Brackwedes Heimatpflegerin fordert mehr finanzielle Unterstützung von der Stadt Bielefeld
Treppenplatz: »Alles war schon mal da«

Bielefeld (WB). Ein Ort der Saufgelage, der Pöbeleien und der Sachbeschädigung ist der Brackweder Treppenplatz nicht immer gewesen. Er ist dazu geworden. Während Politik, Verwaltung und belästigte Bürger nun schon seit Jahren darüber streiten, wie sich die missliche Lage in den Griff kriegen lässt, erinnert Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann an bessere Zeiten auf dem einstigen Vorzeigeplatz der Stadt Brackwede.

Sonntag, 01.09.2019, 12:35 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 09:50 Uhr
Der Treppenplatz 1976: Kurz nach seiner Fertigstellung war er ein Vorzeigeprojekt der ehemaligen Stadt Brackwede. In den Jahren nach der Eingemeindung blieben Instandhaltungsgelder allerdings immer öfter aus. Der Platz und seine schöne Anmutung verkamen zusehends. Details wurden abgebaut. Foto: Stefan Hörttrich

»Alles war schon mal da«, sagt die 62-Jährige und zeigt fasziniert ein altes Schwarz-Weiß-Foto des einstigen WESTFALEN-BLATT-Fotografen Stefan Hörttrich. Der hatte 1976 einige Brackweder Motive fotografiert, darunter den noch jungen Treppenplatz, und sie dem Heimatverein zu Archivzwecken überlassen. Zufällig stieß Rosemary Flöthmann vor ein paar Tagen darauf und konnte ihre Augen nicht davon losreißen.

»Der Treppenplatz war damals genau so schön, wie ihn viele Bürger heute gerne hätten«, sagt sie, die 1976 noch nicht in Brackwede war. Das besagte Foto (siehe oben) zeigt eine gepflasterte Fläche mit Beeten voller Blumen und Bäume, die von geschwungenen, hölzernen Bänken eingefasst sind. Zwischen den einladenden Sitzgelegenheiten stehen Laternen, Vitrinen und Mülleimer. Am linken Bildrand, einige Treppen tiefer gelegen, ist der einstige Brunnen mit Brunnenplastik zu erkennen, den die Stadt verrotten ließ, ehe er 2009 aussortiert und in den Stadtpark II verfrachtet wurde.

Supermarkt früher am Treppenplatz

»In den 70er Jahren gab es am Treppenplatz sogar einen Supermarkt«, sagt Rosemary Flöthmann und deutet auf das »spar«-Symbol in der Ladenzeile, wo jetzt das China-Restaurant Phönix ansässig ist. »Auch den könnten wir da heute gut gebrauchen.« Sie bedauere sehr, dass die Stadt Bielefeld seit Jahren »kaum noch in ihre Außenbezirke investiert«.

»Es ist leider alles so gekommen, wie es der frühere Brackweder CDU-Ratsherr und Bezirksvorsteher Helmut Elges vor der Eingemeindung der Stadt Brackwede im Jahre 1973 prognostiziert hatte«, erklärt sie. »Dabei leben auch am Stadtrand Menschen, die Steuern zahlen. Auch sie haben das Recht auf ein lebenswertes Umfeld – gerade in urbanen Bereichen wie Brackwede.«

Bei elementaren Themen wie dem Erhalt der historischen Mitte Brackwede, der Umgestaltung der Hauptstraße oder der verpatzten Rettung des Hofes Kulbrock habe sie von städtischer Unterstützung nichts gespürt. »Wir können froh darüber sein, dass wir in Brackwede private Spender und Firmen haben, die etwas für den Bezirk tun. Aber auch die Stadt muss ihren Anteil leisten«, fordert die Heimatpflegerin. »Es ist gefährlich, den Bürger zu vergessen.«

Brackweder Politiker ärgern sich

Derweil ärgern sich Brackwedes Bezirkspolitiker, die schon oft ein Konzept zur Neugestaltung des gesamten Brackweder Dorfzen­trums angeregt haben, einmal mehr darüber, dass ihre Beschlüsse aus der Bezirksvertretung von der Fachverwaltung anscheinend nicht respektiert werden: In der Sitzung vom 27. Juni hatten sie einstimmig beschlossen, am Treppenplatz zwei kurze Mauern abtragen zu lassen, um der Trinkerszene die Verweilmöglichkeit zu nehmen. Die Fachverwaltung entsprach dem Beschluss jedoch nicht, sondern positionierte Blumenkübel auf den Mauern.

Die vermeintliche Missachtung oder Bevormundung, die manchen Bezirksvertreter wohl tief getroffen hat, erklärt Frauke Ley, Leiterin des Oberbürgermeisterbüros, ganz lapidar: »Statt vorschnell etwas abzureißen, was ja auch geplant und ausgeschrieben werden muss, haben wir erst mal Blumenkübel hingestellt, um die Sitzgelegenheiten auf nette Weise zu verhindern«, sagt sie. »Es sollte auch eine Aufwertung des Geländes für den Schweinemarkt sein. Die Ad-hoc-Aktion der Verwaltung war gut gemeint, ist aber bei manchen Leuten leider schlecht angekommen. Natürlich schließt sie den nachfolgenden Abriss der Mauern nicht aus.«

Der Treppenplatz soll in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 5. September erneut Thema sein. Dann spricht dazu Sozialdezernent Ingo Nürnberger.

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