Strandgut erweist sich als 400.000 Jahre altes Horn-Fragment
Urlaubsfund landet im Museum

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld (WB). Der Zufallsfund eines Urlaubers an der französischen Atlantikküste hat sich zum Glücksfall für die Wissenschaft entwickelt. Was zunächst aussah wie ein Stück Treibholz, entpuppte sich als ein etwa 400.000 Jahre altes Horn-Fragment eines Wasserbüffels.

Mittwoch, 07.08.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 17:38 Uhr
Dr. Mark Keiter, Geologe am Naturkunde-Museum, präsentiert das Horn-Fragment, das im Jahr 2016 am Strand der französischen Atlantikküste gefunden wurde. Wie eine eingehende Untersuchung ergab, handelt es sich um ein 400.000 Jahre altes Horn. Foto: Markus Poch

»Die meisten Fundstücke, die von Bürgern zur monatlichen Fossilienberatungsstunde des Naturkunde-Museums mitgebracht werden, sind eher unspektakulär. Manchmal jedoch ist ein echter wissenschaftlicher Schatz dabei – so wie der Fund von André Raba aus Schloß Holte-Stukenbrock«, sagt Dr. Mark Keiter. Der Geologe am Naturkunde-Museum Bielefeld betreut dort die mehr als 50.000 Objekte umfassende geowissenschaftliche Sammlung.

Als André Raba uns im Spätsommer 2016 seinen Fund vorlegte, war uns sofort klar, dass es sich nicht um Treibholz, sondern um einen fossilen Knochen handelt.

Geologe Dr. Mark Keiter

»Als André Raba uns im Spätsommer 2016 seinen Fund vorlegte, war uns sofort klar, dass es sich nicht um Treibholz, sondern um einen fossilen Knochen handelt. Wir vermuteten zunächst ein eiszeitliches Tier«, erinnert sich der Geologe. Indes: Die Fundstelle in Soulac sur Mer ließ eher auf einen Waldelefantenknochen schließen.

Um Klarheit zu erlangen, wurde das Fundstück ans Hessische Landesmuseum Darmstadt geschickt, wo umfangreiche Fossilienvergleiche Wochen später die Sensation zutage förderten. »Es handelte sich zweifelsfrei um ein Wasserbüffel-Horn, was insofern von Bedeutung ist, als diese Fossilienfunde in Europa äußerst selten sind. Wasserbüffel waren nördlich der Alpen nur während kurzer, warmer Phasen zwischen den letzten großen Eiszeiten verbreitet und wurden durch erneute Abkühlung des Klimas rasch wieder verdrängt. In Europa kennt man weniger als zehn Fundstellen, wo Wasserbüffel nachgewiesen werden konnten«, begeistert sich Dr. Mark Keiter. Der Fund, so der Wissenschaftler, erweitere das bekannte Vorkommen dieser wuchtigen Großsäuger um mehr als 500 Kilometer nach Westen.

Anhand der Form identifiziert

Von besonderer Bedeutung war des Weiteren das Horn. Keiter: »Wasserbüffel lassen sich allein an der Hornform identifizieren, nicht an den herkömmlichen Knochen des Skeletts.«

Ein Forscherteam aus Münster, Bielefeld und Bonn nahm unter der Leitung von des Paläontologen Wighart von Koenigswald den Fund des versteinerten Knochens zum Anlass, die gesamten bisherigen Funde von Wasserbüffel-Fossilien in Europa erneut unter die Lupe zu nehmen. Bisher, so Keiter, war man davon ausgegangen, dass Wasserbüffel während mehrerer großer Warmphasen nach Europa einwanderten und zwischen 400.000 und 120.000 Jahren alt sind. Die neue Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass Wasserbüffel nur ein Mal bis nach Europa vordrangen.

Unsere französischen Kollegen, mit denen wir in ständigem Austausch standen, haben uns dazu gratuliert.

Mark Keiter

Das ist nun auch in dem geologischen Fachmagazin »Quaternary International« mit einem wissenschaftlichen Artikel verbürgt. »Unsere französischen Kollegen, mit denen wir in ständigem Austausch standen, haben uns dazu gratuliert«, erzählt Mark Keiter.

Probleme mit der Ausfuhr des Knochens gab es im übrigen nicht. Keiter: »Das französische Recht ist diesbezüglich sehr klar und besagt, dass Ausfuhrverbote nur auf Funde von nationaler Bedeutung erhoben werden.« Ein einzelner Knochen erhält nicht diesen Status – zum Glück für die Geologische Sammlung des Bielefelder Naturkunde-Museums, wo das Horn-Fragment nunmehr in einer klimatisierten Schublade verwahrt bleibt.

»Eine Ausstellung ist aufgrund der Lichtempfindlichkeit und der bröseligen Struktur nicht möglich. Wäre Geld vorhanden, könnten wir allerdings eine 3-D-Erfassung vornehmen und einen Abguss vom Original ausstellen«, sagt Keiter. Doch das ist zur Zeit noch Zukunftsmusik.

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