Bürger diskutieren mit Sozialdezernent über das Herz des Bezirks
Den Treppenplatz aufwerten

Bielefeld-Brackwede (WB/kw). Kann eine Verschönerungsoffensive Ruhe auf dem Treppenplatz bringen. Einige Bürger sind der Meinung, dass das Herzstück Brackwedes zum Sammelpunkt von Störenfrieden wird, weil es mit seiner grauen Pflasterfläche trostlos wirkt. Der Treppenplatz war Hauptthema in der offenen Sprechstunde mit Sozialdezernent Ingo Nürnberger.

Samstag, 10.08.2019, 13:00 Uhr
Peter Böll (von links), der seit 40 Jahren in Brackwede lebt, schlägt eine Verschönerung vor. Rosemarie Neumann ist seit vier Jahren Brackwederin. Sie vermisst einen Vollsortimenter und sorgt sich um die inhabergeführten Einzelhandel an der Hauptstraße. CDU-Ratsmitglied Vincenzo Copertino und Sozialdezernent Ingo Nürnberg diskutieren auf dem Treppenplatz mit Bürgern. Foto: Kerstin Sewöster

»Ich bin sehr für eine Umgestaltung. Ein paar Bäume, richtige Sitzbänke, Beete oder Mulch statt Pflaster. Das kann wieder ein richtiger Treffpunkt für Brackweder werden«, meint Peter Böll im Gespräch mit CDU-Ratsmitglied Vincenzo Copertino und Nürnberger. Dass sich dort auch mal Nichtsesshafte niederließen, müsse in Kauf genommen werden. Eine Anwohnerin, die direkt am Treppenplatz wohnt und sich selbst schon mehrfach über Lärmbelästigung bei der Polizei beschwert hat, erinnert sich an frühere Zeiten. »Das war schön mit dem Brunnen auf dem Treppenplatz. Dort saßen auch ältere Leute und abends war der Platz beleuchtet.«

Belästigung ist Dauerbrenner in Brackwede

Das ist Geschichte, seit die Bezirksvertretung entschieden hat, dass der Platz für Veranstaltungen genutzt wird. Der Brunnen steht mittlerweile auf einer Grünfläche, die Stadtpark 2 genannt wird. »Ein paar Veranstaltungen im Jahr lasse ich mir gefallen, aber wenn die Bühne zwei Wochen vorher aufgebaut wird, dann wird sie Treffpunkt für randalierende Jugendliche«, kritisiert einer der Anwohner.

Ein anderer Bewohner an der Treppenstraße macht die Belästigung, die mittlerweile zum Dauerbrenner in Brackwede und zum Politikum im Rathaus geworden ist, nicht an den Veranstaltungen fest. Abend für Abend säßen die Jugendlichen vor seiner Haustür – »manchmal muss ich Spalier laufen, um in meine Wohnung zu kommen«. Pöbeleien gebe es inklusive. Er begrüßt deshalb den Abbau der Mauern, die als Sitzgelegenheiten genutzt werden. Das ist eine von mehreren Maßnahmen, die in der Bezirksvertretersitzung beschlossen wurden, ebenso wie ein Alkoholverbot. Jetzt müsse geprüft werden, ob dieses durchgesetzt werden könne, wenn ein Spielplatz angelegt werde, meinte dazu Vincenzo Copertino, der selbst am Treppenplatz wohnt.

Aufwertung oder totaler Rückbau?

Aufwertung oder totaler Rückbau aller Aufenthaltsmöglichkeiten? Letzteres ist für Sozialdezernent Ingo Nürnberger keine Alternative. Er plädiert dafür, den Platz aufzuwerten und »für bestimmte Personengruppen andere Angebote« zu schaffen. Des Weiteren seien verstärkt Sozialarbeiter auf dem Treppenplatz unterwegs, die auch schon mit Störenfrieden gesprochen hätten.

Nürnberger: »Junge Leute wollen irgendwo sein, wollen sich im öffentlichen Raum aufhalten. Aber sie müssen sich auch an Regeln halten.« Indes beklagen die Anwohner des Treppenplatzes einen Ping-Pong-Effekt: »Wenn Polizei oder andere Ordnungskräfte zum Treppenplatz kommen, wechseln die Randalierer auf den Spielplatz hinter dem Kirchplatz – und kommen zurück, wenn die Luft rein ist.«

Es gibt aber auch noch andere Themen für die Brackweder. Rosemarie Neumann zum Beispiel ist vor vier Jahren bewusst in den Bezirk gezogen. Sie schätzt die zentrale Lage und den Blick ins Grüne. Allerdings vermisst die Rentnerin einen Vollsortimenter und sorgt sich um die Infrastruktur des Bezirks: »Ich habe Angst, dass die inhabergeführten Geschäfte den Bau der Hochbahnsteige nicht überstehen«. Annette Böll, seit 40 Jahren Brackwederin, wünscht sich mehr Blumen und Farben entlang der Hauptstraße. »Da können wir von unseren Nachbarn in Holland lernen.«

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