Mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am Donnerstag überreicht 10. Bielefelder Integrationspreis: Das sind die Gewinner

Bielefeld (WB/sb). Der Bielefelder Integrationspreis wird an diesem Donnerstag zum zehnten Mal verliehen. Das WESTFALEN-BLATT verrät vorab, welche vier Projekte gewonnen haben.

Engagiert: Michael Voll, Präsident Axel Gerlach, Geschäftsführer Frank Riedel und Projektleiterin Sophie Kemp mit den Junior-Coaches Jonny, Max, Till, Alina, Burak und Fabian
Engagiert: Michael Voll, Präsident Axel Gerlach, Geschäftsführer Frank Riedel und Projektleiterin Sophie Kemp mit den Junior-Coaches Jonny, Max, Till, Alina, Burak und Fabian

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis geht an das Unternehmen Kipp Umwelttechnik, den SC Bielefeld, das Team Jubico (Junge Bielefelder couragieren) und das Frauenkulturzentrum.

Der Preis mit dem Motto »Integration braucht Haltung – von uns allen« wird am Donnerstag um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses übergeben. Die Begrüßung übernimmt Oberbürgermeister Pit Clausen als Schirmherr. Als Laudator agiert Michael Heicks, Intendant des Bielefelder Theaters.

Preisträger 1: SC Bielefeld

40 Prozent der Mitglieder des SC Bielefeld (SCB) haben einen Migrationshintergrund. Der Verein ist vor allem in Sudbrack und Gellershagen verwurzelt und hat unter dem Motto »Quartier in Bewegung« alternative interkulturelle Angebote geschaffen.

Der SCB bringt auch Kinder in Bewegung. So öffnen dank des Projekts »Open Sunday« seit 2017 auch sonntags Sporthallen, die eigentlich geschlossen sind. Das Spiel- und Breitensportangebot richtet sich an Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. Immer mehr Spielstätten schließen sich der Aktion an. Zudem hat der SCB Sportpatenschaften mit Kitas und gemeinsame Sportfeste mit Kindergärten und Schulen initiiert. Darüber hinaus ist der SCB seit 2017 Stützpunktverein im Bundesprogramm »Integration durch Sport«. Der Erfolg gibt dem Verein Recht: Aufgrund der interkulturellen Angebote habe sich der Anzahl der Mitglieder im Alter von bis zu zwölf Jahren fast verzehnfacht – auf jetzt 50.

Preisträger 2: Unternehmen Kipp Umwelttechnik

Aus 16 Ländern stammen die Mitarbeiter der Unternehmens Kipp Umwelttechnik an der Senner Straße. Und die Firma weiß, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Denn samstags bietet das Unternehmen Deutschunterricht an für zugewanderte Auszubildende. Kipp kann mittlerweile einige Erfolgsgeschichten aufzählen.

So konnte Flüchtling Youssouf Touré (23) aus Mali »vor sechs Jahren weder lesen, schreiben noch ein Wort Deutsch sprechen«, heißt es. Doch 2017 begann er bei Kipp eine Ausbildung zum Straßenbauer und bestand die Prüfung zum Tiefbaufacharbeiter. Der Lohn für die engagierte Leistung: eine Einladung zum Bürgerfest des Bundespräsidenten. Bereits die Handwerkskammer hat Kipp mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Jetzt folgte die nächste Ehrung. Die Jury würdigt das Unternehmen, weil es Mitarbeiter wie Youssouf Touré fördert – und ihnen eine bessere Zukunft ermöglicht.

Kipp-Ausbildungsbetreuerin Maja Gehle mit den Flüchtlingen Youssouf Touré (hinten von links) und Manuchehr Saidov sowie (vorne von links) Hakeem Noono, Luke Solomos und Emigen Curri.

Preisträger 3: Frauenkulturzentrum

Es gibt viele Migrantinnen, die allein oder mit ihren Kindern in Bielefeld leben. Diese Frauen sind seit dem Jahr 2015 die Zielgruppe eines gemeinsamen Frühstücks im Frauenkulturzentrum an der Meller Straße. Die Gäste sprechen mit anderen Migrantinnen und Bielefelder Bürgerinnen über traumatische Erfahrungen, Familienstreitigkeiten oder Alltagssorgen. Einigen Teilnehmerinnen fehlen nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern auch die sozialen Kontakte. Der Verein Frauenkulturzentrum leistet Abhilfe.

Zum einen wird während des Frühstücks konsequent Deutsch gesprochen. Zum anderen erhalten die Teilnehmerinnen Infos über Angebote wie Fahrrad- oder Schwimmkurse. Das Frauenkulturzen­trum unterstützt die Frauen auch bei Problemen mit dem Jobcenter, bei Arztbesuchen, Behördengängen und bei der Wohnungssuche. Das Ziel: Die Frauen sollen eigenverantwortlich und selbstbestimmt in Bielefeld leben.

Andrea Wolnik (links) und Anke Wiegräbe beraten im Frauenkulturzentrum Migrantinnen.

Preisträger 4: Jubico

Sie machen sich stark für Zivilcourage in der Stadt: Das Team Jubico besteht aus 20 Bielefelder Schülern und Studenten im Alter von 14 bis 22 Jahren. Jubico – das steht für »Junge Bielefelder couragieren«.

Und Courage hat das vor einem Jahr gegründete Projekt gleich mehrfach gezeigt. So hat das Team bereits Plakate in Busse und Bahnen mit der folgenden Aufschrift aufgehängt: »Ich stehe auf für deine Religion, deine Schwächen, deine Behinderung«. Während einer Valentinstagsaktion bastelte und tanzte die Gruppe in Altenheimen und verteilte Obst und Tee an Obdachlose. Um in brenzligen Situationen zu bestehen, hat das Jubico-Team bereits einen Selbstverteidigungskursus absolviert.

Es sind sicher nicht die letzten Projekte. Denn die jungen Menschen treffen sich fast wöchentlich in der Luisenschule, in der Universität oder in Parks, um neue Aktionen zu planen.

Alina Krohmer (von links), Zara Okur und Leonie Braun engagieren sich für das Projekt Jubico.

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