Bielefeld: Nach erneuten Brandstiftungen stellen Polizisten Beweise sicher »Täter wollen größtmögliche Zerstörung«

Bielefeld (WB). Die seit zweieinhalb Wochen andauernde Serie von Brandstiftungen in der Innenstadt hält unvermindert an. In der Nacht zum Samstag gab es zwei weitere Feuer. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll es sich in beiden Fällen um vorsätzliche Brandstiftung handeln.

Von Jens Heinze und Christian Müller
Einsatz im B1-Baumarkt: zwei Feuerwehrleute stehen vor den Resten der vorsätzlich angezündeten Holzbriketts.
Einsatz im B1-Baumarkt: zwei Feuerwehrleute stehen vor den Resten der vorsätzlich angezündeten Holzbriketts. Foto: Christian Müller

Am frühen Samstag mussten Bielefelder Feuerwehren innerhalb von gut einer Stunde zu zwei Löscheinsätzen ausrücken. Um 1.50 Uhr wurden die Helfer und Retter zum Feuer am Fritz-Meister-Weg nahe der Herforder Straße gerufen. Dort war offenbar gezielt ein Brand auf einer Terrasse eines Mehrfamilienhauses gelegt worden. Nur 65 Minuten später gingen Teile des Außenbereiches des 660 Meter Luftlinie entfernten B1-Baumarktes an der Beckhausstraße in Flammen auf. Nach Informationen dieser Zeitung stellten Polizisten im Außenlager des Baumarktes Reste von Brandbeschleuniger sicher. »Beide Taten waren auf größtmögliche Zerstörung ausgelegt«, hieß es vor Ort.

Die Brandserie begann am frühen Samstag

Die Brandserie begann am frühen Samstag gegen 1.50 Uhr. Bewohner eines Mehrfamilienhauses am Fritz-Meister-Weg bemerkten plötzlich Flammen auf einer von außen kaum einsehbaren Terrasse. Die Brandbekämpfer des Löschzuges der Hauptwache und von den freiwilligen Löschabteilungen Mitte und Ost rückten mit 35 Einsatzkräften an. Bei Eintreffen waren wegen der großen Hitzeentwicklung bereits Fensterscheiben geborsten, was zum Übergreifen des Feuers auf die Erdgeschosswohnung führte.

Die Mieter der Wohnung, Polizeiangaben zufolge eine fünfköpfige Familie, waren im Urlaub. Zwei Nachbarn, die gefährliche Rauchgase eingeatmet hatten, wurden von Notärzten und Notfallsanitätern untersucht. Eine Bewohnerin des Hauses wurde mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Klinikum Mitte gefahren. Die stark verqualmte und teilweise ausgebrannte Erdgeschoss-Wohnung sei nach dem Feuer unbewohnbar, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Frank Klumpe. Der Schaden beläuft sich auf einen größeren fünfstelligen Betrag.

Gut eine nach dem ersten Brand gibt es erneut Feueralarm

Die Löscharbeiten am Fritz-Meister-Weg waren kaum beendet, da erhielt die Feuerwehr-Leitstelle um 2.55 Uhr einen Alarm von der automatischen Brandmeldeanlage im 660 Meter entfernten B1-Baumarkt an der Beckhausstraße. Etwa 40 Retter von der Berufsfeuerwehr sowie von freiwilligen Löschabteilungen Mitte, Ost und Schildesche eilten zur Einsatzstelle. Bereits bei der Anfahrt sahen die Brandbekämpfer eine starke Rauchentwicklung vom Baumarktgelände. Auf der Freifläche des Baumarktes stand ein Regal mit Feuerholz und Briketts in Flammen. Das Brennmaterial für Kamin und Ofen war ebenfalls offenbar gezielt angezündet worden. Bei den Löscharbeiten wurden Brandbeschleuniger entdeckt.

Mit Wasser aus zwei Löschrohren gingen die Feuerwehrleute gegen die Reste des Brandes vor. »Die Sprinkleranlage direkt über der Einsatzstelle hat den Baumarkt gerettet. Hätten die Flammen bereits ins Innere des Gebäudes übergegriffen, wäre hier nichts mehr zu machen gewesen«, sagte Einsatzleiter Frank Klumpe.

Bis 7 Uhr am Samstagmorgen gingen die Brandbekämpfer gegen Glutnester im Baumarkt vor. Mit Schaufeln zogen Feuerwehrleute die Brandreste auseinander und bekämpften immer wieder Reste des Feuers. Es entstand ein Sachschaden von mindestens 20.000 Euro an Waren und Gebäude.

Der oder die Täter könnten gefilmt worden sein

Kripoermittler untersuchten später die Brandstelle am Baumarkt, Streifenwagenbesatzungen fahndeten nachts vergeblich rund um die Beckhausstraße nach den Brandstiftern. Der oder die Täter könnten allerdings gefilmt worden sein – der Baumarkt verfügt über eine Videoüberwachung.

Die beiden Feuer reihen sich in eine ganze Reihe von unaufgeklärten Bränden der vergangenen neun Monate ein. So sind die Täter, die im Winter 2018/2019 in und um die Gesamtschule Schildesche zündelten , nicht gefasst. In diese Zeit fällt auch das Feuer auf einem Speditionshof an der Stadtheider Straße , als bei der Explosion hunderter Spraydosen zwei Lastwagen ausbrannten.

Ebenfalls als nicht aufgeklärt gelten der Palettenbrand vom 9. Juli beim Gewürzhersteller Alba an der Sudbrackstraße, die Autobrände vom 24. Juli und 4. August im Dürkopp-Viertel an der Hermann-Kleinewächter-Straße sowie die am späten Donnerstag von Flammen zerstörten Lastwagen an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße. In allen Fällen gehen die Kripoermittler, die inzwischen eine Sonderkommission gegründet haben, von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Zeugenhinweise unter Telefon 0521/5450.

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