Wanderausstellung »300 Jahre Stadtrechte in Ravensberg« macht im Stadtarchiv Station Der König bittet zur Kasse

Bielefeld (WB). Ehemals waren sie Flecken oder Dörfer. Im Jahr 1719 erklärte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Ortschaften Borgholzhausen, Halle, Preußisch Oldendorf, Versmold, Vlotho, Werther, Bünde und Enger zu Städten.

Von Uta Jostwerner
Die Ausstellung »300 Jahre Stadtrechte«, zu sehen im Stadtarchiv, haben auf den Weg gebracht: Dr. Jochen Rath (von links), Sebastian Schröder, Dr. Johannes Altenberend, Professor Dr. Ulrich Andermann und Dr. Rolf Westheider.
Die Ausstellung »300 Jahre Stadtrechte«, zu sehen im Stadtarchiv, haben auf den Weg gebracht: Dr. Jochen Rath (von links), Sebastian Schröder, Dr. Johannes Altenberend, Professor Dr. Ulrich Andermann und Dr. Rolf Westheider. Foto: Bernhard Pierel

Eine vom Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg initiierte Wanderausstellung gibt nun Aufschluss über die Folgen der Stadtrechtsverleihungen und der damit verbundenen Steuerreform. Die Ausstellung »1719 - 2019 – 300 Jahre Stadtrechte in Ravensberg – Acht Städte und ihre Geschichte« ist noch bis zum 25. Januar im Stadtarchiv zu sehen. Sie veranschaulicht die Entstehung und Entwicklung der so genannten Akzisestädte in der Grafschaft Ravensberg anhand von reproduzierten Archivalien, Wappen, Stadtsiegeln, historischen Karten und Ansichtskarten.

Akzisestädte nur im preußischen Westfalen

»Bei Akzisestädten handelt es sich um einen frühneuzeitlichen Städtetyp, den es nur im preußischen Westfalen gab«, verdeutlicht Dr. Rolf Westheider. Der Stadtarchivar und Historiker in Versmold und Borgholzhausen zeichnet für die Konzeption sowie die interkommunale Koordinierung der Ausstellung verantwortlich. Wissenschaftlich beraten und unterstützt wurde er dabei von Sebastian Schröder vom Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster sowie von Dr. Johannes Altenberend, dem Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins.

»Akzise war eine neue Form der Umsatz- oder Mehrwertsteuer, die auf alle Güter, die in die Stadt kamen, erhoben wurde«, berichtet Sebastian Schröder. Ein gelungener Versuch, die steigenden Kosten des landesherrlichen Haushalts zu finanzieren, eine Geldbeschaffungsmaßnahme, um Justiz-, Verwaltungs- und Schulreformen sowie Handel und Gewerbe voran zu treiben, so Schröder.

Zu diesem Zweck schaffte der preußische König die alten Steuern ab, eine direkte Kopf- und Grundsteuer. Lediglich auf dem Land blieb diese so genannte Kontributionssteuer bestehen.

Die Akzise war eine indirekte Steuer. Sobald ein Kauf zustand kam, mussten Bürger und Händler Abgaben zahlen. Zu den steuerpflichtigen Gütern zählten vor allem Getreide, Getränke, Schlachtvieh, Feinkostwaren, Hökerwaren, Nahrungsmittel, Leinenerzeugnisse und Stoffe sowie Gegenstände wie Perücken, Juwelen, Schmuck, Spielkarten, Papier und Brennholz. Zudem mussten Grundstücksbesitzer und die Eigentümer von Tieren einen gewissen Beitrag an die Akzisekasse zahlen. Dabei gab es keinen für alle Waren gültigen Steuersatz. »Jeder Posten wurde einzeln bewertet. Das führte zur Effizienzsteigerung«, verdeutlicht Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs.

Nicht alle waren begeistert

Nicht alle Orte waren folglich begeistert, zu Akzisestädten zu werden. Anders die Engeraner: »Sie wollten unbedingt den Stadtstatus erlangen, weil nur in den Städten den Menschen erlaubt war, Handel und Gewerbe auszuüben«, weiß Jochen Rath. Somit gab es auch Vorteile für die Städte.

Die bereits bestehenden Städte Herford und Bielefeld waren nicht begeistert ob der neuen Entwicklungen. Sie fürchteten die Konkurrenz. Und in Bielefeld kam es im Fahrwasser der Steuerreform sogar zu Tumulten. »So wurde 1719 die Selbstverwaltung der Zünfte und Gilden abgeschafft. Das führte zu Unruhen, die etwa drei bis fünf Tage andauerten«, legt Jochen Rath dar.

Der zur Ausstellung erschienene Katalog ist nahezu vergriffen. »Wir werden ihn aber in Kürze digitalisieren und ins Internet stellen«, kündigt Professor Dr. Ulrich Andermann, der Vorsitzende des Historischen Vereins an.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek am Neumarkt zu sehen – Ausstellungsfläche im ersten Obergeschoss.

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