Vorplanung zur Linie-1-Verlängerung ist fertig – Bahn soll neben der Straße fahren
Auf dem Rasengleis nach Sennestadt

Bielefeld (WB). Die Verlängerung der Stadtbahnlinie 1 bis nach Sennestadt ist aus Sicht von Mobiel und Amt für Verkehr machbar und wäre »eine deutliche Verbesserung für den ÖPNV«. Für das sechs Kilometer lange Stück von der jetzigen Endhaltestelle Senne bis zum Sennestadtteich haben sie am Mittwoch der Politik ihre Planung vorgelegt.

Donnerstag, 28.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 28.11.2019, 11:58 Uhr
Zunächst bis zum Sennestadtteich reicht die Planung für die künftige Linie 1 mit bis zu acht Haltestellen auf dem Sechs-Kilometer-Stück. Die Station »Kamphof« soll kommen, wenn dort auch ein Park & Ride-Parkplatz gebaut werden kann.

Von einem »wichtigen Zwischenziel« spricht Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann. Und mit dem Planungsentwurf wird auch klar: Stadt und Mobiel halten die Trassenverlängerung für förderfähig und damit eines der größten Infrastrukturprojekte in Bielefeld in den kommenden Jahren auch finanziell für machbar. Zwischenzeitlich gab es daran Zweifel, weil der Landesbetrieb Straßen NRW für die L 756 (Brackweder und Paderborner Straße), neben der die Stadtbahn fahren soll, auf dem Regelwerk für außerörtliche Landesstraßen besteht. Was bedeutet, dass Fahrbahnen breiter sein müssen als im innerörtlichen Bereich, der bisherige Straßenraum für eine Stadtbahn an vielen Stellen nicht ausreicht und daher Grundstücksflächen dazugekauft werden müssen. Angesichts höherer Kosten stand somit die Wirtschaftlichkeit infrage.

Trassenlage

Um insbesondere den Verkehr an den Kreuzungen nicht zu behindern, haben sich die Planer dazu entschieden, die Gleise auf der Nordseite neben der Straße zu verlegen, und nicht in Mittellage zwischen den Fahrspuren. So können auch Staus die Bahn nicht behindern. Verlegt werden soll ein Rasengleis: aus optischen und ökologischen Gründen, aber auch weil es den Geräuschpegel senkt.

Straßenraum

Angesichts rückläufiger Verkehrszahlen auf der L 756 kann die Straße von vier auf zwei Spuren zurückgebaut werden. Das gilt für den Bereich etwa ab Höhe Friedhofstraße bis Ortsausgang Sennestadt. Ausnahme: an den Knotenpunkten Friedhofstraße, Osningstraße (Buschkampkreuzung) und Verler Straße (Eikelmannkreuzung) sowie auf dem Stück zwischen Buschkamp- und Eikelmannkreuzung mit der A2-Abfahrt bleibt es bei vier Spuren, um die Straße leistungsfähig zu halten.

Rechts und links der Fahrbahnen sollen jeweils zwei Meter breite Radwege und jeweils 2,50 Meter breite Gehwege angelegt werden. Für die Autos bleiben insgesamt sieben Meter, die Bahn benötigt 8,15 Meter. Bei zusätzlichen Abbiegespuren und in Höhe der Haltestellen wächst der Platzbedarf. Der Straßenraum, jetzt zwischen 23 und 30 Meter, wächst um 1,15 bis 6,15 Meter. Auf der ganzen Strecke bleibt es für den motorisierten Verkehr bei Tempo 70.

Die Betroffenen

Grundsätzlich soll es in den zweispurigen Abschnitten zusätzliche Rechtsabbiegespuren geben, wo Einmündungen auf die L 756 treffen. Dazu wird zusätzlicher Platz benötigt. Um möglichst wenig auf private Grundstücke zugreifen zu müssen, wird an einzelnen Einmündungen auf Abbiegespuren verzichtet, das Abbiegen auch untersagt. So soll ein Rechtsabbiegen etwa in den Spiegelsberger Weg verboten werden, aus den gleichen Gründen ein Linksabbiegen in die Bretonische Straße, was zu veränderten Verkehrsflüssen in angrenzenden Straßen führt. Private Grundstückszufahrten von der L 756 werden abgebunden, die Grundstückszufahrten über Parallelstraßen neu geordnet.

