Durchfahrt während des Umbaus nur für Busse frei – Debatte um teure Verkehrswende Jahnplatz zwei Jahre dicht

Bielefeld (WB). Wenn ab Sommer der Jahnplatz umgebaut wird, muss der Autoverkehr für zwei Jahre weichen. Nur Busse sollen den Platz dann passieren können.

Von Michael Schläger
Wird der Jahnplatz umgebaut, können zwei Jahre lang nur Busse passieren.
Wird der Jahnplatz umgebaut, können zwei Jahre lang nur Busse passieren. Foto: Thomas F. Starke

Darüber wurde jetzt die Projektgruppe Jahnplatz informiert, in der neben Politikern auch Vertreter von Handelsverband, IHK und Kaufmannschaft Altstadt vertreten sind. Ursprünglich war angedacht, einen halbseitigen Einbahnverkehr einzurichten. Doch das funktioniert nicht wegen der Buslinien, die in beiden Richtungen den Platz passieren müssen. Wie der Autoverkehr während der Bauphase umgeleitet werden soll, ist noch nicht klar. Es dürfte allerdings zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen.

Der Jahnplatz-Umbau ist Teil der geplanten Verkehrswende. Vor Einrichtung der Umweltspur passierten jeden Tag 22.000 Autos den Platz. Aktuell sind es 15.000. Die Perspektive ist, dass nur noch 12.000 Autos am Tag über den Jahnplatz fahren. Eine neue Verkehrszählung soll Anfang des Jahres stattfinden. Dann sind die Baustellen an August-Bebel- und Oelmühlenstraße beendet.

Aktuell verkehren 900 Busse täglich auf dem Jahnplatz

Eine Simulation zeigt jetzt, dass der Verkehrsfluss auf dem Jahnplatz auch gewährleistet ist, wenn an der Friedrich-Verleger-Straße in Richtung Jahnplatz eine zusätzliche Haltestelle eingerichtet wird. Busse, die von dort kommen, müssen dann in den Jahnplatz einbiegen können. Bisher ist die Frie­drich-Verleger-Straße auch für Busse eine Einbahnstraße in Richtung Kesselbrink. Mit der zusätzlichen Haltestelle soll der Busverkehr entzerrt werden.

Aktuell verkehren 900 Busse täglich auf dem Jahnplatz. Perspektivisch sollen es bis zu 1200 sein. Kritik gab es in der Projektgruppe daran, dass der Radverkehr auf dem Jahnplatz durchgängig freie Fahrt haben, dass es für den Radweg keine Ampel geben soll, damit Fußgänger sicher passieren können. Es gibt auch immer mehr Kritiker eines Fahrradparkhauses unter dem Jahnplatz, obwohl ein neues Gutachten gerade dessen Sinnhaftigkeit belegen soll. Die Gegner sagen, schon der Erwerb des Jahnplatztunnels für sechs Millionen Euro sei zu teuer. Zweifel gibt es auch am Konzept. Ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof sei sinnvoller. Die kritischen Stimmen sollen auch aus dem Paprika-Bündnis kommen.

Für Aufregung hat eine jetzt öffentlich gewordene Studie des Karlsruher Büros PTV Group gesorgt, wonach selbst Milliarden-Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr nicht zu einem deutlichen Anstieg der Nutzerzahlen führen würden (diese Zeitung berichtete). Ein Real-Szenario, das vor allem bereits geplante Stadtbahnverlängerungen berücksichtigt, würde ebenfalls lediglich zu einer Steigerung der Nutzerzahlen von derzeit 14 auf 15,5 Prozent aller Verkehrsteilnehmer führen.

CDU fordert Stopp

Die CDU-Ratsfraktion fordert Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) und die Paprika-Koalition auf, die mit nur einer Stimme Mehrheit beschlossenen Maßnahmen zur Verkehrswende zu stoppen. Fraktionschef Ralf Nettel­stroth: »Das Gutachten des Beratungsunternehmens PTV Group belegt, dass die Paprika-Pläne unrealistisch sind. Das Ziel, den Autoverkehr in Bielefeld bis 2030 von jetzt 51 Prozent mehr als zu halbieren, ist nicht erreichbar.«

Die SPD biete, so Nettelstroth, bei der Verkehrswende ein »jämmerliches Bild«: »Die Genossen überlassen den Grünen das Feld, laufen hinterher und merken nicht, dass der Weg in die Irre führt.« Besondere Verantwortung trage SPD-Oberbürgermeister Pit Clausen: »Die Bürger erwarten von ihrem Stadtoberhaupt, dass er das Wohl der gesamten Bevölkerung im Blick hat und nicht bei den weitreichenden Mobilitäts-Beschlüssen nur den Mehrheitsbeschaffer für Paprika gibt.«

Nicht ohne Einschnitte

Jens Julkowski-Keppler, Ratsfraktionschef der Grünen, findet die Aussagen der Studie dagegen nicht überraschend. Es werde zu Beschränkungen des motorisierten Individualverkehrs kommen müssen, so Julkowski-Keppler. »Anders kommen wir nicht zu einer gerechteren Verteilung des Verkehrs.« Er verwies auf eine Stuttgarter Untersuchung, wonach der Wegfall von Parkplätzen in der Innenstadt zu einem signifikanten Anstieg bei den Nutzerzahlen im ÖPNV führe. SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier sagte, es gehe nicht darum, sofort in der Innenstadt Parkplätze zurückzubauen. »Vielmehr müssen in der Peripherie erst einmal attraktive Park-&-Ride-Anlagen geschaffen werden.«

»Fahrspuren einziehen, Stau provozieren, Parkgebühren massiv erhöhen – nur so kann Rot-Grün den von ihnen festgelegten Planwert erreichen«, findet wiederum FDP-Chef Jan Maik Schlifter. »Das muss allen klar sein, auch wenn vor allem die SPD das vor der Wahl nicht sagen mag.« »Kosten und Nutzen der angedachten Maßnahmen stehen in einem derart krassen Widerspruch, dass auch die gläubigen Verkehrsideologen der Paprika-Koalition daran nicht mehr vorbeikommen werden«, so Rainer Ludwig, OB-Kandidat der BfB.

Godehard Franzen, Vorsitzender des Vereins »Bielefeld pro Nahverkehr«, wirbt unterdessen dafür, die vorgestellten Ergebnisse nicht als »dogmatische Wahrheiten« zu interpretieren. Die Verkehrswende sei zwingend notwendig, wenn Bielefeld zukunftsfähig bleiben will. »Kein anderer Bereich ist so anti-nachhaltig organisiert wie unsere Mobilität.«

Kommentare

Parkplatzabbau im Innenstadtbereich führt nicht zu massiv erhöhrten Fahrgastzahlen im ÖPNV sondern zu einer weiteren Abwanderung der Kunden in den Umgebungsbereich oder den Online-Handel. Die Bielefelder Kaufleute können einfach nur froh sein das es nicht im näheren Umland sowas wie den Werre-Park gibt und das das Loom ebenfalls in der Innenstadt angesiedelt ist. Sonst wäre jetzt schon Totentanz angesagt. :)

Au Backe...

Selten so gelacht....der Jahnplatz ist jetzt schon nicht mehr befahrbar.Abermals Millionen für nix...ich überlege meine Steuerzahlungen einzustellen und zu spenden.Das erscheint mir sinnvoller,als diese Bratwürste mein verdientes Geld verprassen zu lassen.Es ist leider nicht mehr nachzuvollziehen,was die sogenannte Elite abliefert.

Jahnplatzumbau

Und der Horror nimmt kein Ende...

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