Seit 2011 kommt Andreas Krumme mit seinen Plänen nicht voran »Die Stadt bremst Investoren aus«

Bielefeld (WB). In dieser Woche hat Planungsdezernent Gregor Moss den Perspektivplan Wohnen vorgestellt und beklagt, wie schwierig es ist, in Bielefeld neues Bauland auszuweisen. »Als ich das gelesen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen«, sagt Investor Andreas Krumme.

Von Michael Schläger
Andreas Krumme auf seinem Feld an der Buschkampstraße. Eine Bebauung ist dort nicht in Sicht.
Andreas Krumme auf seinem Feld an der Buschkampstraße. Eine Bebauung ist dort nicht in Sicht. Foto: Schläger

Frisch gepflügt liegt er da, der Acker an der Buschkampstraße gegenüber der Bahnhofsschule. Die Menschen in Senne kennen die 3,8 Hektar große Fläche als Spargelfeld. »Hier will ich bauen, darf es aber nicht«, sagt Andreas Krumme.

Dabei hört sich das, was Krumme vor hat, ganz vernünftig an. 44 Mietwohnungen will er dort errichten, 32 davon sollen Sozialwohnungen werden. Darüber hinaus könnten auf der Fläche 27 Einfamilienhäuser entstehen. Die von der Stadt verlangte Quote von 25 Prozent geförderten Wohnungen wäre mehr als erfüllt. Der Vorteil des Areals: Es liegt direkt an der Bahnstation Windelsbleiche. Auch ein Parkdeck würde Krumme deshalb auf seiner Fläche bauen, eine Park-&-Ride-Möglichkeit für Pendler in die Bielefelder Innenstadt schaffen. Eigentlich ein Idealzustand, denn nach dem Willen der Politik sollen neue Wohngebiete möglichst dort entstehen, wo beste ÖPNV-Anbindungen bestehen.

Debatte um Lärmschutzwand

Krumme erzählt, was ihm in den vergangenen Jahren passiert ist. 2011 erwarb er die Fläche, auf der lange Zeit Mais, dann acht Jahre lang Spargel und seit 2017 wieder Mais angebaut worden war. Seine Idee: einen Lückenschluss schaffen zwischen den Siedlungsbereichen entlang der Buschkampstraße. Schließlich sei der Acker auch als Siedlungsgebiet im Regionalplan angemeldet gewesen.

Also machte er einen Plan und meldete sich bei der Stadt. Erster Einwand: Kröten und Vögel. Krumme konnte in einem Gutachten nachweisen, dass die Kröten nicht in Richtung Buschkampstraße, sondern in Richtung eines Waldgebietes und eines Regenrückhaltebeckens abwanderten. Nächster Einwand: Lärmschutz. Krumme war bereit, eine Lärmschutzwand zu errichten. Dann: Frischluftschneise. Krumme beauftragte einen Gutachter, der auch diesen Einwand entkräftete.

Martin Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes, sagt, dass das neue Wohnquartier wie ein Riegel innerhalb einer Grünachse, die bis hinauf zum Sennefriedhof reiche, gewirkt hätte. »Auch solche Belange müssen bei einer Planung berücksichtigt werden.«

Lösung ist nicht in Sicht

Krumme sieht das anders: »Die Stadt bremst Investoren aus«, sagt er. Was ihn besonders ärgert: Das Spargelfeld tauche seines Wissens nach im neuen Perspektivplan Wohnen erst gar nicht auf. Dabei wäre das Feld in den 90er Jahren fast schon bebaut worden. Die evangelikalen Georg-Müller-Schulen hatten damals den Acker als möglichen Standort für eine Grundschule im Blick.

Von den Senner Bezirkspolitikern habe er immer wieder viel Zustimmung zu seinem Vorhaben gehört, sagt Krumme. Nur im Rathaus fand er bisher kein Gehör. 20.000 Euro habe er inzwischen in das Vorhaben investiert. Eine Lösung sei nicht in Sicht.

Vor einigen Jahren hatte Krumme seine Sennestädter Firma verkauft. Er investierte unter anderem in Äcker und Waldflächen der Firma Windel. Heute betreibt er die Firma AGS Land- und Forstwirtschaft, die Agrardienstleistungen anbietet. In Senne besitzt er auch eine Reihe von Wohnungen. Angewiesen sei er nicht darauf, den Acker zu vermarkten. Aber es störe ihn, dass immer wieder über fehlendes Bauland lamentiert werde, auf der anderen Seite aber Planungen verhindert würden.

Martin Wörmann sagt, angesichts der wachsenden Großstadt Bielefeld mit inzwischen 340.000 Einwohnern werde es immer schwieriger, Umwelt- und Planungsbelange zu vereinbaren. Der Flächenverbrauch müsse sich aber in Grenzen halten.

Auf dem Acker an der Buschkampstraße wird im kommenden Jahr wohl wieder Mais wachsen. Wohnungsbau sei dort am Ende ökologisch besser als ein Maisfeld, meint Krumme. Zumal er auch bereit wäre, aus eigenem Bestand Ausgleichsflächen anzubieten.

Kommentare

Wohnraum verhindern

Das ist mal wieder typisch für Bielefeld, ständig wohnraumbebauung verhindern. Wir brauchen ja nur dringend Wohnraum. Lächerlich was mal wieder Menschen im öffentliche Dienst so alles machen dürfen. Wenn sie selber Wohnraum benötigen würden, würden sie auch anders denken. Man soll doch endlich mal froh sein das es einen Unternehmer gibt der sagt ich baue jetzt sotialwohnungen. Denn der Staat wie auch die Kommunen tun seid Jahren nichts auf diesem Gebiet. Wirklich traurig!!

Ich wohne dort in der Nähe und bin froh das die Stadt sich bisher dagegen entschieden hat. Viele Spaziergänger und Jogger genießen die Natur dort.

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