Insgesamt 70 Grundstückseigentümer sind laut Mobiel und Stadt betroffen, weil ihre Zufahrt neu geregelt werden muss oder sie Grundstücksteile abgeben sollen. Die Gespräche seien aufgenommen worden. Auf vier Flächen stehen Gebäude auf der Trasse und müssen weichen, darunter das Mimmo-Pizza-Haus an der Wendeschleife in Senne sowie die Shell-Tankstelle auf der Nordseite der Brackweder Straße in Senne.

Haltestellen

Acht Haltestellen sind auf dem Stück zwischen Wendeschleife und Kreuzkirche geplant. Der Abstand im Vergleich zu den jetzigen Haltestellen der Buslinie 135 vergrößert sich der Planung zufolge leicht. Haltestellen sollen dort entstehen, wo Fußgänger auch die L 756 überqueren können. Das ist an den Kreuzungspunkten der Fall. So sind Haltestellen etwa an der Buschkampkreuzung vor dem früheren Neotechnik-Gebäude geplant oder in der Nähe der Einmündung Bretonische Straße sowie am Feuerbachweg.

In Höhe Industriestraße soll ein Haltepunkt die Gewerbeunternehmen beidseitig der Paderborner Straße (Schröder Teams, Famila) an den ÖPNV anbinden. Eine Haltestelle mit dem Namen Kamp­hof ist Martin Uekmann zufolge optional: Sie läge nahe der Abfahrt der Brücke Am Schießstand und würde dann eingerichtet, falls dort ein Park & Ride-Parkplatz entstehen könnte – als Anknüpfung des ÖPNV an die A 2.

Sennestädter Ortslage

Große Veränderungen soll es nach den Vorstellungen der Planer in der Sennestädter Ortslage vor dem Sennestadtteich geben. Die Brücke am Ramsbrockring über die Paderborner Straße würde abgerissen, auf die Paderborner Straße ein Kreisverkehr gesetzt, der den Verkehr in alle Richtungen zu- und ableitet. Dadurch würde der südliche Teil des Sennestadtrings überflüssig und abgebaut. Statt dessen würden Fuß- und Radwege um den Teich geführt. Es wäre dort auch Platz für die Stadtbahn, falls sie ins nördliche Sennestadt weitergeführt wird.

Die beiden Fußgängertunnel unter der Paderborner Straße würden geschlossen, Fußgänger könnten die dann zweispurige Straße oberirdisch in Höhe der Kreuzkirche und der Hans-Christian-Andersen-Schule überqueren. An der Einmündung des Sennestadtrings auf die Paderborner Straße (Höhe Commerzbank/Combi) sollen Bushaltestellen entstehen. Diese Stelle wäre der Verknüpfungspunkt zwischen Bahn- und Busverkehr in Sennestadt.

Zeitplan

Zum weiteren Zeitplan wagen die Akteure keine Prognose. Nach der jetzt abgeschlossenen Vorplanung und der Einbindung der Bürger ab 2020 für den weiteren Trassenverlauf folgt ab Mitte 2020 eine Entwurfsplanung für die gesamte Strecke, ab Mitte 2021 die Arbeit an einer Genehmigungsplanung, die im Antrag auf Planfeststellung münden soll.

Die Planungen wurden am Mittwoch der Politik präsentiert. Bürger werden bei zwei Veranstaltungen informiert: Am Montag, 2. Dezember, um 18 Uhr in der Aula der Hans-Ehrenberg-Schule in Sennestadt sowie am Mittwoch, 4. Dezember, um 18 Uhr im Forum der Realschule Senne.

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