Bielefelder Influencerin (22) erklärt, warum der Job härter ist, als er scheint – mit Video Training ist nicht alles

Bielefeld (WB). Laura Schwarzer geht viermal pro Woche ins Fitnessstudio. Wenn die 22-jährige Bielefelderin Gewichte stemmt, sind ihre mehr als 85.000 Follower auf Instagram oftmals live dabei. Laura ist Fitness-Influencerin: Ein lukrativer Nebenjob, der mit mehr Aufwand verbunden ist, als die Bilder erahnen lassen.

Von Renée Trippler
WESTFALEN-BLATT-Reporterin Renée Trippler (rechts) hat Fitness-Influencerin Laura Schwarzer ins Fitness-Studio begleitet, um zu sehen, wie ihr Trainings-Alltag aussieht, den mehr als 85.000 Menschen auf Instagram verfolgen.
WESTFALEN-BLATT-Reporterin Renée Trippler (rechts) hat Fitness-Influencerin Laura Schwarzer ins Fitness-Studio begleitet, um zu sehen, wie ihr Trainings-Alltag aussieht, den mehr als 85.000 Menschen auf Instagram verfolgen. Foto: Thomas F. Starke

Die Reichweite und das authentische Product-Placement von Influencern über soziale Medien sind wertvoll für Unternehmen, weshalb man mit Kooperationen gutes Geld verdienen kann. Die angehende Kauffrau für Büromanagement aus Bielefeld investiert allerdings auch viel Zeit in ihren Instagram-Account und lässt ihre Follower an ihrem alltäglichen Leben teilhaben.

Jeden Tag wird die »Story« aktualisiert und ein Beitrag gepostet. »Hinter einem Post stecken mindestens zwei Stunden Arbeit«, sagt Laura. Zu dem perfekten Bild oder Video gehört viel mehr, als man auf den ersten Blick vermute: »Es müssen eine Location und das richtige Outfit ausgewählt werden, dann muss man aus sehr vielen Fotos das richtige wählen und es bearbeiten.«

Auch die Interaktion mit den Followern ist zeitaufwendig: Es gilt auf Kommentare zu reagieren und mit anderen Influencern zu netzwerken. Alles in allem investiert die Auszubildende 20 bis 25 Stunden pro Woche in ihren Nebenjob. Ihr Privatleben wird drum herum organisiert – und ist gleichzeitig Inhalt ihres Profils: »Wir teilen fast alles mit den Followern, auch wenn wir im Urlaub sind.«

Laura postet als »lauri_kc« auf Instagram Bilder und Videos rund um Sport, Ernährung oder Sportmode. »Ich habe angefangen zu trainieren, weil ich mich zu dünn fand, keine richtige Figur hatte«, sagt die 22-Jährige. Dabei geblieben sei sie, weil sie sich mit regelmäßigem Sport einfach besser fühlte. Dann kam sie vor drei Jahren auf die Idee, ihr Hobby zum Nebenberuf zu machen. »Ich habe mir gedacht, wenn ich ohnehin so viel trainiere, kann ich auch etwas daraus machen.«

Magische Marke

Nach eineinhalb Jahren hatte Laura die magische 10.000-Follower-Marke geknackt, ab der man offiziell als Influencer gilt, wie sie sagt. Damit kamen die ersten festen Kooperationen, unter anderem mit einem Supplement-Hersteller, für den Laura Proteinshakes und andere Nahrungsergänzungsmittel für Frauen vermarktet. »Das hat sich relativ schnell so entwickelt, dass man nicht für alles Werbung machen konnte und wollte«, sagt sie.

Bei den Kooperationen gebe es verschiedene Varianten, die lang- oder kurzfristig sein können erläutert sie. Entweder man hat einen festen Vertrag mit einer Firma, in dem Leistung und Vergütung festgeschrieben sind oder es werden einzelne Posts honoriert. Die Honorare lägen im zwei- bis dreistelligen Bereich.

Laura sagt, sie entscheide sehr überlegt, welche Produkte sie präsentiert und welche nicht, denn Authentizität ist ihr Erfolgsrezept. »Es gibt auch Firmen, die einem vorgefertigte Skripte zuschicken, die genau vorschreiben, was man tun oder sagen soll.« Sie wolle sich jedoch nicht derart einschränken lassen. Auch, weil ihre Follower merken würden, wenn sie etwas präsentiere, dass nicht wirklich zu ihr passe.

Wenn jemand derart erfolgreich im Netz ist, liegt die Vermutung nah, dass es nicht nur positives Feedback gibt. Laura sagt aber, sie habe bis jetzt nur eine unschöne Erfahrung machen müssen: Für einen früheren Medienbericht, der auf Facebook gepostet wurde, habe sie Kritik bekommen und sich auch persönlich angegriffen gefühlt: »Die Leute wissen einfach nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt. Man bekommt nichts geschenkt.«

Nach ihrer Ausbildung will sich Laura mit ihrem Freund (23) selbstständig machen und auch eigene Produkte vermarkten.

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