für die, die das Album alle Jahre wieder auflegen. Und wenn ein Amerikaner »Winter Wonderland« oder andere US-Standards wie »What are you doing new year’s eve« singt, dann kommt er der Sache gewiss näher als andere.

Um bis auf das nachtblaue Bühnenbild mit Sternenhimmel aus Lampen bloß keine adventliche Atmosphäre aufkommen zu lassen, zeigen die Musiker, wie Jazz-Arrangements jeglichen Kitsch absorbieren können. So ganz traut Brönner seiner Weihnachtstour wohl doch nicht. Den Klassiker »Stille Nacht, heilige Nacht«, dessen Ursprung er mal locker von Österreich nach »Good Old Germany« verlegt, interpretiert die Band auf brasilianische Art – bis zur Unkenntlichkeit. Im Gegenzug reicht ein Schellenkranz, um aus Dave Brubecks »Take Five« ein Weihnachtslied zu machen.

Zu diesem Genre gehört auch nicht Henry Mancinis »Moon River«. »Aber zwischen den Jahren habe ich im Fernsehen immer ›Frühstück bei Tiffany‹ geschaut. Das gehört zu meiner Weihnachtszeit«, erklärt der 48-Jährige die Auswahl der Stücke. Auf »White Christmas« verzichtet er, den meisten Beifall bekommt zu Recht »Let it snow«, die jazzigste Nummer dieses Abends.

Über die knapp zwei Stunden nimmt sich Brönner oft zurück und lässt den anderen Instrumentalisten viel Raum für Soli, zum Beispiel bei dem englischen Klassiker »God rest you merry, Gentlemen«. Bei »Last Christmas«, dem erfolgreichsten Weihnachtsstück aller Zeiten, kann er sich nicht verkneifen, den Refrain zu singen. »Ich bin kein großer Sänger«, gesteht er freimütig und kündigt zum Abschluss eine Gesangsnummer aus eigener Feder an. »Was habe ich an Weihnachten für Streits erlebt. Für manche ist es das schlimmste Fest überhaupt. Ich habe einen Song dazu gesucht und keinen gefunden, also habe ich selbst einen geschrieben. ›Christmas is never the way it should be‹.« Weihnachten ist nie so, wie es sein sollte. In manchen Familien schon.

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