Prozess gegen Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen fortgesetzt Zeuge droht den Angeklagten

Bielefeld/Bad Oeynhausen (WB). Im Prozess um den mutmaßlichen Missbrauch acht kleiner Patientinnen in einer Physiotherapiepraxis in Bad Oeynhausen haben am Freitag zwei Polizisten sowie Angehörige zweier Opfer ausgesagt. Ein Zeuge drohte dem Angeklagten Rainer M. (61) und seiner Frau (62).

Von Florian Weyand
Die mitangeklagte Ehefrau Reinhild M. mit ihrem Verteidiger Torge Sulkiewicz aus Münster.
Die mitangeklagte Ehefrau Reinhild M. mit ihrem Verteidiger Torge Sulkiewicz aus Münster. Foto: Althoff

Der 25-jährige Deutsch-Libanese, der einer Großfamilie angehört, ist der Bruder eines jungen Opfers. Das Mädchen soll in der Physiotherapiepraxis von Rainer M. in Bad Oeynhausen im Schambereich berührt worden sein.

Der Zeuge wies bei seiner Aussage darauf hin, dass man in seinem Heimatland anders mit solchen Fällen umgehen würde als in Deutschland. Das Wort Rache nahm der Klempner aber nicht in den Mund. Richter Carsten Nabel ermahnte den Mann am Ende dennoch: »Ich will ihnen noch etwas mit auf den Weg geben. Es darf nichts passieren«, sagte er.

Anschließend erkundigte sich der 25-Jährige jedoch, ob die Frau von Rainer M. derzeit in Haft sitze. Als er erfuhr, dass die nur wenige Meter von ihm auf der Anklagebank sitzende Reinhild M. (62) nicht in Untersuchungshaft sei, antwortete der 25-Jährige mit einer Drohung in Richtung der beiden Angeklagten: »Aber nicht dass am Ende nur zwei Jahre als Strafe herauskommen. Ich kenne meine Leute!« Ein Rechtsanwalt kommentierte die Drohung in einer Verhandlungspause: »Die meinen das ernst.«

»Das hat uns alle mitgenommen«

Zuvor konnte der 25-jährige Zeuge aber auch etwas zum Fall berichten. Er erklärte, dass in der Familie nur wenige davon wüssten, dass seine Schwester Opfer des Physiotherapeuten geworden sei. Seine Mutter gebe sich eine Teilschuld, dass seiner Schwester Schlimmes widerfahren sei. Die, die es wüssten, würden enorm darunter leiden. »Das hat uns alle mitgenommen, es geht drunter und drüber«, sagte er.

Zuvor wurden eine Polizistin (40) sowie ein Polizist (56) befragt. Beide waren an den Vernehmungen der Eltern sowie der mutmaßlichen Opfer beteiligt. Die Polizistin berichtete von unangenehmen Gesprächen. Eine 13-Jährige, die dreimal von Rainer M. behandelt worden sein soll, habe stark mit ihren Emotionen zu kämpfen gehabt. »Die ganze Zeit sind Tränen geflossen«, sagte die Beamtin, die in Dortmund arbeitet.

Rainer M. soll die damalige Fünftklässlerin bei der Behandlung regelmäßig durchgekitzelt haben. Mit der Handfläche soll er dabei auch die Brust des Mädchens berührt haben. »Für sie war das eine Grenzüberschreitung«, berichtete die Polizistin aus der Vernehmung. Zudem soll der Physiotherapeut die Hose des Mädchens so weit heruntergezogen haben, dass der Intimbereich des Mädchens zu sehen gewesen sei.

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