Ex-Freundin (26) verfolgt und niedergestochen: Bielefelder (27) wegen versuchten Totschlags vor Gericht
»Er kann erbarmungslos sein«

Bielefeld (WB). Vier Anklagen und ein Strafbefehl: Ein Bielefelder (27) muss sich seit Donnerstag wegen zahlreicher Straftaten vor dem Schwurgericht verantworten. Der gravierendste Vorwurf: Der Drogensüchtige soll seine Ex-Freundin (26) niedergestochen haben.

Sonntag, 03.11.2019, 07:52 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 07:54 Uhr
Verteidiger Martin Mauntel nimmt mit dem 27-Jährigen (rechts) Platz auf der Anklagebank. Der Bielefelder soll monatelang seine Ex-Freundin verfolgt haben, bevor er sie niederstach. Foto: Jens Heinze

Am 4. Mai dieses Jahres kam es der Anklage der Staatsanwaltschaft zufolge am Löllmannshof in Stieghorst zum ebenso dramatischen wie blutigen Höhepunkt in der seit langem schwelenden Krise zwischen dem verschuldeten Gelegenheitsarbeiter und der Studentin. Der stark alkoholisierte und von Kokain berauschte Angeklagte mit italienisch-griechischer Staatsbürgerschaft lauerte an jenem Samstag gegen 8.35 Uhr der Deutsch-Türkin und ihrer Mutter vor deren Haus auf. Es kam zum Streit, die Ex-Freundin wollte die Polizei rufen. Der Angeklagte riss der 26-Jährigen das Mobiltelefon aus der Hand, schlug ihr mit einer Faust ins Gesicht, griff ihr ins Haar, riss sie zu Boden und stach mit einem Messer auf sie ein.

Die junge Frau schwebte nach einem etwa zehn Zentimeter tiefen Stich in die linke Flanke in Lebensgefahr. Ärzten gelang es bei einer Notoperation, die inneren Blutungen zu stoppen. Drei Zeugen überwältigen direkt nach der Tat den Angreifer, drückten ihn gegen eine Hauswand, nahmen ihm das Messer ab und übergaben ihn der Polizei. Seitdem sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Annäherungsverbot erlassen

Eigentlich hätte diese Messerattacke nie passieren dürfen. Nachdem die 26-Jährige sich vergangenes Jahr nach drei Jahren platonischer und vor ihren Eltern verborgener Beziehung von ihrem gewalttätigen Partner getrennt hatte, beschimpfte und bedrohte der Bielefelder die Studentin persönlich, mit E-Mails und per Handynachrichten. Am 6. Dezember 2018 wurde gegen den polizeibekannten Gewalttäter ein Annäherungsverbot an die 26-Jährige erlassen. Bereits einen Tag später versuchte der Mann, in ihr Elternhaus einzubrechen und randalierte Ende Dezember mit einem Küchenmesser im Garten.

Über seinen Verteidiger Martin Mauntel legte der Bielefelder zum Prozessauftakt ein Geständnis ab und räumte alle Taten von Gewaltausbrüchen gegenüber Polizisten bis zum versuchten Totschlag an der Studentin ein. »Ich wollte sie auf keinen Fall töten«, ließ der Mann ausrichten.

Die Ex-Freundin zeichnete ein anderes Bild vom 27-Jährigen: »Er kann erbarmungslos sein. Irgendwann habe ich ihm gesagt, ich will nicht mehr.«

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