Verzögerungen bei der »Wissenswerkstadt« in Bielefeld – »Regionale«-Zuschüsse denkbar
Vorzeigeprojekt wird zur Hängepartie

Bielefeld (WB). Anfang 2022 sollte die »Wissenswerkstadt« eigentlich eröffnet werden. Jetzt sagt Bielefelds Planungsdezernent Gregor Moss, der Fertigstellungstermin sei nicht zu halten. »Wir müssen bei Null anfangen.«

Freitag, 09.08.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 10:36 Uhr
In der ehemaligen Stadtbibliothek soll die »Wissenswerkstadt« entstehen. Foto: Hans-Heinrich Sellmann

In Sachen Projektsteuerung sei bisher nichts passiert, so Moss. Nun habe Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) dem städtischen Immobilienservicebetrieb (ISB) die Koordination übertragen.

Es fehle eine Mieterbaubeschreibung, in der klar aufgezeigt werden müsse, welche Räume in welcher Größe, zu welchem Zweck und in welcher Ausstattung benötig würden. Ohne eine klare Definition des Bedarfs könnten auch keine Fördergelder abgerufen werden. Bislang hätten Bielefeld Marketing und das angeschlossene Wissenschaftsbüro, die mit der Umsetzung des Vorhabens betraut sind, nicht gesagt, was sie wollten.

»Wissenswerkstatt« soll in ehemaliger Stadtbibliothek entstehen

In der ehemaligen Stadtbibliothek an der Wilhelmstraße soll die »Wissenswerkstadt« entstehen. Die Stadt hat das Gebäude an die Geno G 1 Bauträger GmbH verkauft, an der über ihre Immobilientochter Geno die Volksbank Bielefeld-Gütersloh beteiligt ist. Zum Handel gehört, dass die Stadt das Gebäude saniert, es dafür zunächst kostenfrei nutzen darf. Das Land hat Städtebauförderungsmittel zur Verfügung gestellt. Ursprünglich sollten rund zehn Millionen fließen. Jetzt wird es 6,67 Millionen geben. Der Kaufpreis, den die Stadt erlöst hat, wurde von der Fördersumme abgezogen.

Die Visualisierung zeigt, wie die Halle der früheren Bibliothek zum Veranstaltungsort werden könnte.

Die Visualisierung zeigt, wie die Halle der früheren Bibliothek zum Veranstaltungsort werden könnte.

Eigentlich müssen die Gelder bis zum 31. Dezember 2022 abgerechnet sein. Bielefeld-Marketing-Chef Martin Knabenreich ist da im Gegensatz zu Gregor Moss optimistisch: »Das ist zu schaffen, der Zeitplan verzögert sich allenfalls um fünf bis sieben Monate wegen der Komplexität der Vertragsgestaltung.«

Knabenreich stellt klar, dass die Bielefeld Marketing »nie als Bauherr aufgetreten« sei. Die Vertragsgestaltung sei deshalb so komplex, weil die »Rollen« aller Akteure von vorn herein geklärt werden müssten. Die Rolle der Bielefeld Marketing sei mit der eines Intendanten zu vergleichen, der ein Haus bespielen müsse: »Wir sind Betreiber, aber nicht in jedem Detail die Macher.« Der Rat habe beschlossen, dass die Stadt für die laufenden Kosten aufkommen werde. Angesetzt sind rund eine Millionen Euro jährlich. Knabenreich geht davon aus, dass der ISB nun in den kommenden drei Monaten das Raumkonzept erstellen werde. Ziel sei es, das Haus so flexibel wie nötig zu halten. Baubeginn könne im Juli 2020 sein.

Hoffnung auf Zuschüsse aus Strukturentwicklungsprogramm

Weitere Zuschüsse für die inhaltliche Arbeit »Wissenswerkstadt« erhoffen sich die Verantwortlichen aus dem Strukturentwicklungsprogramm »Regionale 2022«. Hier hat das Projekt vor den Sommerferien die nächste Hürde genommen, hat jetzt den so genannten »B-Status« erhalten. Allerdings soll Detlef Helling (CDU) als Bielefelder Vertreter im so genannten »Urban Land Board«, dem Entscheidungsgremium der Regionale, dagegen gestimmt haben. Das Bielefelder CDU-Ratsmitglied hatte immer wieder die zu erwartenden hohen laufenden Kosten für das Projekt, das vor allem vom Oberbürgermeister befördert wurde, kritisiert.

In der Beschlussvorlage für das »Urban Land Board« ist von Schwierigkeiten bei der Planung keine Rede, stattdessen von einem »fortgeschrittenen Entwicklungsstand«. Universität und Fachhochschule seien »unterstützende Träger« der »Wissenswerkstadt« mit direkten Zuschüssen und Haushaltsmitteln für wissenschaftliche Projekte. Darüber hinaus sei ein »erhebliches personelles Engagement« verschiedener Fachbereiche der Hochschulen vorgesehen. Ein Netzwerk aus Unterstützern der Wirtschaft sei im Aufbau, mehrere Zusagen, unter anderem von den von Bodelschwinghschen Stiftungen und Bertelsmann, lägen vor. Der genaue Beitrag des Unterstützenetzwerkes befinde sich »in der Abstimmung«.

Bis zum Herbst muss Bielefeld Marketing nun weitere Details zur inhaltlichen Gestaltung beim »Urban Land Board« vorlegen. Dann geht es um den »A-Status«, der mit Geldzusagen verbunden ist. Auf einer Fläche von 2800 Quadratmetern soll die »Wissenswerkstadt« ein Ort werden, wo das Thema Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit lebendigaufbereitet wird.

Kommentar von Burgit Hörttrich

Es wäre bedauerlich, würde die »Wissenswerkstadt« durch Kompetenzgerangel zwischen Bielefeld Marketing und dem städtischen Immobilienservicebetrieb in Gefahr geraten. Denn die Grundidee ist gut: Die Macher versprechen keine Dauer-Geniale, sondern ein Haus der Wissenschaft 4.0, das zukunftsfähig ist, Geld ist zugesagt und bei der Landesregierung soll das Vorhaben gar den Status eines Vorzeigeprojektes haben.

Bislang gibt es jedoch nur wenige Fakten, dafür umso mehr Worthülsen. Zudem könnte die Finanzierung in Gefahr geraten, wenn der Zeitplan ins Schwanken gerät. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass das Prestigeprojekt auch eine Dauerbelastung für die Stadtkasse wird.

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