Uraufführung eines Werks von Bernd Wilden begeistert beim Konzert der Jusis
Sinfonischer Groove

Bielefeld (WB). Schlagzeugerlegende Martin Grubinger konnte bei seinen letzten Auftritten in der Oetkerhalle auch nicht mehr Beifall einfahren, als die drei jungen Bi-Cussion-Mitglieder aus der Schmiede von Jörg Prignitz. Nach dem fulminanten Sinfoniekonzert der Jungen Sinfoniker am Sonntag im Bielefelder Konzerthaus gibt es keinen Zweifel mehr: Luca Emanuel Maron, Max Middendorf und Maximilian Nordmeyer sind die neuen Stars der Bielefelder Perkussion-Szene.

Dienstag, 01.10.2019, 13:00 Uhr
Dirigent und Komponist Bernd Wilden beim Stummfilmfestival. Archiv-

Kein Wunder, denn als Solisten der Uraufführung eines Konzerts für Schlagzeug-Trio und Orchester von Bernd Wilden machten die drei Musiker eine super gute Figur, sowohl was ihre Bühnenpräsenz als auch ihr technisches und musikalisches Können anbelangt.

Profi-Liga

Diesbezüglich fordert der Komponist, unter dessen musikalischer Leitung das Werk in den vergangenen Wochen binnen eines vierteiligen Konzertzyklus’ uraufgeführt wurde, den jungen Virtuosen Fähigkeiten ab, die klar in die Profi-Liga verweisen. Etwa das Tremolieren mit Vier-Schlägel-Griff an Marimba und Vibraphon. Ferner eine große Flexibilität, die das perkussive Spiel an Drum-Set, Becken, Triangel und Holzblöcken erlaubt.

Im Spannungsfeld von kantablen und perkussiven Elementen hebt ein zartes Klingeln und Klopfen an, ehe die Marimba ein geheimnisvolles Thema vorgibt, das im Wechselspiel mit dem Orchester fortgesponnen und spannungsvoll verdichtet wird. Zu den satten Klangfarben eines großen Orchesters gesellen sich vier weitere Schlagzeuger. Sich wiederholende rhythmische Muster sorgen im ersten Satz »Allegro moderato« für einen jazz-ähnlichen Groove, doch auch die Lyrik kommt in schmachtenden Streicherklängen nicht zu kurz – Hollywood lässt grüßen. Da lässt sich der Filmmusikkomponist nicht verleugnen, genau so wenig wie im Finale des zweiten Satzes »Adagio – Moderato« mit seinen impulsiv gesetzten Klang- und Rhythmusakzenten, die im Duktus an Titelmusiken zu Pink Panther oder James Bond erinnern.

Imaginäre Klangwelten

Aber neben diesen satten Klangwelten versteht sich Bernd Wilden auch darauf, mittels sparsamster Motive in der Art der Minimal Music zu punkten und dabei das Trio mit dem Orchester in filigraner Klangrede zu verschmelzen. Nach mehrfachen Aufführungen in Eckardtsheim, Steinhagen und Detmold waren Solisten und Orchestermitglieder bestens aufeinander eingespielt, was sich hörbar in einer präzisen und spannungsvollen Wiedergabequalität niederschlug. Der Jubel des Oetkerhallenpublikums freilich galt in ersten Linie den drei Solisten, die sich mit einer munteren Zugabe, »Double Groove« von Eckhard Kopetzki, bedankten.

Umrahmt wurde dieses beredte Werk von den imaginären Klangwelten eines Modest Mussorgsky und Aram Khatchaturian. Zunächst der dämonische Hexensabbat der »Johannisnacht auf dem Kahlen Berge« mit seiner wuchtigen Gegenüberstellung von an- und abschwellenden Streichern, spottenden Flöten und grellem Blech. Aber auch mit seinen verführerisch kantablen Partien der keineswegs ausnahmslos hässlichen Hexen.

Am Ende überzeugten die Jusis mit einzelnen Sätzen aus der Ballett-Suite »Gayaneh«, mal tänzerisch, mal schwelgend, mal lyrisch und natürlich in der entfesselten Rasanz des Säbeltanzes. So spannungsvoll und reaktionsschnell musiziert, ernteten die jungen Musikerinnen und Musiker am Ende die verdienten Ovationen.

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