Große Bestände an Buchen und Fichten müssen gefällt werden
Der Wald erlebt ein »Desaster«

Bielefeld (WB). Die Auswirkungen der langen Trockenheit und des Borkenkäferbefalls werden in den Bielefelder Wäldern nun mit voller Wucht sichtbar. Gefällt werden müssen auch große Bestände an Buchen, und selbst die Sperrung von Waldstücken scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Samstag, 17.08.2019, 05:00 Uhr
Die Fällarbeiten werden in den nächsten Wochen fortgesetzt. Foto: Thomas F. Starke

Große Schäden im Teutoburger Wald

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  • Große Schäden im Teutoburger Wald
Foto: Thomas F. Starke
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»In manchen Bereichen muss jede dritte Buche weg. Für diese typische heimische Baumart ist es ein Desaster, und im Wald wird es große, große Veränderungen geben«, sagt Erhard Oehle, der als Förster beim Landesbetrieb Wald und Holz Bielefelds Privatwaldbesitzer betreut. Und er fügt hinzu: »Der Patient Wald ist extrem krank.«

Betroffen sind viele Teile des Teutoburger Waldes, vor allem in den Kammlagen und an den Südhängen wie etwa am Sennberg oberhalb von Quelle. Aber auch im Köckerwald in Theesen, im Kirchwald in Jöllenbeck sowie in Waldstücken in Brönninghausen stehen laut Oehle viele Buchen vor dem Aus, »am Gut Eckendorf werden wir ganze Bestände wegnehmen müssen«.

Betroffene Bereiche auch in Vilsendorf, Jöllenbeck und Brönninghausen

Grund ist die lange Trockenheit. Wochenlang mussten die Bäume ohne Regen auskommen, der Erdboden ist trotz der kräftigen Schauer von Donnerstag in wenigen Zentimetern Tiefe staubtrocken. Beim Gang über den Hermannsweg in der Nähe des Fernsehsenders Hünenburg zeigt Oehle in die Kronen der Bäume, die auch für den Laien erkennbar deutlich lichter sind als in den Vorjahren. »Wenn die Buchen weniger als 40 Prozent Laub haben, müssen sie gefällt werden.«

Und das schnell. Innerhalb von drei bis vier Wochen, erklärt Oehle, gebe es eine »latente Gefahrensituation«. Denn sind Buchen erst einmal trocken, siedeln sich Pilze in der Krone und im Stamm an, durch die das Holz sofort brüchig werde. Und dann, so der Förster, bestehe das Risiko, dass Äste herab- oder Bäume spätestens bei den kommenden Herbststürmen ganz umstürzen. Oehle spricht von »schweren Verlusten«, da vor allem auch die älteren Buchen absterben.

Gefällt werden müsse vor allem in den Bereichen entlang von Wegen und Straßen sowie an öffentlichen Plätzen, damit keine Menschen zu Schaden kommen, wie etwa am Hermannsweg zwischen Peter auf’m Berge und Blömkeberg. Selbst bei den Fällarbeiten gebe es für die Forstarbeiter deshalb besondere Vorschriften, um Unfälle zu vermeiden. Was das für alle anderen Waldbesucher bedeutet, dafür werde beim Landesbetrieb gerade an einem Konzept gearbeitet. Oehle: »Wir werden langfristig überlegen müssen, ob Teile des Waldes gesperrt werden müssen.«

Bis zu 10.000 Festmeter Fichten müssen gefällt werden

Kaum hinterher kommen die Forstarbeiter derzeit auch damit, die Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, zu fällen. Bis zu 10.000 Festmeter werden in den kommenden Wochen allein in den Privatwäldern fallen müssen, schätzt Oehle. »Und es gibt sogar ältere Waldbauern, die die Meinung vertreten, dass es Ende des Jahres keine nennenswerten Fichtenbestände in Bielefeld mehr geben wird«, sagt der Förster.

Auch für die Fachleute seien die jetzt nötigen Arbeiten schwer zu ertragen. »So etwas tut weh«, sagt Oehle und zeigt auf einen Teil einer insgesamt acht Hektar großen Fläche am Sennberg, auf der bis vor wenigen Tagen Fichten und Buchen standen und die nun komplett kahl ist.

Bestehende Bäume werden den Herbststürmen ausgesetzt sein

Diese Bereiche wieder aufzuforsten, sei auch nicht so einfach. Denn die Baumschulen könnten nicht so viele Bäume liefern, wie nun überall in Deutschland benötigt würden. So hoffe man auf eine teilweise natürliche Verjüngung. Und im Herbst soll es Gespräche mit den Waldbauern und Baumschulbetreibern zur Wiederaufforstung geben. Dabei auf spezielle Baumarten zu setzen, davon hält Erhard Oehle nicht viel. Er rate dazu, sich im Umfeld der gefällten Flächen umzusehen, welche Bäume dort der Situation trotzen. »Mann sollte auf die Natur achten«, sagt der Förster.

Doch auch die Bäume, die in den kommenden Wochen nicht den Sägen zum Opfer fallen, werden es demnächst schwerer haben. Denn gerade auf dem Kamm des Teutoburger Waldes stehen diese dann häufig nicht mehr geschützt in Gruppen, sondern seien einzeln und exponiert direkt den Herbst- und Winterstürmen ausgesetzt. Erhard Oehle: »Und dann werden weitere Bäume fallen.«

Kommentar von Hendrik Uffmann

Haben die Fachleute Recht, dann wird sich die Landschaft im Teutoburger Wald und auch in vielen anderen Waldstücken in Bielefeld deutlich verändern. Und das schon sehr bald.

Wehtun wird dies jedem, der ein Herz und einen Blick für die Natur hat und gerne draußen im Grünen und im Wald unterwegs ist. Es ist, wie so oft: Erst wenn etwas bedroht oder verschwunden ist, wird man sich dessen Bedeutung und Wert klar.

In der akuten Situation gibt es nun leider wenig, was die Experten oder alle Bürger tun können. Langfristig schon, wenn es um den Klimaschutz geht.

Doch so sehr die Menschen nun – zum Glück – bei diesem Thema sensibilisiert sind, so sehr sollten wir uns davor hüten, nun mit dem Finger auf die Menschen zu zeigen, die im Wald die traurige Arbeit übernehmen, die kranken Bäume zu fällen. Sie machen nur ihren Job.

 

Kommentare

Mathias Anderer  wrote: 17.08.2019 21:18
Nährstoffmangel
Wenn nun in einem weiteren Schritt durch unkontrollierte Profitgier das Totholz oder auch noch lebende Bäume aus dem Wald geholt werden, um wenigstens an Brennholz Geld zu verdienen, wird es unweigerlich zu einem eklatanten Nährstoffmangel kommen, der ein Aufforsten des Waldes unnötig erschweren wird. Das würde die Natur auch bis in ferne Zukunft massiv schwächen. Lasst das Holz im Wald, sonst ist der Nährstoffkreislauf unwiderruflich unterbrochen und der Wald somit weiterhin krank!
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