Preissprung des Gewürzes treibt auch Unternehmen aus der Region um
Vanille kostbarer als Silber

Antananarivo/Bielefeld (dpa/WB/OH). Schlechte Nachricht für Vanille-Liebhaber: Bei der wichtigen Speiseeis-Zutat zeichnen sich eine geringere Ernte und damit Rekordpreise ab. Das treibt auch hiesige Firmen wie den Aromenhersteller Symrise, den Nahrungsmittelkonzern Dr. Oetker oder den Gewürzhersteller Fuchs um.

Freitag, 09.08.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 08:00 Uhr
In diesen Wochen werden auf Madagaskar die noch grünen Vanilleschoten von den Ranken geerntet. Anschließend müssen sie über Monate fermentiert werden. Foto: dpa

Der Kilopreis für die in Europa beliebte Bourbon-Vanille, die nur aus den Anbaugebieten auf Madagaskar, La Réunion und den Komoren stammen darf, liegt derzeit bei rund 600 Euro. Vor einigen Jahren waren es noch 40 Euro. Zum Vergleich: ein Kilogramm des Edelmetalls Silber kostet aktuell 544 Euro. Vanille gilt inzwischen als zweitteuerstes Gewürz der Welt – nach Safran. Das zieht auch Kriminelle an. Es ist ein Teufelskreis in Bewegung gesetzt worden, der sich auch in schlechteren Qualitäten widerspiegelt.

20 bis 25 Prozent geringere Erntemenge

Zunächst hatten in den vergangenen Jahren geringe Ernten den Preis nach oben getrieben. Die steigenden Notierungen für den Rohstoff führen immer häufiger zu Diebstählen – und damit auch zu früheren Ernten der in ihrer Existenz bedrohten Bauern.

Im Vorjahr konnte selbst eine qualitativ gute Ernte auf Madagaskar, weltweit das Hauptanbauland für Vanille, den Preisanstieg nicht stoppen. Nun rechnet der Chef von Madagaskars Vanille-Exportverband, Georges Geeraerts , mit einer um 20 bis 25 Prozent geringeren Erntemenge. Zur Qualität kann Geeraerts noch nichts sagen. Er schließt aber leicht höhere Erzeugerpreise nicht aus.

Bei Kunden kommen die fertigen, schwarzen Vanilleschoten an.

Bei Kunden kommen die fertigen, schwarzen Vanilleschoten an. Foto: dpa

Vanille gilt als das beliebteste Gewürz für Süßspeisen aller Art. Es wird aber nicht nur für Produkte wie Eiscreme , Pudding, Kuchen, Kekse, Joghurt oder Bonbons verwendet, sondern auch für Duftstoffe, Seifen, Körperlotionen, Shampoos, Badezusätze, Raumdüfte. Vor allem die Bourbon-Vanille als eine von drei Arten wird selten und damit kostbar.

Das spürt auch der Holzmindener Symrise-Konzern. Der Aromenhersteller ist auf Madagaskar stark im Vanille-Geschäft engagiert. In der Sava-Region ist Symrise mit fünf Standorten vertreten und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter – 150 weitere kommen als Saisonkräfte hinzu. Rund 7000 Vanille-Bauern in 84 Dörfern arbeiten auf der Insel mit Symrise zusammen. Der Konzern verarbeitet etwa zehn Prozent der auf Madagaskar angebauten Vanille. Dabei ist Symrise vor allem an hochwertiger Qualität interessiert. »Für gute Qualitäten zahlen wir daher einen Aufschlag auf den aktuellen Marktpreis«, sagt Symrise-Mitarbeiter Alban Bonnet. Der Konzern beliefert unter anderem den Lebensmittelhersteller Unilever, dem die Eismarke Langnese gehört.

Oetker-Konzern registriert Auswirkungen eines Engpasses

Auch der Bielefelder Oetker-Konzern registriert die Auswirkungen »eines Engpasses für Vanilleschoten auf dem kompletten Weltmarkt«, wie Sprecherin Inga Steege erklärt. Die daraus resultierende Preiserhöhung treffe auch Dr. Oetker. Die Preisschwankungen könne der Konzern durch langfristig angelegte Lieferkontrakte aber mildern. »Nicht immer gehen Schwankungen daher gleich mit Preiserhöhungen einher«, erklärt Steege. Um den Kunden eine gleichbleibende Qualität zu bieten, arbeite Oetker mit mehreren Lieferanten zusammen und beziehe Vanille weltweit.

Eine Vanilleschote liegt aktuell bei drei bis vier Euro im Handel

Die Dissener Fuchs-Gruppe, zu der auch die frühere Bielefelder Firma Ostmann zählt, gilt als einer der größten Gewürzhändler der Welt. Sie kauft nach eigenen Angaben direkt in den Anbaugebieten ein. Die Qualitäten würden in enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten kontrolliert. Es werde nur Rohware eingekauft, »die den hohen Ansprüchen« gerecht wird. Für Markenprodukte der Gruppe würden ausschließlich Vanilleschoten in »Gourmetqualität« verwendet. Mit der Entwicklung der Rohstoffpreise setze sich das Unternehmen kontinuierlich auseinander.

Rund drei bis vier Euro zahlen Verbraucher derzeit für eine Vanilleschote im Handel. Vanille-Importeur Berend Hachmann aus Hamburg glaubt nicht, dass die in diesem Jahr verhältnismäßig kleine Vanille-Ernte auf Madagaskar große Auswirkungen auf die Preise in Deutschland haben wird. »Vielleicht zehn Prozent nach oben oder zehn Prozent nach unten«, schätzt er. Denn die Preise seien ohnehin schon hoch. An der Beliebtheit von Vanille habe das aber nichts geändert. »Die Kunden haben sich jetzt an die hohen Preise gewöhnt. Die Nachfrage ist nach wie vor groß«, betont er.

200 Dollar pro Kilo wäre wünschenswert

Aktuell bewegen sich auf der Rohstoffseite die Preise für die noch grünen Schoten, die in einem mehrmonatigen Fermentierungsprozess schwarz werden und das prägende Vanillin-Aroma ausbilden, leicht über dem Vorjahresniveau. Eine Entwicklung, die der Exportverband mit einem weinenden und einem lachenden Auge verfolgt. »Mit geringeren Preisen würden wir möglicherweise weniger Neid erzeugen und vor allem wieder bessere Qualität haben. Das würde uns auch eine Ausweitung von Produktion und Nachfrage ermöglichen«, räumt Geeraerts ein. Er hält einen Preis von 200 Dollar pro Kilo schwarzer Schoten für wünschenswert.

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