DAK-Gesundheitsreport – Krankenstand in Bielefeld: vier Prozent
Junge Menschen rauchen weniger

Bielefeld (WB). Der Krankenstand in Bielefeld ist nach wie vor niedriger als im Land oder im Bund. Allerdings: Während psychische Erkrankungen um sechs Prozent abgenommen haben, sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems oder der Atmungsorgane gestiegen: um fünf beziehungsweise sogar um 23 Prozent. Deutlich ist: Menschen mit Süchten fallen besonders häufig aus.

Sonntag, 01.09.2019, 15:00 Uhr
Jeder sechste Erwerbstätige ist nach der DAK-Erhebung nikotinabhängig. Geraucht wird auch während der Arbeitszeit: Fast jeder Zweite geht zwischendurch »vor die Tür«. Immerhin: Junge Erwerbstätige qualmen weniger. Foto: dpa

Die Zahlen weist der aktuelle Report der DAK Gesundheit aus. Danach, erklärt Sonja Hechsel, Leiterin des Bielefelder Servicezentrums, betrug der Krankenstand im ostwestfälischen Oberzentrum im vergangenen Jahr vier Prozent. Mithin sind pro 100 ganzjährig Versicherter vier Arbeitsunfähigkeitstage angefallen (im Vergleich: im Hochstift Paderborn beträgt die Quote 4,4 Prozent).

Drei Erkrankungsgruppen – Muskel-Skelett-System, Psychische Erkrankungen und Atmungssystem – machen zusammen 54 Prozent der »AU-Bescheinigungen« aus. Pro 100 Versicherte waren es bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen 283 Fehltage, bei den psychischen Probleme 273 und bei Bronchien und Lunge 233. »Gerade bei den Atemwegserkrankungen steigen Dauer und Zahl der Krankschreibungen. Die Infekte waren hartnäckiger«, sagt Hechsel.

Sucht und Abhängigkeit im Fokus

Besonders in den Blick genommen haben die Statistiker der DAK den Problembereich Sucht und Abhängigkeit. Er ist eine Unterrubrik der psychischen Erkrankungen. Die so genannten Substanzstörungen (also der Missbrauch von Alkohol, Cannabis, Beruhigungsmitteln, Opioiden, Tabak und Co) machen hier 3,1 Prozent der Fehlzeiten aus, Alkohol liegt mit 75 Prozent der Krankmeldungen ganz vorne.

Eklatant ist, dass Erwerbstätige mit »Substanzstörung« doppelt so häufig wegen Krankheit der Arbeit fernbleiben: Erwerbstätige ohne Suchtproblematik kommen auf einen Krankenstand von 3,8 Prozent, Erwerbstätige mit Suchtproblem auf 7,7 Prozent. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache (hier fallen bei Menschen mit Suchtproblematik dreimal so viele Fehltage an), gefolgt von Erkrankungen an Muskel-Skelett, Atmungsorganen oder Verletzungen. »Um das spezifizieren zu können, haben wir die Krankendaten darauf ausgewertet, welche Behandlung die Ärzte dokumentiert haben«, erklärt Hechsel. Dabei ergab sich etwa, dass ein Fahrradunfall in alkoholisiertem Zustand geschah.

Eine Online-Befragung der Krankenkasse ergab, dass zumindest 82,8 Prozent der Bürger gelegentlich Alkohol trinken, während 17,2 Prozent keinen Tropfen anrühren. Risikoarm trinken zwei Drittel der Befragten, riskant 13,3 und schädlich 1,1 Prozent. 0,8 Prozent der Beschäftigten gelten als alkoholabhängig. Das Trinkverhalten junger Erwerbstätiger ist eindeutig am riskantesten, sie riskieren mithin Folgeschäden. Allemal hat der Alkoholkonsum Folgen für die Arbeit: Von den gut zwei Prozent, die schädliche Mengen konsumieren oder abhängig sind, war in den vergangenen drei Monaten fast jeder Zweite bei der Arbeit ablenkt, fast jeder Dritte kam wegen Alkoholkonsums zu spät oder ging eher, 17 Prozent tranken gar am Arbeitsplatz.

Jeder sechste Erwerbstätige ist nikotinabhängig

Nikotinabhängig ist etwa jeder sechste Erwerbstätige, für Bielefeld bedeutet das etwa 39.000 Bürger. Hier ist wiederum auffällig, dass die Zahl der Raucher bei den 18- bis 29-Jährigen mit 16,3 Prozent deutlich unter dem Schnitt liegt. Fast jeder zweite Raucher qualmt auch während der Arbeitszeit, von den stark Nikotinabhängigen gar mehr als 70 Prozent. Zur E-Zigarette greifen 5,6 Prozent der Befragten, fast ausnahmslos Ex-Raucher. »Viele ‘dampfen’, um vom Rauchen loszukommen«, erklärt Hechsel.

Etwa 9.000 Bielefelder sind nach der Beschäftigtenbefragung als riskante Computerspieler einzuordnen. Neun Kriterien sind für diese Diagnose sind erstellt worden, sie haben zwei- bis viermal bejaht. Wer fünfmal mit Ja antwortet, fällt in die Kategorie süchtig, gefährdet für »Gaming« Beziehungen oder den Arbeitsplatz, täuscht Angehörige über den Umfang des Spielens, hat die Kontrolle verloren, andere Hobbys aufgegeben oder spielt, um negative Gefühle zu unterdrücken.

»Wie bei stofflichen Süchten gibt es hier auch die Entzugssymptome«, sagt Hechsel. Fast jeder zweite Spielsüchtige kann es auch während der Arbeitszeit nicht lassen, jeder Vierte »riskante Nutzer« ebenso wenig. Dazu kommen Unkonzentriertheit bei der Arbeit wegen des Spielens, zu später Arbeitsantritt oder früherer Schluss.

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