Dingerdisser Straße: Anlieger möchten eine kostengünstige Sanierung
Bürger geschlossen gegen den Ausbau

Bielefeld-Ubbedissen (WB). »Wir werden keinen Meter von unseren Grundstücken abgeben«, sagt Heinz-Jürgen Plöger. Er spricht für die 20 Anlieger der Dingerdisser Straße, die sich im Kampf gegen den städtischen Komplettausbau der Straße inzwischen Rechtsbeistand geholt haben. Plöger: »Wir warten auf eine Einwohnerversammlung.«

Donnerstag, 08.08.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 15:24 Uhr
Sind sich einig: Die Anlieger der oberen Dingerdisser Straße haben eine Interessengemeinschaft gegen den Ausbau gegründet und warten auf Konzepte der Stadt. Foto: Plöger

Seit Mitte Juni sind die Frontenverhärtet an der Dingerdisser Straße in Ubbedissen. Der Teil zwischen Bredenbusch und der Alten Schule ist weiterhin in einem desaströsen Zustand. Plöger: »Einen Tag nach unserem Protest in der Bezirksvertretung kam aber ein orangefarbenes Auto und die Leute haben ein paar Löcher verschmiert.«

Während das Amt für Verkehr noch an den Formulierungen für ein mögliches Arbeitspapier in Politik und Bürgerversammlung arbeitet, sind die Anwohner nach einem Besuch bei dem Verwaltungsjuristen Burkhard Zurheide in ihrem Entschluss bestätigt. Plöger: »Wir möchten keine neue Straße, nur eine Sanierung.« Damit könne die Stadt endlich dem nachkommen, was sie seit mehr als 40 Jahren versäumt habe.

Kompromiss gesucht

Die Politiker hatten in ihrer Juni-Sitzung einen Sturm der Entrüstung erlebt, nachdem den Anwohnern die Behandlung ihres Themas Straßenausbau in der Politik zu Ohren gekommen war. Die Nachbarn waren geschlossen erschienen und hatten ihre massiven Bedenken formuliert bei Oliver Spree. Einziges Problem: Es war Sprees letzte Sitzung für die Stadt. Der Verkehrsplaner arbeitet heute in einem Privatbüro. Deshalb ist Abteilungsleiter Frank Homann im Amt für Verkehr jetzt bemüht, aus den Ergebnissen der für Straßenprojekte zuständigen AG »Spuren« einen Kompromiss zu finden, den man in der Bürgerversammlung vorstellen kann.

Umstritten: Der Ausbau würde Eingriffe bedeuten in die Privatgrundstücke und das Abstellen von Autos.

Umstritten: Der Ausbau würde Eingriffe bedeuten in die Privatgrundstücke und das Abstellen von Autos. Foto: Michael Diekmann

Untragbar ist für die Anlieger neben dem Verkauf von Grundfläche für eine Straßenverbreiterung der Gedanke, mit 600.000 Euro an den Baukosten von 920.000 Euro beteiligt zu werden. Werner Thole (CDU), der als Politiker ebenso wie Ursula Fecke (SPD) bei einem Treffen der Bürger dabei war, setzt derweil auf die Neuregelung in NRW, die eine erhebliche Reduzierung im Kommunalabgabengesetz (KAG) vorsieht: »Das muss man erst einmal prüfen im Einzelfall.«

Zur Kenntnis genommen hat die Stadt laut Homann auch, dass die Bürger keine zweite Bushaltestelle gut 200 Meter von der bereits existierenden Anlage möchten. Der Wunsch einer kompletten Tempo-Reduzierung auf 30 ist allerdings mit der gegenwärtigen Straßenverkehrsordnung nicht zu machen, so Homann: »Wenn es aber neu gefasst ist, würden wir die Sache sofort anpacken.« Bislang bliebe Tempo 30 damit auf den Bereich am Kindergarten beschränkt.

Personalmangel macht Planung kompliziert

Kompliziert macht die Planung im Amt für Verkehr, aktuell durch Personalmangel und zahlreiche Innenstadtprojekte gebeutelt, aber auch, dass man selbst in dem Gremium »Spuren« von ADFC bis Polizei und Mobiel keine einstimmige Linie finden konnte. Man plane derzeit mit Breiten zwischen 5,50 und 6,50 Metern, heißt es.

Noch unklar ist zudem, dass man für die Führung der Radfahrer keine klare Linie gefunden hat, weil die aktuell oft gebrauchten Schutzstreifen keine dauerhafte Lösung darstellten. Man tendiert zu breiten Radwegen. Die allerdings, hört man im Fachamt, sind nicht ohne Grundstücksflächen möglich oder den Verzicht auf andere Verkehrsträger, Einbahnstraßenregelungen oder Verzicht anderer Art.

Von den Stieghorster Politikern fühlen sich Heinz-Jürgen Plöger und seine Nachbarn durchaus verstanden. Zumal die Politik signalisiert, das Thema erst wieder anzupacken, wenn es die geforderte Bürgerinformation gegeben hat. Plöger: »Unser Ziel ist es, die Kosten für die Anlieger so gering wie möglich zu halten, kein Land abzugeben und die Straße nur zu sanieren. Ist doch ganz einfach.«

Dass die Fahrbahn als beliebte nächtliche Durchgangsstrecke für schwere Lkw missbraucht wird, hatte die Anlieger schon länger gestört. Dagegen, finden sie, könnte man mit ein paar Schildern sofort etwas tun. Plöger: »Dann wäre die Straße auch nicht so kaputt, die wir jetzt bezahlen sollen.«

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