Kritik an den Plänen der Bundesregierung für ein Tierschutzlabel
OWL-Landwirte mahnen: Mehr Naturschutz kostet Geld

Bielefeld (WB). Kein staatliches Tierschutzlabel, sondern Ausbau der Initiative Tierwohl: Aus Sicht der Landwirte in Ostwestfalen-Lippe wäre das die beste Lösung. Der Bezirksvorsitzende Hubertus Beringmeier hofft, dass der am Mittwoch vorgestellte gemeinsame Entwurf der Ministerinnen für Landwirtschaft und Umwelt noch geändert wird.

Freitag, 06.09.2019, 05:42 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 05:50 Uhr
Der Vorstand der OWL-Landwirtschaft hat mit den von der Politik geplanten Gesetzen noch mehr Probleme als mit den nach zwei Dürrejahren erneut kleineren Ernten (von links): Wilhelm Brüggemeier, Hubertus Beringmeier und Antonius Tillmann. Foto: Bernhard Pierel

Der große Vorteil der Initiative Tierwohl ist aus Sicht des Bauernpräsidenten und Landwirts in Hövelhof, dass er auch die finanziellen Belange der Landwirte berücksichtigt. So werden die höheren Ausgaben für eine tiergerechte Schweinehaltung vom Handel vergütet – zu Beginn mit 4,0 und inzwischen sogar mit 6,25 Cent pro Kilogramm. Bislang gibt es die Vereinbarung für Schweinefleisch. Eine Ausweitung auf Rindfleisch und Geflügel ist aber seit langem im Gespräch.

Viele Verbraucher kaufen das billige Sonderangebot

»Das Vertrauen der Politikerinnen, dass der Markt schon alles richten wird, teilen wir nicht«, erklärte Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Bauernverbandes Westfalen-Lippe und Landwirt in Enger, am Donnerstag bei einer Zwischenbilanz der diesjährigen Ernteerträge in OWL. Die Erfahrung spreche dafür, dass viele Verbraucher am Ende doch das billigere Sonderangebot kauften.

Grundsätzlich seien die Bauern bereit, den Platz pro Tiere im Stall zu vergrößern und einen Auslauf nach draußen zu ermöglichen. Allerdings müssten sie sicher sein, dass die Ausgaben in absehbarer Zeit refinanziert würden. Zudem scheiterten viele Baupläne an Emissionsvorschriften und anderen bürokratischen Hindernissen.

Trotz der insgesamt mehr als 900 Kilometer langen »Blühstreifens« für Insekten, die die OWL-Landwirte 2019 aus eigenem Antrieb ausgesät haben, hat Beringmeier auch Bedenken gegen das in Berlin beschlossene Insektenschutzprogramm. So bedeute ein vollständiges Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in allen Schutzgebieten das Aus für die dort vorhandene konventionelle Landwirtschaft. Dies treffe OWL besonders, da hier etwa ein Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Fläche unter Schutz stehe. »Ich hoffe, dass das geplante Gesetz noch geändert wird«, sagte Beringmeier. Schließlich sei es auch nicht im Sinne des Naturschutzes, wenn noch mehr Höfe aufgegeben und Lebensmittel aus dem Ausland importiert würden.

Grundsätzliche Bereitschaft, mit Naturschutz im Gespräch zu bleiben

Erneut betonte die Spitze des OWL-Landwirtschaftesverbandes ihre grundsätzliche Bereitschaft, mit dem Naturschutz im Gespräch zu bleiben. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende Antonius Tillmann aus Warburg räumte ein, dass die Landwirtschaft nicht nur, wie zwei Dürrejahre hintereinander zeigten, Opfer des Klimawandels sei, sondern auch Mittäter. Der Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland liege bei sieben Prozent. Um ihn zu senken, werde der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) eine »Klimaschutzberatung« für die Betriebe einrichten. Erfahrungen hätten gezeigt, dass etwa durch ein anderes Gesundheits- und Fütterungsmanagement und die Verwertung von Gülle in Biogasanlagen pro Betrieb jährlich 50 Tonnen Kohlendioxid einzusparen seien.

Zudem gehe es darum, etwa durch geänderte Fruchtfolge den Humusgehalt des Bodens zu erhöhen. Ein Prozent mehr binde 40 Milliliter Niederschlag pro Quadratmeter, erklärte Tillmann.

Kritik übte Beringmeier am EU-Freihandelsabkommen mit der südamerikanischen Staatengemeinschaft Mercosur. Hier seien die Bauern Opfer der Interessen der Automobilindustrie. Besonders betroffen seien Rindfleischerzeuger und Zuckerrüben-Anbauer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6903384?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Hakenkreuz-Christbaumkugel in Chat-Gruppe der Polizei
Im Dritten Reich gab es Christbaumkugeln mit Hakenkreuz. Dieses Bild entstand in einer Ausstellung über historischen Weihnachtsschmuck. Das Gesetz erlaubt das Zeigen eines solchen Fotos in Berichten über zeitgeschichtliche Vorgänge. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker