Baumheide: Kampfmittelräumdienst braucht zweieinhalb Stunden zur Entschärfung
Tief liegende Bombe macht Probleme

Bielefeld (WB). Zweieinhalb Stunden dauerte es am Montagnachmittag bis zur erlösenden Nachricht : »Die Bombe ist entschärft«, vermeldete Gerd Matthée vom staatlichen Kampfmittelräumdienst um 14.35 Uhr. Für die Polizei war dies das Zeichen, alle Sperrungen in Baumheide aufzuheben. 3105 Menschen durften in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Straßen waren wieder frei.

Dienstag, 08.10.2019, 03:00 Uhr
Schwierige und langwierige Entschärfung mit glücklichem Ausgang: Gerd Matthée (links) und Wolfgang Stief präsentieren die Baumheider Bombe. Foto: Bernhard Pierel

Erfolgreiche Bombenentschärfung in Baumheide

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Foto: Bernhard Pierel
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Die bereits sechste Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Jahre 2019 auf Bielefelder Stadtgebiet entdeckt worden war, entpuppte sich als besonders harter Brocken: Sie war nicht nur 500 Kilogramm schwer, sondern lag mit acht Metern auch besonders tief in einem zudem schlammigen Boden. Konnten Matthée und seine Leute sonst oft schon nach weniger als 30 Minuten Entwarnung geben, zog sich die Demontage der beiden gut 75 Jahre alten Zünder für alle Beteiligten dieses Mal nervtötend in die Länge.

118 freiwillige Feuerwehrleute aus neun Löschabteilungen und 53 Polizisten, darunter eine Einsatzhundertschaft aus Münster, hatten die Wohnsiedlung zwischen Eckendorfer und Herforder Straße von 9 Uhr an zunächst evakuiert. Drei Schulen blieben, wie berichtet, sicherheitshalber geschlossen. Mobiel nahm den Haltepunkt Seidenstickerstraße aus der Route der Stadtbahnlinie 2 und richtete einen Schienenersatzverkehr ein. Sogar der Luftraum über Baumheide war gesperrt. »Denn bei einer Explosion«, erklärt Stadtsprecherin Gisela Bockermann, »fliegen die Splitter bis zu 2000 Meter hoch.«

Wer nach der Räumung der Siedlung nicht wusste, wo er abbleiben sollte, der konnte im Freizeitzentrum Baumheide unterkommen. Dort hatten die Bielefelder Hilfsorganisationen DRK, ASB und Johanniter insgesamt 46 Einsatzkräfte abgestellt, die sich in der Entschärfungsphase um Betreuung und Verpflegung der Anwohner kümmerten. 90 Männer und Frauen, davon elf mit Gehbehinderungen oder anderen Beeinträchtigungen, nahmen diesen Service gerne in Anspruch.

Derweil hatten Feuerwehr und Stadt Bielefeld in der Feuerwache Nord an der Herforder Straße ein Logistikzentrum eingerichtet, von dem aus im Notfall sofort mehrere Löschtrupps hätten starten können. Doch dazu kam es nicht: »Ich bin sehr erleichtert«, sagt Bombenentschärfer Gerd Matthée (63) mit Blicke auf die beiden rostigen Zünder in seiner Hand. »Das war einer meiner anstrengendsten Einsätze für den Kampfmittelräumdienst seit 1980.« Die psychische Belastung sei sehr groß, aber auch die körperliche Herausforderung nicht ohne gewesen.

Der Blindgänger hatte sich zu Kriegszeiten in senkrechter Position acht Meter tief in den vom nahen Wellbach aufgeweichten Boden gebohrt. »Der obere Zünder war schnell geschafft, aber der untere musste vorsichtig schichtweise frei gebaggert werden«, schildert Matthée. Beim Abpumpen halfen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks. Aus der Schlammgrube unter der Bombe habe er das sensible Detail schließlich händisch entfernen können.

Glückwünsche zur Entschärfung bekam Gerd Matthée unter anderem von Grundstücksbesitzerin Bärbel Schmidt, auch wenn die gelernte Bankkauffrau das Räumungsspektakel überwiegend aus eigener Tasche zahlen muss. Nach Gisela Bockermanns Angaben übernimmt die Stadt Bielefeld jedoch einen Teil der Kosten, weil das Umweltamt ein Eigeninteresse an der Bergung der Bombe hatte. Der Wellbach soll dort langfristig renaturiert werden.

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