Neuer Rettungsdienstbedarfsplan: Mehr Personal, Autos und Wachen Die Retter rüsten massiv auf

Bielefeld (WB). Mehr Einsatzkräfte, mehr Fahrzeuge, mehr Wachen – der Rettungsdienst in Bielefeld ist immer mehr gefordert und muss mit einem Millionenaufwand massiv ausgebaut werden. So steht es im neuen Rettungsdienstbedarfsplan für die Stadt.

Von Jens Heinze
Großeinsatz für den Rettungsdienst in der Innenstadt: Am Mittwoch wurden zehn Schüler und eine Lehrerin aus Köln im Hauptbahnhof Bielefeld verletzt. Ein 39-jähriger Mann soll Reizgas versprüht haben, weil er sich gestört fühlte.
Großeinsatz für den Rettungsdienst in der Innenstadt: Am Mittwoch wurden zehn Schüler und eine Lehrerin aus Köln im Hauptbahnhof Bielefeld verletzt. Ein 39-jähriger Mann soll Reizgas versprüht haben, weil er sich gestört fühlte. Foto: Christian Müller/Archiv

Die aktuelle Lage: Der derzeit gültige Rettungsdienstbedarfsplan für die Großstadt ist mehr als zehn Jahre alt. Währenddessen ist die Zahl der Notfalleinsätze massiv gestiegen: von 27.600 im Jahr 2008 auf 38.100 im Jahr 2017 (ein Plus von fast 38 Prozent). Ein Grund ist die zunehmend alternde Bevölkerung (jeder vierte Bielefelder ist 60 Jahre alt oder älter).

Obwohl die Berufsfeuerwehr, kommunaler Träger des Rettungsdienstes, inzwischen aufgerüstet und unter anderem eine neue Rettungswache in Sennestadt eröffnet hat, brennt es an allen Ecken und Enden. Die Hilfsfrist, laut der in mindestens 90 Prozent aller Fälle binnen acht Minuten (Innenstadt) beziehungsweise binnen zwölf Minuten (Außenbezirke) die Retter am Einsatzort sein sollen, wird längst nicht mehr erreicht. Die Quote sank in der 258 Quadratkilometer großen Flächenstadt Bielefeld auf unter 70 Prozent.

Zwei weitere Wachen notwendig

Personal: Die massive Aufrüstung und Ausweitung geht natürlich nur mit mehr Personal. Der Rettungsdienstbedarfsplan sieht 94 Stellen für den Rettungsdienst, 16 zusätzliche Ausbildungsstellen für Notfallsanitäter und für die nächsten beiden Jahre fünf neue zusätzliche Stellen für Notfallsanitäter vor.

Notarztstandorte: Künftig soll es einen Notarzt mehr in Bielefeld geben. Der Notarztstandort am Klinikum Mitte, wo Arzt und Fahrer erst um die 200 Meter weit zum Auto laufen müssen, soll aufgegeben und in die Hauptfeuerwache ans Stadtholz verlagert werden. Am Stadtholz sind dann künftig zwei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) samt Besatzungen im 24-Stunden-Einsatz. In Bethel (Klinik Gilead) soll es künftig keinen Notarzt mehr geben. Zur besseren Versorgung des Bielefelder Nordens zieht das Personal in die Feuerwache West (Jöllenbecker-/Ecke Babenhauser Straße) um. Am Standort Klinikum Rosenhöhe, wo ein NEF und Rettungshubschrauber Christoph 13 stationiert sind, ändert sich nichts.

Rettungswachen: Derzeit gibt es davon zehn in der Stadt. Um schnell vor Ort sein zu können, sind zwei weitere Wachen notwendig. Diese sollen in Theesen für den Bielefelder Norden und im Raum Gellershagen/Dornberg für den Westen entstehen. Geeignete Grundstücke werden aktuell gesucht. In Sennestadt, wo dieses Jahr übergangsweise eine neue Rettungswache an der Industriestraße eröffnet wurde, soll nächstes Jahr neben dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Sennestadt an der Altmühlstraße ein Rettungswachen-Neubau für die Stadtteile Dalbke, Heideblümchen, Eckardtsheim und Sennestadt eröffnet werden.

Rettungswagen und Krankenwagen: Für Rettungseinsätze stehen künftig mehr Fahrzeuge länger bereit. Es sollen künftig 20 statt bislang zehn Rettungswagen (RTW) unterwegs sein. Die Zahl der RTW wird nicht nur verdoppelt, die sogenannte Vorhaltezeit (Jahresbesetztstunden) soll um 90 Prozent erhöht werden. Die Vorhaltezeit bei den Krankentransporten steigt um die Hälfte, im Einsatz sind zehn statt acht Autos.

Kosten: Die Investitionen in neue Fahrzeuge und deren Ausstattung sowie das Mehr an Personal sollen über Rettungsdienstgebühren, die die Krankenkassen zahlen, vollständig gedeckt sein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6931816?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F