Folge 33 der Uni-Serie: Der Vorlesungstechniker der Physik veranschaulicht die Theorie
Hans Bartels lässt es krachen

Bielefeld (WB). Alle Theorie ist grau. Experimente können aber für Farbe sorgen. Oder zumindest dafür, dass es zischt und knallt. Bei den Physikern der Universität Bielefeld ist dafür Hans Bartels zuständig. Noch. Denn zum Jahresende geht der Vorlesungstechniker in den Ruhestand.

Sonntag, 08.09.2019, 12:00 Uhr
Hans Bartels in seinem Reich, der Physik-Sammlung. Zum Jahresende allerdings geht er in den Ruhestand, dann hat er mehr Zeit für seine Ehefrau, für Besuche bei der erwachsenen Tochter in Berlin und das Tüfteln am Computer. Foto: Thomas F. Starke

Die Physiksammlung ist das Reich von Hans Bartels. Jede Menge Messgeräte stehen hier in Schränken und Regalen, dazu Laser, Tesla-Spulen, Mischpulte, Magneten, Kameras, Kabel, Generatoren, Käfige, deren Funktion sich nicht sofort erschließt, Rohre, Glasbehälter, ein Ölfass, Gasflaschen, ein Globus, ein Spielzeug-Waggon, vieles mehr – und sogar ein Schlitten. Manches ist fertig gekauft, anderes selbst zusammengebastelt und einiges nach genauen Vorgaben in der mechanischen oder elektronischen Werkstatt der Universität gebaut worden. Allemal: All’ dieses benötigt Hans Bartels, um daraus Versuche aufzubauen.

Radio- und Fernsehtechniker

»In der Regel kommen die Physikprofessoren zu mir und erklären, welches Thema sie in der nächsten Vorlesung behandeln und mit Versuchen veranschaulichen wollen. Dazu baue ich dann ein Experiment auf«, erklärt Bar­tels. Womit schon deutlich wird, dass auch er über gehörige Physikkenntnisse verfügen muss.

Und tatsächlich ist der 65-Jährige gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Einige Jahre war er in diesem Beruf tätig und hat seinen Meister »gemacht«, dann hat er als Werkmeister in der Industrie, in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb, gearbeitet – bis ihm eine Anzeige der Universität in die Hände fiel: Gesucht wurde ein Vorlesungstechniker. Bartels setzte sich gegen 80 Bewerber durch, und seit nunmehr 20 Jahren obliegt es ihm, mit seinen Versuchsaufbauten in den Vorlesungen die Theorie der Physik für die Studenten praktisch zu verdeutlichen.

Aber nicht nur das: Er baut auch die Versuche für die Praktika der Physikstudenten auf und leitet sie an, greift ein, wenn ein Experiment einmal nicht läuft und sorgt etwa bei Physik-Eventshows, bei der noch jungen Reihe »Physik am Samstag«, an Schüler-Infotagen oder bei der Herbstakademie für feurige oder krachende Demonstrationen.

Mit einer »Influenz-Maschine« etwa lässt Bartels die Funken sprühen. Mit einer Stickstoff-Rakete sind bei den Physikshows schon Löcher in die Hörsaal-Decke gestanzt worden. Mit der Vakuum-Kanone (»Ihr Prinzip ist einfach.«) sind schon ausgemusterte Fernsehgeräte im laufenden Betrieb zerstört worden. Und keine Show ohne Tesla-Spule, mit der Blitze erzeugt werden. »Wenn die drei bis vier Meter hoch schießen, bedeutet das eine Spannung von drei Millionen Volt«, erklärt der 65-Jährige. Wenn es gewaltig kracht, kann er sicher sein, dass sich die Effekte (und damit die zugrunde liegende Theorie) gut einprägen.

Beeindruckend sind aber auch schon Vorführungen, die eine Nummer kleiner sind, etwa wenn mit einer im flüssigen Stickstoff bei minus 196 Grad gefrorenen und gehärteten Banane Nägel in die Wand geschlagen werden können. Oder wenn mittels Ölfass, Folie und eingeblasenem Nebel Kerzen ausgeschossen werden.

»Was Studenten aber nie vergessen, ist, wenn etwas daneben geht«, erzählt Bartels schmunzelnd. Deshalb nun aus pädagogischen Gründen womöglich bewusst Fehler einzubauen, lehnt er aber ab: Das ginge entschieden gegen die Ehre.

Respekt vor der Sache

Ganz ungefährlich ist es nicht, wenn mit Propangas, Wasserstoff und Sauerstoff oder hohen Spannungen hantiert wird. »Entscheidend ist, dass man weiß, was man macht. Man muss Respekt vor der Sache haben und nicht über die Grenzen gehen«, mahnt Bartels. Ebenfalls unabdingbar für den Vorlesungstechniker: Phantasie. Um die Relativität von Bewegungen zu zeigen, hat er etwa eine große Spielzeugbahn angeschafft. »Wer in einem fahrenden Zug einen Ball hoch in die Luft wirft und ihn wieder auffängt, hat das Gefühl, dass sich der Ball nicht bewegt hat. Wird das Ganze aber von außen gefilmt, kann man sehen, dass sich der Ball wohl bewegt hat: mit dem Zug.« Die Spielzeugbahn erlaubt, genau das zu zeigen.

Und wozu brauchte es den Schlitten? »Damit haben wir die Thermodynamik illustriert.« Dafür wurde ein Freiwilliger vor die Reihen des Hörsaal-Gestühls gebeten, auf den Schlitten gesetzt und über den Boden gezogen. »Eine Wärmebildkamera hat dann gezeigt, wo der Schlitten gezogen worden war, weil dort Reibungswärme entstanden war.« Was so einfach klingt, war durchaus schon eine Herausforderung für Bartels: »Einmal hat sich als Freiwilliger ein gewichtiger Zwei-Meter-Mann gemeldet. Den habe ich kaum von der Stelle bekommen. . .«

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