Nackt auf einem Schulhof in Hannover – lange Haftstrafe möglich »Ernie« (72) droht neuer Ärger

Bielefeld/Hannover (WB/St). Alter schützt bekanntlich vor Torheit nicht. Dies trifft in besonderen Maße auf den Bielefelder Ernst-Wilhelm Wittig zu, besser bekannt unter dem Namen »Ernie«. Deutschlands wohl bekanntester Flitzer kann es scheinbar auch im vorgeschrittenen Alter von 72 Jahren nicht lassen. Jetzt soll er nackt auf einem Schulhof in Hannover posiert haben. Dabei hatte er gerade erst eine neunmonatige Haftstrafe abgesessen.

Ernst-Wilhelm »Ernie« Wittig 2005 im Dortmunder Westfalenstadion.
Ernst-Wilhelm »Ernie« Wittig 2005 im Dortmunder Westfalenstadion.

Der jüngste Vorfall soll sich am Mittwoch am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium in Hannover ereignet haben. Die Polizei Hannover ermittelt nach Auskunft von Pressesprecher André Puiu im Fall eines 72-jährigen Bielefelders, der sich dort nackt Schülern gezeigt haben soll. Es werde nun geprüft, um was für Schüler es sich gehandelt habe.

»Sollten darunter Kinder, also Schüler unter 14 Jahren, gewesen sein, kommt ein sexueller Missbrauch in Betracht«, so Puiu. In einem solchen Fall, bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge von der Staatsanwaltschaft Hannover, drohten dem Täter drei Monate bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Zehn Jahre seines Lebens hinter Gittern

Erst im April vergangenen Jahres war Ernst-Wilhelm Wittig in Hamburg zu neun Monaten Haft verurteilt worden – er hatte sich bei der Abschlussfeier einer Schulklasse aus Wuppertal in einer Hamburger Jugendherberge entblößt. Inzwischen bringt es der Bielefelder Flitzer auf fast 30 Vorstrafen.

Seit den 80er Jahren sorgt Ernst-Wilhelm »Ernie« Wittig als Flitzer für Aufsehen. Bei seinen Auftritten trägt er außer seinem Adamskostüm meist nur eine Baseballkappe. Zunächst tauchte der selbst ernannte Künstler (»Mein Körper ist ein Kunstwerk«) nur bei Festen und im Straßenbild seiner Heimatstadt auf, überregionale Aufmerksamkeit erregte er erstmals 1997 durch eine Flitzereinlage bei einem Fußball-Bundesligaspiel. Es folgten Nacktauftritte beim Weltkongress der Soziologen, in TV-Talkshows, im Gerichtssaal oder vor mehr als 76.000 Zuschauern im Dortmunder Westfalenstadion.

Während die Justiz zunächst noch milde mit Wittig umging und ihn hauptsächlich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zu Geldstrafen verurteilte oder sogar freisprach, da sein Verhalten nicht schamverletzend sei, häuften sich später die Verurteilungen, sodass »Ernie« inzwischen gut zehn Jahre seines Lebens hinter Gittern verbrachte.

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