Bundesnetzagentur ebnet Weg für eine vierte Nord-Süd-Verbindung
Stromautobahn durch OWL?

Bonn/Bielefeld (WB). Um Windstrom vom Norden nach NRW und in den Süden Deutschlands zu bringen, soll neben bislang drei geplanten Stromautobahnen noch eine vierte entstehen . Die als Erdkabel-Höchstspannungsleitung vorgesehene Verbindung könnte auch durch OWL verlaufen.

Mittwoch, 07.08.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 06:54 Uhr
Rohre für eine Stromleitung: Auf diese Weise soll im Wesentlichen eine vierte Stromautobahn vom Norden aus Wilhelmshaven bis Hamm-Uentrop in NRW führen. Der unverbindliche Suchraum für den Korridor umfasst auch Teile von OWL. Foto: dpa, Grafik: Günzel

Die Bundesnetzagentur hält im Zuge der Energiewende eine vierte große Nord-Süd-Verbindung grundsätzlich für notwendig. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 hervor. Dort ist das Projekt in zwei Teilabschnitten von Heide in Schleswig-Holstein nach Wilhelmshaven und von dort bis nach Hamm-Uentrop im Norden des Ruhrgebiets aufgeführt. Die vier Übertragungsnetzbetreiber Amprion , Tennet , 50 Hertz und Transnet BW hatten vorgeschlagen, die Gleichstromautobahn noch weiter bis Altbach bei Stuttgart in Baden-Württemberg zu bauen. Die Behörde hält nach einer ersten Prüfung aber nur die Verbindung bis NRW für erforderlich. Darüber hinaus sollten bestehende Wechselstromleitungen verstärkt oder neu gebaut werden. Nach einer Konsultationsphase will die Netzagentur bis Jahresende über den Netzentwicklungsplan entscheiden.

Noch keine Leitung im Bau

Von den drei einst bis 2022 geplanten Stromautobahnen ist noch keine im Bau. Die bestehende Freileitung »A-Nord«/»Ultranet« von Emden über NRW bis zum badischen Philippsburg soll bis 2023 umgerüstet werden. Die Fertigstellung der Stromautobahnen »Südlink« von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg und »Südostlink« von Sachsen-Anhalt nach Bayern wird noch länger dauern.

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Für den ersten, 127 Kilometer langen Teilabschnitt von Heide bis Wilhelmshaven plant Tennet vor allem ein Seekabel und veranschlagt Kosten von 762 Millionen Euro. Für die 267 Kilometer von Wilhelmshaven bis Hamm-Uentrop rechneten Tennet und Amprion im Wesentlichen mit einer Erdverkabelung und Kosten von 1,6 Milliarden, erklärte Amprion-Sprecher Andreas Preuß. Weitgehend parallel dazu soll eine Leitung auch von Wilhelmshaven bis Marl geführt werden. Die Kosten zahlen am Ende die Verbraucher über die Stromrechnung.

Der genaue Streckenverlauf zwischen den einzelnen Start- und Zielpunkten ist noch unklar. Und damit auch die Frage, ob und inwieweit die Leitung auch durch OWL führt. Teile der Kreise Minden-Lübbecke, Gütersloh und Paderborn sowie die Stadt Bielefeld befinden sich in einem großflächig skizzierten, unverbindlichen Suchraum für den Trassenkorridor. Die Planung werde erst konkretisiert, wenn das Projekt im Bundesbedarfsplangesetz für den beschleunigten Ausbau von Höchstspannungsleitungen aufgenommen werde, teilte Preuß mit. Darüber dürfte die Politik im kommenden Jahr entscheiden.

Ziel: Leitung bis 2030 fertigstellen

Im nächsten Planungsschritt würden dann mehrere Trassenkorridore mit einem Kilometer Breite unter Beachtung der Verträglichkeit vorgeschlagen, sagt Preuß. Abschließend würde mit dem bevorzugten Korridor das Planfeststellungsverfahren durchgeführt, um Baurecht zu erlangen. Ziel sei es, die Leitung bis 2030 fertigzustellen. »NRW wird nach Abschaltung der Kohlekraftwerke spätestens 2038 ein Stromimportland, das auf Energielieferungen angewiesen ist«, sagt Preuß. Zudem gebe es schon heute Engpässe beim Transport von Windstrom vom Norden ins Ruhrgebiet.

Sowohl in der am Dienstag von der Bundesnetzagentur gestarteten Konsultationsphase als auch in den weiteren Verfahrensschritten können sich Firmen, Verbände und Bürger zu Wort melden. Unter anderem ist für den 4. September eine Informationsveranstaltung in Münster geplant.

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