Gewaltforscher warnt vor inhaftierten Rückkehrern
In Gefängnissen droht Radikalisierung

Düsseldorf/Bielefeld (WB/dpa). Haftanstalten müssen nach Expertenmeinung mehr Vorkehrungen gegen radikalisierte Islamisten treffen. Angesichts der zu erwartenden Rückkehrer aus dschihadistischen Kampfgebieten sei Deutschland nicht genug vorbereitet, sagte der Bielefelder Konfliktforscher An­dreas Zick bei einem Expertenaustausch in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf.

Freitag, 09.08.2019, 04:50 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 08:10 Uhr
Das Foto zeigt Gebetsteppiche in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf. Foto: dpa

Derzeit könne niemand einschätzen, wie mit posttraumatischen Störungen umzugehen sei, die Rückkehrer nach ihren Gewalterfahrungen mitbrächten. Die Wissenschaft brauche mehr Geld, um zu erforschen, wie sich Radikalisierung hinter Gittern verstärke und zu bekämpfen sei, mahnte Zick. »Wir dürfen die Latte nicht niedrig legen.«

Verfassungsschützer: ein Drittel der 1050 Kämpfer zurück

Das Risiko verschärfe sich nicht nur durch Rückkehrer aus den syrisch-kurdischen Kampfgebieten, sondern auch durch die wachsende Zahl verurteilter Islamisten hinter Gittern, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Bislang gebe es – im Gegensatz zu Belgien oder Frankreich – allerdings keine Erkenntnisse, dass sich Islamisten in Deutschland erst im Gefängnis radikalisiert hätten. Nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer ist etwa ein Drittel von rund 1050 einst in dschihadistische Kriegsgebiete ausgereisten Kämpfern inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

32 Gefangene mit radikal-islamistischem Hintergrund

NRW, das seit Jahren als Hochburg der 11.000 Salafisten in Deutschland gilt, beschäftigt vier Islamwissenschaftler, die den 36 Haftanstalten des Landes mit Rat und Tat zur Seite stehen. Einer von ihnen, Mustafa Doymus, kennt ein »Psychogramm der Radikalisierung« hinter Gittern: »Wenn einer anfängt, sich zurückzuziehen, nicht mehr ansprechbar ist oder sagt: ›Der Teufel hat dich geschickt.‹« Einer habe sich in der Haft plötzlich nicht mehr in sein Bett legen wollen, sondern auf dem Boden geschlafen, um sich auf die Ausreise ins wenig komfortable Kampfgebiet vorzubereiten. Andere fielen durch islamistische Schriften auf.

In NRW sei etwa jeder fünfte der 16.500 Gefangenen Moslem. 32 Gefangene haben einen radikal-islamistischen Hintergrund.

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