Mitarbeiter übernehmen pastorale Aufgaben in evangelischen Gemeinden – Test in Brake, Milse und Altenhagen Fachkräftemangel am Altar

Bielefeld (WB/MiS). Im Evangelischen Kirchenkreis Bielefeld werden die Pfarrer knapp. Deshalb übernehmen jetzt auch Gemeindemitarbeiter pastorale Aufgaben.

Beffchen heißen die Halsbinden, die zur Amtstracht evangelischer Pfarrer gehören.
Beffchen heißen die Halsbinden, die zur Amtstracht evangelischer Pfarrer gehören. Foto: dpa

In den Kirchengemeinden Brake, Milse und Altenhagen tritt zum 1. Dezember Diakon Manuel Pieper seinen Dienst an. Der 45-Jährige, der zuletzt als Heilerziehungspfleger und Diakon für »Bethel regional« in Schildesche gearbeitet hat, wird sich künftig der Familienarbeit in Brake und der Seniorenarbeit in Altenhagen und Milse widmen. Damit unterstützt er die beiden für die drei Gemeinden zuständigen Pfarrer.

Die Gemeinden bilden eines von fünf Pilotprojekten in der Evangelischen Kirche von Westfalen, innerhalb derer die neuen »interprofessionellen Teams« getestet werden sollen. »Interprofessionell heißt, dass Diakone oder auch Kirchenmusiker auch pastorale Aufgeben wahrnehmen können«, erläutert Christian Bald, Superintendent des Kirchenkreises. Dazu könnten je nach erworbener zusätzlicher Qualifikation auch das Abhalten von Gottesdiensten, Taufen oder Trauungen gehören. Eine Beschränkung gibt es eigentlich nur beim Vorsitz eines Gemeinde-Presbyteriums. Dem muss weiterhin ein Pfarrer oder eine Pfarrerin vorstehen.

Blick auf die Zahlen

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Von den 66 Pfarrerinnen und Pfarrern im Kirchenkreis würden in den kommenden zehn Jahren 41 das Ruhestandsalter erreichen, erläutert Superintendent Bald. Die stark abnehmende Zahl des »Fachpersonals« mache es schon heute nötig, neue und weitergehende Formen im Sinne von interprofessioneller Teamarbeit zu entwickeln. Im aktuellen Vikar-Kursus der Evangelischen Kirche von Westfalen seien aktuell nur elf junge Theologen.

Einstellungsstopp und Stellenkürzungen hätten das Interesse am Pfarrberuf in der Vergangenheit stark gebremst. Jetzt werde wieder aktiv geworben, langsam steige die Zahl der Theologie-Studenten wieder an.

Dr. Gerald Wagner, als Pfarrer für Milse und Altenhagen zuständig, äußert sich im Gemeinde- brief der Braker Kirchengemeinde zuversichtlich zum neuen Modell, setzt auf Phantasie und Innovationskraft: »Wir haben dafür keine Blaupause – wir werden die Zukunft von Team und Pfarramt erst noch erfinden.«

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