Ratskeller wird zum »Hofbräu« – Absage für Rathaus-Kantine
»O’zapft is« frühestens 2021

Bielefeld (WB). Mit der Gastronomie im Rathaus tut sich die Stadt schwer. Für die Kantine gab’s vor den Ferien die nächste Absage. Immerhin steht der Vertrag mit dem künftigen Betreiber des Ratskellers.

Freitag, 23.08.2019, 05:00 Uhr
Im Ratskeller – hier der Haupteingang – soll frühestens in zwei Jahren bayerisches Bier fließen. Foto: Thomas F. Starke

Doch frühestens im April 2021 dürfte das Bayerische Hofbräuhaus im Gewölbe des 1904 erbauten Rathauses öffnen. Das »Hofbräu am Ostertor« in Bad Salzuflen soll Vorbild für den neuen gastronomischen Betrieb an Bielefelds erster Adresse sein. Dessen Betreiber Frank Baus will zusammen mit Partnern auch in Bielefeld an den Start gehen. Erste Pläne, wie es in der Lokalität mit bayerischen Flair aussehen könnte, liegen jetzt vor.

296 Plätze soll der säulengesäumte »neue« Ratskeller bieten. Neben dem Eingang am Rathausplatz soll eine »Schwemme« eingerichtet werden: Lange Holztische und Bänke sind dort vorgesehen. Wer es gemütlich haben möchte, kann sich in einen Lounge-Bereich zurückziehen. In einer »Tenne« stünden Einzeltische zur Verfügung. Am Ratsherren-Tisch fänden 14 Gäste Platz, in einem Bankett-Raum könnten Gesellschaften für bis zu 36 Personen ausgerichtet werden. Im hinteren Bereich sollen Küche, Spülküche und Lagerräume entstehen.

Biergarten mit 196 Plätzen

Die große Hainbuche im Innenhof des Rathauses soll zum grünen Mittelpunkt des geplanten Biergartens werden. Der böte im Sommer Platz für 196 Gäste, die ihre Maß dann unter freiem Himmel genießen könnten. Dabei soll die Hainbuche durch eine Rasenfläche von den Tischreihen abgegrenzt werden. Aus dem Ratskeller sollen auch Treppen in den Innenhof zum Ausgang am Theater führen. Drinnen wie draußen wird es dann neben Bier natürlich lauter bayerische Essenspezialitäten geben – von der deftigen Schweinshaxe bis zum Obatzdan, dem bayerischen Bierkäse mit Brezen und Zwiebelringen.

Bisher befinden sich die Räume im Tiefparterre des Alten Rathauses allerdings noch im Rohbau-Zustand. Im Wirtschaftsplan des städtischen Immobilienservicebetriebes (ISB) stehen zurzeit 1,5 Millionen Euro bereit, um die 1000 Quadratmeter großen Räumlichkeiten so herzurichten, dass der Gastronomie-Betrieb einziehen kann. Ob noch zusätzlich Geld bewilligt werden muss, ist offen. Bisher fehlen im Ratskeller sanitäre Anlagen, Lüftung und eine Lichtinstallation sowie eine Küche. Die Küche soll nun vom künftigen Pächter eingebaut werden, die entstehenden Kosten mit den Pachtzahlungen verrechnet werden.

Seit sieben Jahren steht der Ratskeller jetzt bereits leer. 2012 zog mit dem »Irish Pub« der letzte Pächter aus.

Rathaus-Kantine bleibt geschlossen

Einen Leerstand gibt es auch weiterhin in der dritten Etage des Neuen Rathauses. Dort bleibt die Rathaus-Kantine geschlossen. Ende Mai hatte der bisherige Pächter, die Herforder Momente GmbH, aufgegeben. Ein neuer Pächter, ein Kantinenbetreiber ebenfalls aus Bad Salzuflen, hat inzwischen abgesagt. Für die Beschäftigten ist lediglich eine Getränke- und Snackautomaten aufgestellt worden.

Der Kantinenbetrieb, der 2014 mit viel Euphorie neu gestartet worden war, hatte zu große Verluste verursacht. Dabei war die Stadt dem Betreiber durchaus entgegen gekommen, hatte für fünf Jahre auf jegliche Pachtzahlung verzichtet, weil dieser erheblich in die Küchenanlage investieren musste. Die Bedingungen, die Momente für den Weiterbetrieb gestellt hatte – Wegfall der Betriebskosten, Verzicht auf eine dann fällige Umsatzpachtzahlung und die Zahlung einer Servicepauschale – wollte der zuständige ISB nicht tragen.

Beim »Tag der offenen Rathaus-Türen« kann der entkernte Ratskeller besichtigt werden. Führungen werden um 10, 11.30, 13 und 14.30 Uhr angeboten. Treffpunkt ist am Ratskeller-Eingang.

Kommentar von Michael Schläger

Fast zehn Jahre wird der Ratskeller leer gestanden haben, bis dort (hoffentlich) 2021 die Hofbräuhaus-Filiale an den Start geht. Das Konzept klingt vielversprechend, muss sich aber an einem schwierigen Standort bewähren.

Gastronomie in und am Rathaus – das war in den vergangenen Jahren nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte. Viele Geld ist investiert worden, um die Kantine im Neuen Rathaus am Leben zu erhalten. Doch alle Subventionen, alles Entgegenkommen haben nicht genutzt. Offenkundig wollen Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen.

Ein paar Meter weiter, im Ratskeller, will man dagegen den großen Wurf wagen. Auch dort ist vorab schon viel Geld verbaut worden und muss immerhin noch ein Millionenbetrag investiert werden. Es ist auf lange Sicht an dieser Stelle wohl die letzte Chance, eine Erfolg versprechende Weiternutzung zu gewährleisten.

 

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