Beißattacke bei Schleppjagd: Labrador Joe auf dem Weg der Besserung – Besitzerin erstattet Strafanzeige
»Das läuft jetzt über unsere Anwältin«

Bielefeld (WB). Hinter Simone und Lars Fürst liegen schlaflose Nächte. »Mein Mann und ich teilen uns die Nächte, wir lassen Joe keine Sekunde alleine und wachen über ihn auch, wenn er schläft«, erzählt die 41-Jährige. Joe ist ihr vierjähriger Labradorrüde, der in den vergangenen Tagen um sein Leben gekämpft hat, nachdem er am Sonntag am Rande einer Schleppjagd von einer Meute English Foxhounds angegriffen wurde (wir berichteten).

Samstag, 07.09.2019, 04:00 Uhr
Labrador Joe hat in den letzten Tag um sein Überleben gekämpft.

Mindestens zehn Bisse trug Joe davon, ein klaffender Riss am Bauch. Harnröhre und Darm wurden knapp verfehlt. »Dass Joe überlebt hat, war eine Frage von Millimetern«, erzählt Frauchen Simone Fürst, die selbst einen Biss in die Wade abbekam und auch psychisch noch spürbar unter den Folgen des Vorfalls leidet. »Ich lag mit dem stark blutenden Hund im Wald, war selbst verletzt, und die Reiter haben sich nicht gekümmert«, berichtet sie. Der Schrecken sitzt tief: »Ich nehme oft den Sohn meiner Freundin mit zum Spazierengehen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn der Neunjährige dabei gewesen wäre«.

Täglich Tierarztbesuche

Letztlich hat Simone Fürst ihren Mann per Handy informiert. Dann brachten sie den Hund in die Tierklinik, wo er sechs Stunden lang notoperiert wurde, und anschließend Simone Fürst ins Krankenhaus. »Wenn es keine Komplikationen gibt, ist Joe über den Berg«, sagt Fürst erleichtert. Dennoch stehen weiterhin täglich Tierarztbesuche und starke Schmerzmittel auf dem Programm.

Mehr als 2500 Euro hat das Ehepaar Fürst bereits für Tierarztkosten ausgegeben. Die extra für den Krankheitsfall abgeschlossene Hundeversicherung verweist auf die Haftpflicht der Verursacher. Das Ehepaar hat Strafanzeige gestellt. »Das läuft jetzt alles über unsere Anwältin«, sagt Simone Fürst.

Offenbar weitere Vorfälle im Rahmen der Schleppjagd

Laut der Hundebesitzerin ist es am Sonntag zu weiteren Vorfällen im Rahmen der Schleppjagd gekommen. Neben Schäferhundmix Siro, der von der Meute ins Bein gebissen wurde, soll noch ein dritter Hund verletzt worden sein. Simone Fürst hofft, dass sich die Betroffenen melden. Sie will, dass Schleppjagden sicherer werden.

Sie sei per Zuruf von den beiden Reiterinnen über die Meute informiert worden, habe aber den anderen Weg nur etwa zehn Meter weit einschlagen können – zu wenig, um der Meute zu entgehen. Simone Fürst: »Sonntagmittags sind so viele Menschen im Wald unterwegs, darunter Familien mit kleinen Kindern. Sie müssen mit Schildern, Flatterband oder anderem über die Jagden informiert werden.«

Kommentare

kahanrina  wrote: 07.09.2019 14:58
Konsequentes Handeln
Die "Jagd" mit einer Hundemeute stellt eine reine Hobbyveranstaltung Weniger dar. Die Leiter der Veranstaltung haben dabei offenkundig keine Kontrolle über die Hundemeute gehabt. Dazu kommt, dass sie vollkommen unverantwortlich handeln: Sie lassen eine verletzte Frau und einen verletzten Hund buchstäblich links liegen und auf ihrem weiteren Weg weitere Verletzte billigend in Kauf zu nehmen. Was muss noch passieren? Was muss da noch "geprüft" werden? Eine solche "Veranstaltung" darf nur noch auf ausreichned abgesperrtem Privatgelände stattfinden. In der Öffentlichkeit gehört es verboten. Das ist doch vollkommen klar.
D.W.  wrote: 07.09.2019 08:52
Unglaublich
Das was da im Wald passiert ist, konnte ich mir bis jetzt nicht im Traum vorstellen. Man geht mit der Familie im Wald spazieren und muss damit rechnen auf eine Gruppe von Reitern zu treffen die mit ihren Hunden auf der Jagd sind. Keine Warnung, keine Absperrung ,keine Hinweise. Das man dann noch von den Hunden angegriffen wird und das ganze nicht Strafbar sein soll, kann ich nicht glauben.
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