Seidensticker feiert in Bielefeld 100. Geburtstag
Der Herrenhemdenmacher

Bielefeld (WB). Insgesamt hat die Modebranche derzeit selten Grund zu feiern. Anders in Ostwestfalen, wo neben der Herforder Ahlers AG auch Seidensticker in Bielefeld 2019 den 100. Geburtstag feiert.

Mittwoch, 04.09.2019, 06:55 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 06:58 Uhr
Blick in die Bügelei 1931. Da war die Firma des Gründers Walter Seidensticker schon ein führender Hemdenhersteller.

Vor 100 Jahren, da war der Erste Weltkrieg gerade zu Ende. Walter Seidensticker hatte sich nur zwei Jahre nach Abschluss seiner Ausbildung in der Herrenwäschefabrik Baumhöfener & Heide, die später in Dornbusch umbenannt und noch später von der Firma Seidensticker aufgekauft wurde, wie viele andere junge Männer freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Nach der Rückkehr gründete er noch im Elternhaus im Stadtteil Brackwede eine eigene Wäschefabrik.

Der Hobby-Motorradrennfahrer drückte auch als Unternehmer von Anfang an aufs Tempo. 1930 stellte er als erster Betrieb in der Branche in Deutschland die Produktion arbeitsteilig auf Fließband um. Die Weltwirtschaftskrise überstand er relativ unbeschadet. Fünf Jahre später übernahm er die Firma Franken. In deren Gebäude im Osten Bielefelds befindet sich bis heute die Zentrale der Firmengruppe.

Produktion von Uniformen

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunehmend auf Uniformen und Arbeitskleidung bis hin zu Lazaretthemden und Kragenbinden umgestellt. Walter Seidensticker, der in der Nazi-Zeit in leitender Position im Fachverband Wäscheindustrie gewesen war, kehrte im Oktober 1946 aus Kriegsgefangenschaft und Haft zurück. Das Werk hatte unter dem Bombenangriff auf Bielefeld am 30. September 1944 schwer gelitten. Doch Walter Seidensticker gab sofort wieder Gas, etablierte die Marke Seidensticker und kaute 1950 mit der Alpenland Sportwäsche in Sonthofen sogar schon wieder ein Unternehmen zu. Fünf Jahre später stiegen die Söhne Gerd und Walter Seidensticker Junior in die Geschäftsleitung ein.

Damals war Seidensticker bereits die größte Hemdenfabrik Europas. Das bügelfreie Hemd »Toplin« aus einem Polyester-Baumwolle-Mischgewebe war das erste, das mit einem empfohlenen Richtpreis an den Handel geliefert wurde.

In den 60ern nach Spanien

Mitte der sechziger Jahre eröffneten das Familienunternehmen im spanischen Tarragona den ersten ausländischen Produktionsbetrieb. Die Internationalisierung ging von nun an kontinuierlich weiter. 1993 wurden nur noch zwei bis drei Prozent der Seidensticker-Hemden in Deutschland gefertigt. Heute produziert das Unternehmen überwiegend in eigenen Werken in Vietnam und einem Betrieb in Indonesien sowie in einem Joint Venture in Bangladesch.

Mit Frank und Gerd Oliver Seidensticker übernahm 2004 die nächste Generation Verantwortung. Für den Relaunch der mit der »Schwarzen Rose« gekennzeichneten Marke Seidensticker wurde das Unternehmen 2018 unter anderem mit der Marketing-Owl ausgezeichnet. Gleichwohl musste das Unternehmen zuletzt auch Rückschläge verkraften. Nach dem Verlust der Masterlizenz für Camel active beschloss das Unternehmen in diesem Frühjahr, die Logistik auszulagern.

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