Zehnte Verleihung: Initiatoren blicken zurück – Debatte um Geehrte und Fortschritte Bielefelder Integrationspreis: Wie alles begann

Bielefeld (WB). Es kommt nicht oft vor, dass bei einer Preisverleihung der Ratssaal rappelvoll ist. Beim Bielefelder Integrationspreis, der am Donnerstag zum zehnten Mal vergeben wird, war dies zuletzt immer der Fall. Das WESTFALEN-BLATT hat mit den Initiatoren des Preises gesprochen, der heute über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist.

Von Stefan Biestmann
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Symbolfoto Foto: dpa

»Integration ist ein langwieriger Prozess und keine Aufgabe, die mal eben kurzfristig erledigt werden kann«, sagt Franz Schaible, Vorsitzender der Stiftung Solidarität. Die Stiftung richtet gemeinsam mit der Stadt und dem Inte­grationsrat den Wettbewerb aus. Vor zehn Jahren machte Schaible sich als stellvertretender Vorsitzender der Stockmeier-Stiftung gemeinsam mit Unternehmer Jürgen Stockmeier Gedanken, wie man Integration in der Stadt besser fördern kann.

Der damalige Integrationsamtsleiter Karl-Heinz Voßhans und der damalige Integrationsratschef Yasin Sever hatten eine Idee: einen Preis auszuloben, der positive Integrationsbeispiele würdigt.

»Das zeigt auch den Stellenwert des Preises und die lokale Verankerung.«

Bereits im Januar 2007 war der Preis Thema im Migrationsrat gewesen, dem Vorgänger des Integrationsrats. »Das war der erste Vorschlag, aber es fehlte zunächst noch das Geld«, erinnert sich Sever. Als zwei Jahre später die Stockmeier-Stiftung als Geldgeber für die zunächst mit 5000 Euro und heute mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung zusagte, war das die Geburt des Integrationspreises. »Die ersten drei Jahre waren ein Testlauf. Dann hat man aber schnell gemerkt, dass der Preis eine Institution in Bielefeld werden kann«, berichtet Karl-Heinz Voßhans.

Das sagt auch Franz Schaible: »Ich bin wahnsinnig überrascht darüber, wie sich die Resonanz entwickelt hat. Das zeigt auch den Stellenwert des Preises und die lokale Verankerung.«

Der Integrationspreis sei eine Wertschätzung für alle Menschen, die sich vor allem ehrenamtlich für Integration einsetzen, sagt Yasin Sever. »Und er ist eine Motivation für andere Menschen, sich ebenfalls zu engagieren.«

»Es gab immer mal Diskussionen über Preisträger«

Aber es gab nicht nur positive Nachrichten rund um den Integrationspreis. Als die Stockmeier-Stiftung vor einigen Jahren als Sponsor aufhörte, bedeutete das aber einen Einschnitt. Schließlich sprang die Stiftung Solidarität als Geldgeber ein – und rettete damit den Preis. Nicht jeder ausgewählte Preisträger war unumstritten. So gab es im vergangenen Jahr scharfe Kritik daran, dass Adil Önder als Vorsitzender der Ditib-Merkez-Moschee die Auszeichnung erhielt. Der Geehrte hatte bei Facebook ein Foto aus Ankara gepostet, das ihn am Denkmal des Gründers der rechtsextremen Grauen Wölfe zeigt. Önder distanzierte sich nach der Kritik von den Grauen Wölfen.

»Es gab immer mal Diskussionen über Preisträger«, erinnert sich Voßhans. »Integration ist für mich auch ein Bekenntnis zum Grundgesetz und zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung«, sagt er. »Da sehe ich bei Teilen der Zugewanderten leider eine Distanz.« Er verweist auf »tradierte familiäre Strukturen und Ideologien«. Sever weist auf die Entwicklungen nach der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 hin. »Die Herausforderungen sind nicht geringer geworden.« Umso wichtiger sei es, Menschen, Vereine und Institutionen herauszuheben, die sich für die Integration stark machen.

Das sind die Preisträger des Jahres 2019

Die positivsten Beispiele des Jahres 2019 sind nach Auffassung der Jury die vier Preisträger: das Unternehmen Kipp Umwelttechnik, der SC Bielefeld, das Team Jubico (Junge Bielefelder couragieren) und das Frauenkulturzentrum. Der Preis mit dem Motto »Integration braucht Haltung – von uns allen« wird am Donnerstag um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses übergeben. Die Begrüßung übernimmt Oberbürgermeister Pit Clausen als Schirmherr. Als Laudator agiert Michael Heicks, Intendant des Bielefelder Theaters.

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