Bielefelder Marcel Juchhoff engagiert sich in Sierra Leone
Hoffnung für die Waisen

Bielefeld (WB). Das Schicksal der kleinen Precious hat Marcel Juchhoff berührt. Der Bielefelder wünscht sich, dass es ihr später einmal besser geht als ihrer Mutter: Die hatte Precious als Fünfjährige ausgesetzt – weil sie sie nicht ernähren konnte. Das kleine Mädchen ist eines von 25 Waisenkindern des UCC Waisenhauses in Freetown, Sierra Leone. Marcel Juchhoff wirbt darum, diese Zuflucht zu unterstützen.

Donnerstag, 08.08.2019, 12:03 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 12:06 Uhr
Der Bielefelder Marcel Juchhoff in Afrika, hier bei der Essensausgabe. Foto: Privat

Der 26-Jährige ist angehender IT-Systemkaufmann. Über seinen Stiefvater Günther Mück, Allgemeinmediziner in Wittlich, hat er das Waisenhaus kennengelernt. Mück wiederum, engagiert in einer Kirchengemeinde, hatte durch diese kirchlichen Kontakte von Pastor Samura Saa aus Sierra Leone, von seinen Hilfsprojekten und den Nöten der Menschen erfahren. So, wie der Arzt bereits in Rumänien Obdachlosenhäuser gefördert hatte, wollte er nun ein Waisenhaus in Afrika unterstützen und finanziert es regelmäßig.

In seinem Stiefsohn Marcel Juchhoff hat er einen engagierten Helfer gefunden. »Als Kind wollte ich immer in Afrika Wildtiere vor Wilderern schützen«, erzählt er schmunzelnd. Nun schützt er Kinder, ist stellvertretend für die Familie nach Sierra Leone geflogen und hat das Waisenhaus der United Church of Christ (UCC) besucht.

Waisenhaus für 120 Kinder

»25 Kinder sind dort derzeit untergebracht, 50 sollen es in diesem Jahr noch werden«, erzählt der 26-Jährige, der in Bielefeld lebt. Im Endausbau soll das Waisenhaus, das zentral in Freetown liegt und an das eine Schule angeschlossen ist, 120 Kinder beherbergen. Groß genug ist es, aber dafür fehlen derzeit noch die Mittel.

Um die Ernährung zu sichern, haben Günther Mück und seine kirchlichen Mitstreiter bereits eine Ackerfläche am Stadtrand gekauft. »Sie ist größer als ein Fußballfeld, und wir bauen dort Maniok, Mango, Erdnüsse und Süßkartoffeln an.« Wir – das bedeutet konkret zehn Angestellte des Waisenhauses, die dadurch in dem armen Land ein Einkommen haben.

Weil Marcel Juchhoff davon ausgeht, dass er und seine Geschwister Lisa und Florian irgendwann das Projekt vom Vater »erben« und weiterführen werden, will er als nächstes einen Verein gründen, der die stetige Förderung gewährleisten kann. »Ich denke an Patenschaften für Kinder und für Projekte.« Für Marcel Juchhoff ist das UCC Waisenhaus mittlerweile eine Herzensangelegenheit. »Gerade die Kinder dort brauchen uns, sie haben ihre Situation nicht verschuldet.« Einige von ihnen sind bei dem Ebola-Ausbruch in Sierra Leone Vollwaisen geworden. Bildung, Gesundheit, Familie – das sind Ressourcen, die sie nicht haben.

Eigenen Lebensstil hinterfragen

Der junge Bielefelder hinterfragt auch den eigenen Lebensstil. »Wer einmal in den Slums war und das Leben der Menschen dort gesehen hat, wer erlebt, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass Wasser aus einem Hahn läuft und dann auch noch trinkbar ist, der denkt um.« Umgerechnet 35 Euro beträgt der Mindestlohn in Sierra Leone im Monat: »Das reicht auch dort nicht weit.« Im Kontrast dazu entstünden entlang der Küste »mit paradiesischen Stränden« Fünf-Sterne-Hotels, hochgezogen von Chinesen, und Villen.

Marcel Juchhoff hat eine Homepage eingerichtet, über die mehr zu erfahren ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6835087?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Wir haben jeden blamiert“
Heute vor 13 Jahren: Als Arminia an der Weser unterging: „Wir haben jeden blamiert“
Nachrichten-Ticker