Bielefelder sollen helfen, 80 Hektar Wald wieder aufzuforsten
Tote Fichten, schwächelnde Buchen

Bielefeld (WB). »Vor zwei Jahren war hier noch ein geschlossener Fichtenbestand«, sagt Herbert Linnemann, Abteilungsleiter Forsten im Städtischen Umweltbetrieb, und weist auf eine große Einschlagfläche. Entlang des Hermannsweges zum »Eisernen Anton« stapeln sich die gefällten Stämme.

Dienstag, 01.10.2019, 03:00 Uhr
Keine Hoffnung: Nach zwei Dürresommern und massivem Schädlingsbefall sind diese Fichten tot. 20 Prozent aller Bäume im Stadtwald sind Fichten. Auch Buchen, Eichen oder Eschen sind durch Käfer oder Pilze zum Teil unrettbar geschädigt. Foto: Bernhard Pierel

Orkane wie zuletzt 2018 »Friederike« , zwei trockene Sommer und massiver Schädlingsbefall haben dem Wald zugesetzt. Linnemann sagt, dass im Stadtwald 40.000 Festmeter Holz gefällt worden seien, mindestens ebenso viel in den Privatwäldern: »Zweieinhalb mal soviel wie üblich.« Der Stadt gehören rund 2000 Hektar Wald, gemeinsam mit den Privaten bedecken 5600 Quadratmeter Wald das Stadtgebiet.

Dass Schädlinge wie der Borkenkäfer leichtes Spiel hatten, zeigen die trockenen Fichten, die kein Harz mehr entwickeln können, um sich zu schützen. Auch die Buchen schwächeln. »Die Strategie im Kampf gegen den Käfer geht nicht mehr auf«, sagt Linnemann. 20 Prozent des Stadtwaldes bestehe aus Fichten, aber: »Bis auf vereinzelte Bäume sind diese Bestände verloren.« Dabei gehe es nicht um junge Bäume, sondern solche, die 100 Jahre und älter seien. Linnemann: »Wir haben die letzten Fichten vor 30 Jahren gesetzt.« Seitdem hätten sich Fichten selbst nachgesät; längst pflanze man junges Laubholz unter Fichten an, damit sich Mischwald entwickeln könne.

100 Fußballfelder

Die Schadflächen hätten sich inzwischen zu einer Gesamtgröße von 80 Hektar, also 800.000 Quadratmetern oder 100 Fußballfeldern summiert. »Wir müssen aufforsten«, sagt Oberbürgermeister Pit Clausen. Deshalb ruft er zu einer Spendenaktion auf, bei der jeder Bielefelder ab Ende Oktober mitmachen könne: nämlich zehn Euro für zehn Quadratmeter Waldfläche zu geben. Mit Hilfe der Spenden könnten dann ab November neue Bäume gepflanzt werden. Linnemann und Förster Thomas Busche schlagen dafür zum Beispiel Eiche, Rotbuche, Hainbuche, Birke, Wildkirsche, Ulme, Pappeln, Esskastanie, Weißtanne oder Douglasie vor.

Linnemann sagt, ein weiterer Sturm wäre für den Wald »fatal«. Aber auch der Temperaturanstieg durch den Klimawandel macht ihm Sorgen: »Eine um zwei Grad höhere Durchschnittstemperatur, und wir hätten Mittelmeerklima im Teutoburger Wald.« Dann seien andere Baumarten gefragt. Welche Buche, Eiche oder Tanne ersetzen könnten, Linnemann kann nur Vermutungen anstellen.

Wichtig ist es Linnemann und Busche, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt. Im Stadtgebiet gebe es 170 Kilometer Waldwege, Waldränder mit einer Länge von 57 Kilometern lägen an Straßen oder in unmittelbarer Nachbarschaft von Bebauung. Um für Sicherheit zu sorgen, müssten zahlreiche Bäume gefällt werden. Die Abteilung Forsten im Umweltbetrieb bestehe aber nur aus acht Mitarbeitern: »Wir kommen mit der Arbeit kaum hinterher.« Trotzdem solle der Wald zugänglich, sollen alle Wege nach Möglichkeit geöffnet bleiben. Linnemann: »Der Wald lässt sich nicht absperren.«

Wald sei Klimaschützer Nr. 1, aber auch Wirtschaftsfaktor. So gehe mit der Fichte auch das wichtigste Bauholz verloren. Linnemann nennt es aber »nicht legitim, wenn wir hier auf Ökologie machen und dafür Holz aus fernen Ländern exportieren.«

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