Krankenhäuser in OWL müssen Behandlungen einschränken Pflege-Vorgaben: Klinikbetten bleiben leer

Bielefeld (WB). Immer mehr Kliniken in Deutschland leiden unter Einschränkungen durch die neuen Personalvorgaben. Weil Pfleger fehlen, müssen Stationen zeitweise geschlossen werden – auch in OWL.

Von Florian Weyand
Auch in OWL müssen Betten leer bleiben.
Auch in OWL müssen Betten leer bleiben. Foto: Patrick Seeger/dpa

In Deutschland wachse die Gefahr, dass es in Krankenhäusern zu Lücken in der Patientenversorgung kommt, warnt die Arbeitsgemeinschaft Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG), zu denen auch die Mühlenkreiskliniken in Minden sowie das Städtische Klinikum Bielefeld gehören.

Grund für die Warnung sind die vom Gesundheitsministerium zu Jahresbeginn eingeführten Personaluntergrenzen. Diese sind für vier medizinische Bereiche (Intensivstationen, Unfallchirurgie, Kardiologie und Geriatrie) gesetzlich festgelegt. Konkret schreibt das Gesetz vor, wie viele Patienten eine Pflegekraft betreuen darf. Auf Intensivstationen sind das tagsüber 2,5 Patienten pro Pfleger, nachts sind es drei. In der Kardiologie sind zwölf Patienten vorgesehen, nachts darf eine Pflegekraft maximal 20 Patienten betreuen.

»Mitarbeiter jonglieren täglich mit Kapazitäten«

Viele Kliniken meldeten zuletzt, dass sie die Vorgaben nur durch Einschränkungen von Behandlungen oder durch die Stilllegung von Intensivversorgungsplätzen erreichen können. »Das ist eine Gefahr, die wir sehen, und mit der wir uns täglich auseinandersetzen«, sagt Christian Busse, der Pressesprecher der Mühlenkreiskliniken.

Um nicht gegen das Gesetz zu verstoßen und Strafzahlungen zu riskieren, haben die Mühlenkreiskliniken die Intensivkapazitäten an allen Standorten reduziert. Zwar lehne man bei geringer personeller Besetzung keine Patienten ab, doch notfalls werde ein Patient verlegt. »Unsere Mitarbeiter jonglieren täglich mit den Kapazitäten«, sagt Busse.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Bastian Flohr vom Klinikum Herford gemacht. Gerade in der Kinderintensivbetreuung sei es in der Vergangenheit bereits zu Engpässen gekommen, sagt der Pflegedirektor. Der Grund: »In diesem Bereich müssen die Mitarbeiter speziell ausgebildet sein«, sagt Flohr. Da die Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, bleibt den Krankenhäusern nur die Reduzierung der Betten übrig.

Vorgaben zu 95 Prozent eingehalten

Das Städtische Klinikum Bielefeld teilte mit, dass die Vorgaben bisher in 95 Prozent der Fälle eingehalten worden seien. »Zeitweise« seien Kapazitäten reduziert – und auch Patienten schon einmal abgelehnt worden. »Das kommt aber immer mal vor«, teilt Pressesprecher Axel Dittmar schriftlich mit.

Besserung ist für die Krankenhäuser vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant offenbar neue Personalvorgaben für Krankenhäuser. Einem Bericht der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« zufolge will er von 2020 an in der Herzchirurgie und Neurologie sowie in sogenannten Stroke Units zur Behandlung von Schlaganfallpatienten Personaluntergrenzen festlegen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7088831?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F