ZDF zeigt erste in Bielefeld gedrehte Wilsberg-Episode – Drei Kritiker sagen ihre Meinung
»Die zweite Folge kann nur besser werden«

Bielefeld (WB). Sparrenburg und Bürgerpark zur besten Sendezeit: 6,05 Millionen Zuschauer haben sich am Samstagabend im ZDF die erste in Bielefeld gedrehte Wilsberg-Folge angeschaut. Das WESTFALEN-BLATT hat einen Bielefelder Schauspieler, einen Tourismusexperten und den früheren Bielefelder SEK-Chef nach ihrer Meinung zur Episode gefragt.

Montag, 04.11.2019, 07:00 Uhr
Detektiv Georg Wilsberg (von rechts/Leonard Lansink, hier mit Oliver Korittke und Tim Hübsch) steht vor dem fiktiven Grillparadies an der Neustädter Straße. Die Pommesbude passt nach Meinung von Schauspieler Thomas Wolff eher zum Ruhrgebiet als zu Bielefeld.

Der Schauspieler

Schauspieler Thomas Wolff

Schauspieler Thomas Wolff Foto: Philipp Ottendörfer/Theater Bielefeld

Thomas Wolff ist Schauspieler am Theater Bielefeld. Die Leistung der Schauspieler im Krimi bezeichnet er als solide. »Sie haben es gut gemacht, mussten sich aber durch ein sehr krudes und sehr konstruiertes Drehbuch hangeln«, kritisiert Wolff. Inhaltlich ist die Episode »Ins Gesicht geschrieben«, die sich um eine in Bielefeld entwickelte Gesichtserkennungs-App dreht, aus seiner Sicht unstimmig. »Es dauerte 50 Minuten, bis der Film in Gang kam.«

Auch die Dialoge seien insgesamt etwas hölzern gewesen. »Der Humor war zu brav. Wirklich gelacht habe ich nicht, aber zumindest an einigen Stellen geschmunzelt«, berichtet er. Dagegen meint Wolff, dass Bielefeld bildlich gut in Szene gesetzt wurde. »Das fand ich sehr charmant. Das war eine gute Werbung für die Stadt.« Unpassend sei aber die fiktive Pommesbude »Grillparadies« an der Neustädter Straße gewesen. »Ich habe noch nie eine Pommesbude dieser Art in Bielefeld gesehen. So etwas kennt man eher aus dem Ruhrgebiet.«

Thomas Wolff vergibt für die Folge die Gesamtnote 2-3

Der frühere SEK-Chef

Der frühere SEK-Chef Erhard Küster

Der frühere SEK-Chef Erhard Küster

Erhard Küster war früher Leiter der Polizeiwache in Brackwede und SEK-Chef. Er hatte vor allem im Blick, wie der Münsteraner Kommissar Overbeck und sein Bielefelder Kollege Kommissar Drechshage ihren Job bewältigen. »Die Figuren sind völlig überzogen«, meint er. Zudem werde auch die Arbeit der Polizei nicht realitätsnah gezeigt. Polizisten, die mit »arroganter Überheblichkeit« agieren, seien für die bei der Polizei unabdingbare Teamarbeit nicht vorstellbar. »Diese Polizisten wären untragbar.«

Zudem sei es nicht denkbar, dass ein Polizist im Falle eines Mordes auf eigene Faust ermittelt. Und schon gar nicht sei es realistisch, dass ein Kripo-Kommissar gemeinsam mit dem SEK losmarschiert. Nicht gut gefiel Küster, »dass uniformierte Kollegen als Hilfspolizisten« dargestellt worden seien. Aufgrund der TV-Krimis hätten Zuschauer den falschen Eindruck, dass Kripo-Polizisten grundsätzlich höherrangig seien.

In der Folge sei aber zumindest Bielefeld gut in Szene gesetzt geworden, meint Küster. Ihm gefielen vor allem die Drohnen-Aufnahmen der Stadt. Trotzdem meint Küster: »Die zweite Bielefeld-Folge kann nur besser werden.«

Erhard Küster vergibt die Gesamtnote 3-4.

Der Tourismus-Experte

Hans-Rudolf Holtkamp, früherer Chef von Bielefeld Marketing

Hans-Rudolf Holtkamp, früherer Chef von Bielefeld Marketing Foto: Büscher

»Der Gesamteindruck war sehr positiv. Und Bielefeld kam in der Folge gut weg«, meint Hans-Rudolf Holtkamp, früherer Chef der Bielefeld Marketing GmbH. Für die Stadt sei die Folge eine gute Werbung gewesen. »Es ist die Summe vieler Faktoren«, sagt Holtkamp. Denn Bielefeld profitiere auch von der bundesweiten Berichterstattung über die beiden Bielefeld-Folgen und über die Dreharbeiten. Hinzu käme die parallel große mediale Aufmerksamkeit für die Aktion #Bielefeld-Million zur Bielefeld-Verschwörung.

»Und jetzt spielt Bielefeld am Samstagabend eine Hauptrolle – und der Zuschauer bekommt auch Bilder aus der Stadt zu sehen.« Vielleicht führe das dazu, dass sich Menschen für einen Wochenendtrip nach Bielefeld entscheiden. Holtkamp weist auch auf die Verdienste des gebürtigen Bielefelders Martin Neumann hin, der als ZDF-Redakteur aus dem Wilsberg-Roman einen TV-Hit formte – und die Bezüge zu Bielefeld in die Folgen einbaute. Ohne ihn seien die Dreharbeiten in Bielefeld nicht denkbar gewesen.

Während Sparrenburg und Bürgerpark eine größere Rolle spielen, sei der Alte Markt »die einzige richtig bekannte Kulisse«, die nicht zu sehen war. »Das lag bestimmt an den Bauarbeiten auf dem Alten Markt.« Gut gefallen hat Holtkamp auch der Bielefelder Polizeikommissar Drechshage, der sich ständig mit seinem Münsteraner Kollegen Overbeck stritt. »Das fand ich schon ganz originell.«

Hans-Rudolf Holtkamp vergibt die Gesamtnote: 2 .

Zumindest in einem sind sich alle drei Kritiker einig: »Auch die zweite Bielefelder Wilsberg-Folge schauen wir uns an.« Der Sendetermin im Jahr 2020 steht aber noch nicht fest.

Kommentare

Tim  wrote: 04.11.2019 15:53
Deutsche Blindheit für Humor...
Lustig, dieser SEK Mann im Ruhestand. Wilsberg ist also realitätsfern, ist ja was ganz neues.
Weiß er nicht, dass Wilsberg eine Parodie und somit absichtlich überzogen ist? Würde wirklich ernsthaft jemand glauben, dass eine Figur wie Overbeck einen echten Kripobeamten darstellen soll? Und immer grundsätzlich alle Figuren durch Zufall in denselben Fall verwickelt sind? Wilsberg ist eine Serie derselben Machart wie "Mord mit Aussicht", also bewusst nicht ernstzunehmen, sondern zum Schmunzeln. Die Fälle und wer der Mörder ist, sind reine Nebensache. Es ist Comedy mit Handlung, mehr nicht.

Hätte dem Mann, der so gar nicht wie einer dieser typischen denkbefreiten SEK Haudrauf-Schläger unserer Diktat...äh Regierung aussieht sondern eher wie ein Literaturkritiker, mehr Gespür für sowas zugetraut...
Total 1 comments
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