Schon mehr als 42.000 Unterstützer der Petition für den Erhalt der Mufflon-Herde in Bielefeld Jäger wollen Totalabschuss verweigern

Bielefeld (WB). Im Streit um die Mufflons im Teutoburger Wald bekräftigt die Stadt, alles tun zu wollen, um sich für den Erhalt der Herde einzusetzen. Zweifel äußert sie dabei vor allem daran, dass das Gutachten, das die durch die Tiere angerichteten Schäden auf jährlich 5000 Euro beziffert, nach wie vor aussagekräftig ist.

Von Hendrik Uffmann
Zwar tauchen die Mufflons immer wieder am Rand des Teutos auf, Schnappschüsse der Tiere wie dieser sind aber eher selten.
Zwar tauchen die Mufflons immer wieder am Rand des Teutos auf, Schnappschüsse der Tiere wie dieser sind aber eher selten. Foto: Sabine Schulze

»Das Gutachten ist nun schon sechs bis sieben Jahre alt, und seit dem hat sich die Situation im Wald verändert«, erklärte am Dienstag Gisela Bockermann, Leiterin des städtischen Presseamtes. Durch Trockenheit und Borkenkäferbefall sei vor allem der Bestand an Fichten enorm reduziert worden. Die Schäden, die die Mufflons an den Fichten verursachen, spielten in dem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, jedoch eine große Rolle.

Die Position der Stadt sei nach wie vor, dass die Mufflon-Herde bleiben soll. »Sie gehört zum Teutoburger Wald«, so Gisela Bockermann. Die Stadt suche deshalb nach einem »juristisch sauberen Weg«, die Herde zu erhalten. Um diesen zu finden, müsse jedoch erst der Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung des Oberverwaltungsgerichts in Münster abgewartet werden.

Stadt will Mittel prüfen

Eine Revision hatte der 16. Senat des Münsteraner Gerichts nicht zugelassen. Dagegen könnte die Stadt Bielefeld jedoch eine Nichtzulassungsbeschwerde erheben, über die dann das Bundesverwaltungsgericht entscheiden müsste.

Otto Klasing, Vorstandsvorsitzender der Klasingschen Familienstiftung, betonte am Dienstag erneut, dass die Mufflon-Herde aus dem Wald der Stiftung entfernt werden soll. Aus rechtlichen Gründen habe die Stiftung deshalb den Totalabschuss der Herde gefordert. »Dies kann aber auch durch eine Umsiedlung der Tiere erfolgen. Dies wäre uns sogar noch lieber«, so Klasing. Ob dies für die gesamte Herde realistisch ist, bezweifle er allerdings. Bei einzelnen Mufflons halte er sie jedoch für machbar.

Aus Sicht der Stadt Bielefeld ist es jedoch unmöglich, die Tiere einzufangen, um sie dann zum Beispiel in einem Wildpark unterzubringen, so Gisela Bockermann. »Außerdem handelt es sich um Wildtiere. Sie in einem Gehege einzusperren, wäre Tierquälerei.«

Hegegemeinschaft setzt sich ein

Auch die Hegegemeinschaft, in der sich die Jäger der fünf Jagdbezirke, in denen die Mufflon-Herde lebt, zusammengeschlossen haben, setzt sich weiter für den Erhalt der Tiere ein. »In keinem Fall werden sich die Jäger der Hegegemeinschaft an einem Totalabschuss des Muffelwildrudels beteiligen«, erklärt Mark Meyer zu Bentrup, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, in einer Stellungnahme.

Eine Umsiedlung der Tiere ist auch aus Sicht der Hegegemeinschaft »objektiv unmöglich«. »Die Wildtiere lassen sich nicht einfangen. Dieses zu thematisieren, bedeutet eine Irreführung der Öffentlichkeit«, so Mark Meyer zu Bentrup.

Die Hegegemeinschaft kritisiert auch das Oberverwaltungsgericht, da es zwei Waldeigentümer und Inhaber von Forstbetrieben nicht zu der Verhandlung geladen habe. Meyer zu Bentrup: »Diese Forstbetriebe hatten sich strikt gegen den Totalabschuss des Muffelwildes ausgesprochen.« Darüber hinaus hielten auch die Mitglieder der Hegegemeinschaft den Schaden von jährlich 5000 Euro für deutlich überhöht. Der Gutachter leite den Betrag vor allem aus den Schäden an Fichten und Eschen ab – beide Baumarten stürben derzeit jedoch aus ganz anderen Gründen wie dem Klimawandel und Borkenkäferbefall aus. Zudem sei der Schutz von Bäumen bei der Neuaufforstung durch eine teilweise Einzäunung und den Schutz von Einzelbäumen möglich.

»Keine Lösung des Problems«

Auch aus Sicht von Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom Vorstand der Bielefelder Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind die Schäden, die die Mufflons in dem Wald anrichten, kein Grund für einen Totalabschuss der Herde. »Der Abschuss der Herde löst die Probleme nicht«, sagt Niemeyer-Lüllwitz. Denn auch anderes Wild wie Rehe richte Schäden an und fresse zum Beispiel die Triebe nachwachsender Bäume.

Die Online-Petition , die sich für den Erhalt der Herde einsetzt und die bis Dienstagabend schon mehr als 42.000 Unterstützer gefunden hat, wolle er dennoch nicht unterschreiben. »Ich sehe beide Seiten«, so Niemeyer-Lüllwitz.

Unterdessen positionieren sich auch politische Parteien in dem Streit um die Mufflon-Herde. »Der Totalabschuss der Bielefelder Mufflonherde an der Hünenburg ist aus Sicht der Bielefelder Grünen keine Option. Die Tiere sind seit mittlerweile 60 Jahren ein fester Bestandteil des Bielefelder Waldes«, heißt es in einer Stellungnahme der Grünen. Deshalb rufe die Partei zur Unterstützung der Online-Petition auf.

Auch die Wählergemeinschaft Bürgernähe/Piraten spricht sich gegen das Töten der Mufflons aus. »Es sollte ein Runder Tisch eingerichtet werden, der alle Menschen zusammenbringt, die sich für den Erhalt der Herde stark machen. Sei es mit Platz, mit Geld oder anderen Aktivitäten. Eine Spendenaktion könnte das ganze komplettieren«, so Gerd Bobermin von der Wählergemeinschaft.

Kommentare

Töten ist keine Lösung

Es kann nicht immer die Lösung sein die Tiere abzuschießen. In der heutigen Zeit sollte der Natur auch ihre Daseinsberechtigung zugestanden werden

Mufflon-Herde Natur Wirtschaft

Mit Interesse habe ich den Fortgang dieses Themas verfolgt. Bis heute bleibt mein Eindruck: einerseits Natur- und Umweltschutz, andererseits wirtschaftliche Interessen (im Kleinen und auch im Großen). Leider ist es immer noch so, dass die wirtschaftliichen Interessen (auch Einzelner -Familienstiftung-) über die Interessen Vieler (fast Alle) gestellt werden. Bei allem Wohlwollen: 5000 € im Jahr an Schaden (vllt. zu hoch?); dies kann und wird die Stiftung, deren Zweck die Unterstützung der eigenen Familie ist, nicht in den Ruin treiben. Und es gilt immer noch Artikel 14 Satz (2) und (3) des Grundgesetzes - oder?

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