Taxizentrale kritisiert Zustände und will Patienten nicht mehr abholen Fahrer wollen Jahnplatz meiden

Bielefeld (WB). Bielefelds Taxifahrer beklagen die Zustände am Jahnplatz, wollen von dort künftig keine Fahrgäste mehr aus Arztpraxen abholen. Die Verwaltung verspricht, die Belange der Taxi-Chauffeure bei der Umbauplanung zu berücksichtigen.

Von Heinz Stelte und Michael Schläger
Bielefelder Taxifahrer haben – legal – keine Möglichkeit mehr, am Jahnplatz zu halten, um Patienten aus Arztpraxen ein- oder aussteigen lassen. Das ärgert sie massiv.
Bielefelder Taxifahrer haben – legal – keine Möglichkeit mehr, am Jahnplatz zu halten, um Patienten aus Arztpraxen ein- oder aussteigen lassen. Das ärgert sie massiv. Foto: Thomas F. Starke

Der betagte und gehbehinderte Rentner, der aus einer Arztpraxis kommt, der Patient einer Augenklinik, der gerade eine OP hinter sich hat, die Seniorin, die nach einer Narkose auf eine sichere Heimfahrt angewiesen ist – sie alle sind auf Hilfe beim Weg nach Hause angewiesen, nutzen in solchen einem Fall in der Mehrzahl ein Taxi. Das sollten sie überdenken, wenn ihre Arztpraxis am Jahnplatz liegt, denn: Es wird demnächst womöglich kein Taxi mehr kommen.

»Wir werden in Kürze die Arztpraxen rund um den Jahnplatz anschreiben, dass wir diese nicht mehr anfahren werden«, erklärt Spyridon Athanasiou, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Bielefelder Funk-Taxi Zentrale ( Bieta) . Schon jetzt würden viele Taxifahrer Fahrten zu den Ärzten am Jahnplatz meiden, denn die Gefahr, sich ein Knöllchen einzuhandeln, sei zu groß.

Busspur ist »absolutes Halteverbot«

»Seit Einführung der Umweltspur in Bielefeld gibt es keine Möglichkeit mehr, Fahrgäste in unmittelbarer Nähe der Praxen aufzunehmen,« sagt Predrag Simic, Bieta-Vorstandsmitglied. Gerade Fahrgästen, die kaum gehfähig sind oder aus den Augenarztpraxen kämen und sehbehindert seien, könne man nicht zumuten, allein bis zum Taxihaltepunkt am Niederwall zu gehen. »Doch genau das hat man uns bei einem Gespräch im Amt für Verkehr der Stadt gesagt,« erzürnt sich Simic. Die Busspur sei »absolutes Halteverbot«.

»Die Bedürfnisse der Menschen spielen offenbar überhaupt keine Rolle«, kritisiert Athanasiou die Entscheidung. Und verweist auf andere Großstädte wie Düsseldorf, wo Taxis wie selbstverständlich die Umweltspuren nutzen dürfen. »Da klappt das doch auch.« Das Argument, durch Taxihalte würde die Pünktlichkeit der Busse gefährdet, hält er für vorgeschoben. »Wir haben etwa zehn bis 15 Aufträge pro Tag am Jahnplatz. Wenn wir dann mal ein, zwei Minuten halten, lösen wir doch kein Chaos aus.«

»Wir haben die Taxi-Fahrer nicht vergessen«

Überhaupt bemängeln die Taxifahrer, dass sie bei den Jahnplatz-Planungen komplett übergangen wurden. Simic: »Dabei gehören wir doch zum öffentlichen Personen-Nahverkehr.« Als man von den Planungen für das Fahrradparkhaus unterm Jahnplatz erfahren und gesehen habe, dass die Zufahrt an jener Stelle gebaut werden soll, an dem sich jetzt der Taxi-Stand befindet, sei man doch sehr verwundert gewesen. »Wo sollen wir künftig stehen«, fragt sich nicht nur Predrag Simic.

»Wir haben die Taxi-Fahrer nicht vergessen«, versichert Dirk Vahrson, stellvertretender Leiter des städtischen Amtes für Verkehr. Am 3. Dezember werde der Politik ein Gesamtkonzept für den ober- und den unterirdischen Ausbau des Platzes (Fahrradparkhaus) zur abschließenden Entscheidung vorgelegt. »Darin werden auch Vorschläge enthalten sein, wie die Taxifahrer die angrenzenden Arztpraxen erreichen können.« Auch Stellplätze für die Taxis würden berücksichtigt. »Wir haben einen extrem engen Zeitplan«, so Vahrson weiter. Er bitte um Verständnis, dass die Belange der einzelnen Betroffenen nur der Reihe nach abgearbeitet werden könnten.

Die Bieta ist bereits mit Vorschlägen an die Stadt herangetreten, das Problem zu lösen. Die Bürgersteige seinen breit genug, an speziellen Stellen zwei, drei Taxi-Boxen einzurichten, erklärt Simic. »Wir sind gesprächsbereit, aber man misst bei der Stadt wohl mit zweierlei Maß.« Aus diesem Grunde will sich die Bieta beim Seniorenrat und den Blinden- und Sehbehinderten-Vertretungen Unterstützung holen.

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