Folge 32 der Uni-Serie: Christiane Fuchs pendelt zwischen Bielefeld und München
Medizinwissen dank Statistik

Bielefeld (WB). Warum gilt Statistik als wenig sexy? Dr. Christiane Fuchs kann das überhaupt nicht verstehen. Vielleicht verhelfe ja die neue Bezeichnung zu einem neuem Image, schmunzelt die 38-Jährige. Denn sie ist Professorin für Data Science an der Universität Bielefeld.

Sonntag, 01.09.2019, 13:00 Uhr
Christiane Fuchs liebt die Mathematik und nimmt viel auf sich, ihren anspruchsvollen Beruf und das Familienleben unter einen Hut zu bringen. Sie wünscht sich, damit anderen jungen Frauen Vorbild sein zu können. »Mir hat das damals gefehlt.«

Seit Januar 2018 lehrt und forscht Christiane Fuchs in Bielefeld. Aber nicht nur: Im Rahmen einer Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum München leitet sie dort weiter eine Forschungsgruppe für Biostatistik. Das Pendeln zwischen Bielefeld und München gehört zu ihrem Alltag – und dem der Familie.

Ihr Arbeitsschwerpunkt in Bielefeld ist die Entwicklung statistischer Methoden, in München befasst sie sich besonders mit der Gesundheitsforschung und kooperiert vor allem mit Ärzten und Biologen. »Dort bin ich an einem Sonderforschungsbereich beteiligt, der zum Beispiel danach fragt, warum es bei Blutkrebs manchmal zu einem Rückfall kommt.«

Zusammenhänge erkennen

Die Mathematik, vor allem die Statistik, könne hier Antworten beitragen. »Unser Ziel ist, Daten auszuwerten und aus ihnen Wissen zu gewinnen: Mit Hilfe statistischer Methoden können wir Zusammenhänge erkennen: in der Wirtschaft ebenso wie bei sozialen Fragen oder eben in der Medizin«, schwärmt die 38-Jährige.

Krankheitsrisiken lassen sich berechnen, die voraussichtliche Ausbreitung der Grippe oder die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient mit Prostatakrebs die Therapie abbrechen muss. Die Berechnung mit Differentialgleichungen helfe hier aber wenig: »Mein Kerngeschäft ist der Zufall und die Frage, was über-zufällig ist. Und das lässt sich mit stochastischen Gleichungen beschreiben.«

Denn die kalkulieren Störfaktoren, Unwägbarkeiten ein. Mit einem Mittelwert zu arbeiten, das sei gut und schön, sagt Christiane Fuchs. »Interessanter sind aber die Variationen und die Extreme.« Denn gerade aus den Abweichungen könne man lernen. »Dafür möchte ich auch bei den Studenten das Bewusstsein schärfen.« Und natürlich, betont sie, für den Umgang mit Daten und eine Datenethik. »Ich möchte dem Daten-Analphabetismus entgegenwirken.«

»Das ist quasi eine Win-win-Situation«

Geboren wurde Christiane Fuchs, ein »Lehrerkind«, wie sie sagt, in Hannover, dort studierte sie auch Mathematik. An der Brunel University in London widmete sie sich der computationalen Modellierung, in ihrer Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität in München befasste sie sich mit Statistik und am Helmholtz Zentrum in München mit der Biomedizin. Dass sie dies trotz des Rufes nach Bielefeld weiterbetreiben kann, findet sie ideal und wechselseitig befruchtend: »Das ist quasi eine Win-win-Situation, von der alle Seiten profitieren.«

Mathematik, erzählt sie, sei schon in der Schule ihr Lieblingsfach gewesen. Dass sie schließlich nicht »etwas mit Mathematik«, sondern Mathematik studierte, lag aber wohl vor allem an einer Schülerakademie, an der sie mit 17 Jahren teilnahm: »Zweieinhalb Wochen haben wir uns in den Sommerferien in einem Internat von morgens bis abends mit Mathe beschäftigt – das war toll und bereichernd.« Und es war eine Weichenstellung: »Denn da habe ich auch meinen heutigen Ehemann und Vater meiner beiden Kinder kennengelernt«, sagt sie schmunzelnd.

Ausgeklügeltes Wohnmodell

Der ist Informatiker und arbeitet zumeist von München aus. Aber eben nicht immer: Da beide voll berufstätig und engagiert sind, hat sich die Familie – zu der Tochter Luisa, 6, und Sohn Thilo, 3, gehören – ein Modell ausgedacht: Eine Woche leben alle in München, die nächste in Bielefeld, die dritte in München – und in der vierten pendelt nur die Mama. Das verlangt einiges an Organisation, zwei Wohnungen, Kindergartenplätze in zwei Städten und die Bereitschaft, viel Zeit in Zügen zu verbringen. »So führen wir aber keine Fernbeziehung. Und wir haben grandiose Kinder, die das mitmachen«, sagt Christiane Fuchs.

Ohnehin aber wird das wochenweise Pendeln bald aufhören: Luisa kommt Ende August in die Schule – und zwar in Bielefeld. Damit wird der Lebensmittelpunkt hierher verlegt, und die Elternteile werden abwechselnd bei Bedarf nach München pendeln. Und Christiane Fuchs, die in München in einem Posaunenchor Trompete spielt, wird sich hier nach einem neuen Chor umschauen müssen.

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