Bezirksvertreter aus Sennestadt und Senne sehen Schwachpunkte im Konzept Viel Kritik an Linie-1-Plänen

Bielefeld (WB). Von den Bezirksvertretern aus Senne und Sennestadt gab es nur wenig Lob für die Pläne zur Verlängerung der Linie 1 nach Sennestadt. Als Stadt und Mobiel den Politikern am Mittwochabend die Details zur Trasse vorstellten, ernteten sie vor allem Kritik.

Von Peter Bollig
Neuralgischer Punkt: Stadteinwärts auf der Brackweder Straße (auf der Grafik nach links) soll das Linksabbiegen in die Bretonische Straße (unten) verboten werden. Dort liegt aber der stark frequentierte Netto-Markt (links). Für eine Linksabbiegespur müsste die Fahrbahn der Brackweder Straße verbreitert, die Lärmschutzwand (oberhalb der Gleise) eingerissen werden.
Neuralgischer Punkt: Stadteinwärts auf der Brackweder Straße (auf der Grafik nach links) soll das Linksabbiegen in die Bretonische Straße (unten) verboten werden. Dort liegt aber der stark frequentierte Netto-Markt (links). Für eine Linksabbiegespur müsste die Fahrbahn der Brackweder Straße verbreitert, die Lärmschutzwand (oberhalb der Gleise) eingerissen werden. Foto: Mobiel

Selbst langjährige Befürworter der Linien-Verlängerung wie Heiko Rohde (Grüne) zeigten sich verärgert, insbesondere mit Blick auf die Haltung des Landesbetriebs Straßen NRW. Wie berichtet, besteht die Behörde für die Brackweder- und Paderborner Straße (L 756), neben der die Bahn fahren soll, auf dem Regelwerk für außerörtliche Landesstraßen mit breiteren Fahrbahnen , was es den Planern schwer macht, neben den Fahrspuren auch Radfahrer, Fußgänger und die Stadtbahn im Straßenraum unterzubringen.

Damit das trotzdem passt, sind an vielen Stellen Grundstückszukäufe und auch Gebäudeabrisse notwendig. Die Haltung des Landesbetriebs führe zu einem unnötigen Flächenverbrauch. »Warum lassen Sie sich von Straßen NRW zu so einer Planung hinreißen?«, fragte Heiko Rohde.

Mehr Verkehr vor Kitas und Schulen

Cornelia Christian, Leiterin des Mobiel-Kundenmanagements, spricht von »Planungsparametern«, meint damit die Vorgaben des Landesbetriebs, an denen man die Planung ausgerichtet hat. »Daran kommen wir nicht vorbei.« Dazu gehören die Fahrbahnbreiten, aber auch Tempo 70 auf der gesamten Strecke und eine Vierspurigkeit an den Kreuzungspunkten mit Friedhof-, Osning- und Verler Straße. Auch das verbraucht Fläche. Die Notwendigkeit bezweifelt Rohde, zumindest für die Buschkampkreuzung (Osningstraße).

Knackpunkte für die Senner sind vor allem die Verbote, stadteinwärts nach links in die Bretonische Straße und den Hafnerweg einzubiegen. Die Begründung von Mobiel-Planerin Lea Gauthier: Abbiegespuren benötigten mehr Fläche. Dafür müsste zusätzlich auf private Grundstücke zugegriffen werden. Gegenüber der Einmündung Hafnerweg müsste dann ein weiteres Haus weichen.

Joscha Conze (CDU) sieht durch diese Verkehrsregelung aber zwei stark frequentierte Läden negativ betroffen: Buschmann am Hafnerweg und den Netto-Markt an der Bretonischen Straße. Kunden müssten andere Straßen befahren – vorbei an Kindergärten und Schulen. Beklagt wurde auch die Breite der Radwege von zwei Metern. Neben einer Tempo-70-Straße sei das zu wenig.

Cornelia Christian gab zu bedenken, dass das Ganze eine Frage der Abwägung sei. Für mehr Platz auf Straße und Radwegen müssten mehr Häuser weg, müsste wohl auch die große Lärmschutzwand in Höhe der Bretonischen Straße weichen. Verkehrsströme habe man aber im Blick. Sie würden bei der Planung überprüft.

»Nach vorne schauen«

Zustimmung gab es aus Sennestädter Sicht vor allem für den Kreisverkehr, der auf der Paderborner Straße hinter dem Sennestadtteich die Brücke am Ramsbrockring ersetzen, viele Umwege beim Wechsel von der Paderborner Straße in die Ortsteile vermeiden würde.

Größte Sorge etwa bei Markus Müller (SPD) ist der weitere Trassenverlauf ins nördliche Sennestadt, der noch nicht Teil der Planung ist. Mobiel und Stadt wollen dazu die Bürger ab Februar 2020 einbeziehen. Möglich wäre auch, dass die Linie 1 am Sennestadtteich endet, »was wir aber nicht wollen«, wie Cornelia Christian betonte. Müller wurde deutlich: »Wenn die Bahn am Teich endet, hätte das keinen Mehrwert für Sennestadt.« Die meisten Nutzer müssten dann erst per Bus aus den Ortsteilen zur Stadtbahn anreisen. Dann könnten sie, wie bisher, auch gleich zur Endhaltestelle Senne fahren.

Ulrich Schumacher (Grüne) war versöhnlicher: »Vieles an der Planung ist nicht schlecht. Wir sollten jetzt nach vorne schauen.« Udo Buse (UBF) erinnerte an den Ratsbeschluss zur Stadtbahnverlängerung. Die Verwaltung könne da nur innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen planen.

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Straßen NRW

Für mich war wichtig,zu erfahren, dass es mit der Planung weitergeht. Man konnte zwar über Monate den Eindruck gewinnen, da "passiere" nichts mehr. Das hing jedoch damit zusammen, dass Mobiel und das Amt für Verkehr nicht jede kleine Weiterentwicklung öffentlich machen wollten, sondern zunächst einen Abschnitt präsentierten, der allerdings die Sennestädter nicht zufrieden stellen kann. Es fehlt noch die Weiterführung in die Sennestadt bis zur geplanten Endstation. Ich hatte nachgefragt, welches Regelwerk bezüglich des Straßenquerschnittes zugrundegelegt wurde. Hier sind offenbar Gestatlungsmöglichkeiten drin, die ausgeschöpft werden können. Meine Hoffnung: die Straßenbreite kann verringert werden, sodaß auif Anliegerverkäufe von Grundstücken verzichtet werden kann. Über Detailfragen, wo links oder rechts oder garnicht abgebogen wird, kann man sich in der weiteren Planung immer noch einbringen.

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