Schleppjagd: Hunde sollen angegriffen haben
Frau (41) und Labrador gebissen

Bielefeld (WB/hz). Bei einer Schleppjagd am Senner Hellweg im Bielefelder Süden sollen zwei Dutzend Jagdhunde über eine Bielefelderin (41) und ihren Labrador hergefallen sein.

Mittwoch, 04.09.2019, 17:43 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 17:46 Uhr
Labrador (Symbolfoto) Foto: dpa

Die Frau erlitt durch ihre Hose einen Biss in eine Wade, ihr Hund bekam sehr schwere Bisswunden ab. Nach Anzeige bei der Polizei werde unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die Verantwortlichen der Schleppjagd ermittelt, sagte Polizeisprecherin Hella Christoph. Gleichzeitig liege eine Anzeige wegen Beleidigung gegen die gebissene 41-Jährige vor. Die Bielefelderin soll die Ehefrau (54) des Jagdverantwortlichen (67) beschimpft haben.

Heftiges Wortgefecht

»Die Frau ging mit ihrem Hund am 1. September gegen 13.30 Uhr in einem Waldstück am Senner Hellweg Gassi«, sagte Polizeisprecherin Christoph. Dabei sei die Bielefelderin auf zwei Reiterinnen gestoßen, die der Schleppjagd (eine Jagd hinter der Hundemeute auf einer künstlichen, zuvor durch einen Reiter gelegten Fährte) vor­aus ritten. Diese hätten die 41-Jährige gewarnt, den Weg mit ihrem Hund sofort zu verlassen, weil gleich eine Jagdhund-Meute mit Reitern komme. Es kam offenbar zu einem Wortgefecht zwischen der Fußgängerin mit Hund und den Reiterinnen, bei dem Beleidigungen gefallen sein sollen, sagte die Polizeisprecherin.

Die Bielefelderin sei schließlich mit ihrem Labrador in einen anderen Waldweg abgebogen. Was dann genau geschah, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht, dass die Jagdhunde, sogenannte Foxhounds, der Frau mit ihrem Labrador hinterher rannten. Dann soll zu den Bissattacken der Foxhounds gegen die 41-Jährige und ihren Hund gekommen sein. »Die Bielefelderin sprach von etwa 26 Hunden, die sie und ihren Labrador angegriffen haben sollen«, sagte Polizeisprecherin Christoph. Schließlich hätten Reiter mit Peitschen die Foxhounds vertrieben. »Der Labrador konnte nach dem Vorfall nicht mehr laufen. Der Ehemann der 41-Jährigen holte seine Frau und den Hund ab, um in eine Tierklinik zu fahren«, sagte die Sprecherin.

Schleppjagd genehmigt

Die Schleppjagd am vergangenen Sonntag von Oerlinghausen durch den Bielefelder Süden sei ordnungsgemäß bei der Stadt angemeldet und genehmigt worden, sagte Umweltamtsleiter Martin Wörmann. »Für die Durchführung der Jagd ist einzig der Veranstalter verantwortlich. Er muss selbst für Sicherheit und Ordnung sorgen«, erklärte Wörmann die Rahmenbedingungen.

Der Veranstalter müsse vorab die nur auf ausgewiesenen Reitwegen erlaubte Jagdstrecke einreichen. Die Erlaubnis für die Schleppjagd sei dann unter anderem mit der Auflage erteilt worden, für die Sicherheit entlang der Route zu sorgen.

Schleppjagden in Bielefeld seien nicht ungewöhnlich. Das gebe es seit vielen Jahren, sagte der Umweltamtsleiter. »Mir ist aber nicht bekannt, dass es bisher irgendwelche Vorfälle gegeben hat«, fügte Wörmann hinzu. Es gelte jetzt, das Geschehen vom 1. September am Senner Hellweg genau auszuwerten. Dann müsse über die Frage entschieden werden, ob man für künftige Schleppjagden ein Sicherheitskonzept brauche.

Kommentare

warburger  wrote: 06.09.2019 17:38
Mittelalter !
Unfassbar, daß so eine wilde Meute weitgehend unbeaufsichtigt durch den Wald hetzt.
So was klingt nach Mittelalter, aber ist im öffentlichen Raum heutzutage vollkommen unzeitgemäß.
Das birgt ein hohes Gefahrenpotential gegenüber Kindern oder schwächeren Personen !

Scheint aber keinen zu interessieren.
Das Amt macht es sich da SEHR einfach: "Macht ihr mal" und der Rest scheint die Verwaltung nichts anzugehen.
Dabei werden die Bürger doch sonst so pedantisch mit Vorschriften überzogen.
Hundehaltr  wrote: 05.09.2019 12:17
Herr Moehrke hat Recht
Herr Moehrke hat es perfekt beschrieben. Eine Schande, dass die Frau sich noch selbst um die Versorgung der Verletzungen kümmern musste und der Ehemann hier helfen musste. Jede popelige Kleinstveranstaltung muss heutzutage gesichert werden (und das ist ja auch gut so!) - so eine gefährliche Jagd mit wilden Hunden nicht?! Das kann doch alles nicht wahr sein!
Ralph Moehrke  wrote: 04.09.2019 19:35
...ich kann es nicht glauben.....
Als Hundehalter, der auch den Senner Hellweg benutzt, habe ich schon viel im Wald erlebt. Auch Anfeindungen! Obwohl mein Hund erzogen und jederzeit abrufbar ist, wurde ich auf übelster Art auf Leinenzwang und Maulkorbpflichten hingewiesen...... aber das sich nun eine sich im Jagdtrieb befindliche Hundemeute jederzeit und unangekündigt im Wald von Sennestadt auf Spaziergänger und folgsame Hunde stürzen kann, das selbst Peitschenhiebe keine Beissattacken verhindern können, bestürzt und verängstigt mich! Was wäre passiert wenn dort ein (unagemeldeter) Kindergeburtstag stattgefunden hätte?? Die Frau und ihr Hund haben ja schon den Weg geändert....sind weg gegangen!! Die Schutzbehauptung (Beleidigung) der Ehefrau des ausrichtenden Reiters lasse ich mal unkommentiert.....Wenn das die für "Sicherheit" sorgen soll müssen sich die friedlichen sennestädter Spaziergänger andere Erholungsregionen suchen. Ich hoffe das dies publik wird......
Gute Besserung für Hund und Halterin!
Dieser Vorfall, und die Umgangsweise damit, sorgen sicherlich nicht für ein besseres "Wir-Gefühl" unter den Freizeitaktivisten in "unserer" Region! Meine Nachforschungen haben inzwischen ergeben, dass es 2 weitere Beissattacken auf dieser wilden Wildwestreiterei gegeben hat.....bei genau dieser Jagd!! ......auch mit Beleidigungen vorher?????
Stopt diesen Wahnsinn in UNSEREM Wald!
Bei jeder Laufveranstaltung sind ettliche Ordner o.ä. entlang der Strecke..... um nur ein Beispiel zu nennen.
Hier laufen beisswütige Hunde wild und frei herum........im Jagdtrieb! ....im öffentlichen Wald.....
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