E-Scooter: Selbstversuch nimmt ein jähes Ende Wer die Burg liebt, der schiebt

Bielefeld (WB). Die letzten Meter sind bekanntlich oft die schwersten. Wer es vom Jahnplatz hoch zur Sparrenburg schaffen will, für den gilt das erst recht. Eigentlich sollte mir der E-Scooter unter meinen Füßen genau diese Meter ausnahmsweise mal abnehmen. Eigentlich!

Von Henrik Wittenborn
Ende eines Selbstversuchs: Eigentlich sollte die erste E-Scooter-Fahrt von WB-Redakteur Henrik Wittenborn zur Sparrenburg führen. In der Spiegelstraße ist allerdings Schluss. Denn sie liegt außerhalb des befahrbaren Sektors.
Ende eines Selbstversuchs: Eigentlich sollte die erste E-Scooter-Fahrt von WB-Redakteur Henrik Wittenborn zur Sparrenburg führen. In der Spiegelstraße ist allerdings Schluss. Denn sie liegt außerhalb des befahrbaren Sektors. Foto: Thomas F. Starke

Denn den Panorama-Blick über die Stadt muss ich mir am Ende doch wieder hart erarbeiten. Beziehungsweise erlaufen. Aber was ist hier schief gelaufen?

Vor der Fahrt

Zunächst läuft alles so leicht, wie es der Scooter-Anbieter »Tier« verspricht. Die nötige App ist nach nicht einmal einer Minute installiert. Jetzt noch schnell einen Account anlegen, die Zahlungsmethode – in meinem Fall ein »PayPal«-Account – festlegen und »Tier« erlauben, auf den Standort meines Handys zuzugreifen. Um einen Roller zu finden, muss ich schließlich wissen, wo sie stehen.

Der QR-Code am Lenker checkt mich ein, es kann losgehen. Foto: Thomas F. Starke

Der nächste soll laut App auch nur neun Meter entfernt und direkt vor unserer Redaktion stehen. In der Ritterstraße kann ich aber keinen der auffällig grünen Flitzer erkennen. Kein Problem, der nächste Scooter soll schließlich um die Ecke auf dem Niederwall an der Ecke zum Jahnplatz stehen. Und tatsächlich: Zwischen den vielen Fahrrädern parkt der Roller mit der Nummer 12.398 – übrigens direkt neben einem der Alma-Roller, die ebenfalls seit einigen Monaten in Bielefeld unterwegs sind. So sieht Mobilität im Jahr 2019 also aus.

Jetzt noch schnell den QR-Code am Lenker scannen, die Uhr beginnt zu laufen und dann kann es losgehen. Denke ich zumindest. Denn das Gewicht der E-Scooter habe ich mehr als nur ein bisschen unterschätzt. Den Roller schnell anheben und drehen, so einfach ist das nämlich nicht. Was zierlich aussieht, ist dann doch etwas unhandlich und muss ein bisschen manövriert werden. Aber auch das ist nur eine Sache von Sekunden. Jetzt geht es für mich aber wirklich auf Jungfernfahrt!

Die ersten Meter

Wie 20 Stundenkilometer fühlt sich das nicht an: Ich merke schnell, dass das Gefühl für die Geschwindigkeit auf dem Roller ein anderes ist als für Fußgänger. Foto: Thomas F. Starke

Und meine Bedenken, ich könnte mich – wie sonst auch – eher ungeschickt bis dämlich auf den ersten Metern anstellen, sind unbegründet. Ein bisschen Schwung braucht der Roller, bevor der Elektroantrieb ins Laufen kommt. Ich bin schon nach wenigen Metern flott unterwegs, ein »Beschleunigungsrennen« würde ich wohl gegen jedes Fahrrad gewinnen. Einmal in Fahrt, bekomme ich schnell einen Eindruck davon, was wirklich gefährlich sein könnte: Denn so schnell wie die Roller in den vergangenen Tagen vor mir als Fußgänger herflitzten, fühlen sich (die laut Tacho) 20 Stundenkilometer gar nicht an.

Hoch zur Burg

Ich mache mich also auf den Weg in Richtung Sparrenburg. Praktischerweise gibt es auf dem Niederwall ja komfortable Radwege. Was mir auffällt: Anders als in den ersten Tagen sind schon deutlich weniger Fahrer unterwegs. Ist der erste Hype vielleicht schon vorbei? Die leichte Steigung hoch zur Detmolder Straße schafft der E-Scooter ohne Probleme. Die »Motoren« haben also ordentlich Power. Über die Detmolder Straße soll es in der deutlich steileren Spiegelstraße zu einem ernsteren Härtetest kommen. Die ersten Meter geht es zügig weiter, danach stottert der Antrieb nur noch vor sich hin. War die Steigung vielleicht doch zu viel? Schon möglich.

Ich stelle meinen Roller also erst ab und öffne die App. Und weiß jetzt auch, dass nicht der Roller schlapp gemacht hat. Die Spiegelstraße liegt bereits außerhalb des vom Verleiher gesteckten Sektors, in dem die Roller fahren können. Und hat man den verlassen, geht eben nichts mehr. Ein Blick auf die Karte verrät: Will ich es bis zur Sparrenburg schaffen, muss ich über die Gadderbaumer Straße von der anderen Seite an die Burg heranfahren. Dort macht der Sektor einen Bogen und reicht bis zu Bielefelds Wahrzeichen.

Meine Jungfernfahrt endet aber hier. Ich lasse mich auf dem Roller in den Sektor zurückrollen und stelle ihn auf dem Niederwall ab. Übrigens am Rande einer Parkverbotszone. Aber die App ist zufrieden mit meinem Parkmanöver und lässt mich die Fahrt beenden. Gekostet hat mich der Ausflug 4,45 Euro. Und da liegt für mich auch der Knackpunkt: Für diese 4,45 Euro hatte ich 23 Minuten Spaß, aber eine echte Alternative zu Bus und Bahn sind die E-Scooter nicht.

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