Online-Sender Nerdstar.TV sendet wöchentlich 25 Stunden aus einer alten Lackfabrik
Fünf Millionen sehen TV aus Jöllenbeck

Bielefeld-Jöllenbeck (WB). Angefangen hat es als Hobby zweier Computerspiel-begeisterter Freunde. Aus diesen Anfängen haben Dirk Ludewig und Marcel Menk in einer alten Fabrik in Jöllenbeck einen Online-TV-Sender aufgebaut, der von Talkshows über Live-Konzerte bis hin zum Frühstücks-TV 25 Stunden pro Woche live sendet – und der inzwischen fünf Millionen Zuschauer erreicht hat.

Dienstag, 06.08.2019, 08:00 Uhr
Die Auszubildende Lena Voßmann filmt Dirk Ludewig (links) und Marcel Menk in einem der Sets. Foto: Hendrik Uffmann

Wie sich das Unternehmen Nerdstar entwickelt hat, ist gut am Firmensitz zu erkennen. Im ersten Obergeschoss der ehemaligen Lackfabrik am Niehausweg mitten in Jöllenbeck gibt es vier feste Studio-Kulissen sowie einen mit moderner Technik ausgestatteten Regieraum, im Dachgeschoss sind die Loftbüros, »und im Erdgeschoss wollen wir ein weiteres Studio aufbauen«, sagt Dirk Ludwig, der zusammen mit Marcel Menk geschäftsführender Gesellschafter des jungen Unternehmens ist.

Marcel Menk (rechts) und Dominik Hermann in Regieraum, in dem die Bilder aus den Studios zusammenlaufen.

Marcel Menk (rechts) und Dominik Hermann in Regieraum, in dem die Bilder aus den Studios zusammenlaufen. Foto: Hendrik Uffmann

2017 haben die beiden 30-JährigenNerdstar gegründet, heute haben sie vier feste Angestellte, darunter eine Auszubildende und einen Volontär, und einige freie Mitarbeiter, die als Moderatoren oder Kommentatoren zum Einsatz kommen. In OWL seien sie die einzigen, die in dieser Größenordnung Online-TV produzieren, »in ganz Deutschland gibt es vielleicht fünf andere Unternehmen wie uns«, so Marcel Menk.

Zu sehen sind die in Jöllenbeck produzieren Sendungen auf der Internet-Plattform Twitch. Wie bei dem Dienst Youtube gibt es dort auch die verschiedenen Kanäle und können alle Nutzer selbst Inhalte veröffentlichen. Der Unterschied: Während dies bei Youtube vor allem fertige Videos sind, wird auf Twitch meist live gesendet, erklärt Marcel Menk.

Ihren Ursprung habe die Plattform zunächst vor allem im Bereich der Computerspiele gehabt, so Menk, der nach dem Fachabitur als Medieninformatiker Kommunikationsdesign studiert hat. Dirk Ludewig hingegen ist »Quereinsteiger«, wie er sagt, der nach einem Lehramtsstudium in Englisch und Physik und seinem Bachelor-Abschluss sich kurz vor der Master-Prüfung entschlossen hat, komplett bei Nerdstar einzusteigen.

Übertragung auf Twitch

Bis heute gehe es bei vielen Kanälen auf Twitch um Gaming, so Ludewig. Der Betreiber eines Kanals spielt zum Beispiel ein Computerspiel und gibt dabei Tipps und Kommentare, während all dies live gesendet wird. Ludewig: »Die Zuschauer können das, was der Spieler macht, kommentieren oder sich untereinander austauschen.«

Was zunächst nach einer Nische für Computerfreaks, eben Nerds, klingt, haben die beiden jungen Unternehmer viel weiter entwickelt. Denn zwar seien die Computerspiel-Fans an diesen interessiert, aber eben nicht nur, betont Marcel Menk. Während also Berichte über die Spiel-Szene weiter einen großen Raum bei Nerdstar.TV einnehmen, haben die Macher darüber hinaus viele weitere Formate entwickelt. »Wir haben das Frühstücksfernsehen, zeigen Auftritte von Musikern und Bands, machen Talk-Shows und eine Late-Night-Show«, sagt Dirk Ludewig. Und weil er selbst »sehr gerne und ständig« esse, habe einer der Zuschauer vorgeschlagen, daraus etwas zu machen. »Jetzt haben wir auch eine Kochsendung.«

Für all diese Programme gibt es feste Sendetermine. Montags, mittwochs und freitags wird jeweils von 18 bis 23 Uhr live gesendet, donnerstags von 11 bis 15 Uhr.

Einnahmequelle für das junge Unternehmen sind Produktplatzierungen, Werbung in den Pausen und andere Kooperationen mit Firmen. Das Frühstücksformat »Spawned« wird zum Beispiel von einer Bielefelder Bäckereikette unterstützt, die Koch-Show von einem Küchenhersteller aus der Region, mit dem DSC Arminia Bielefeld haben Ludewig und Menk eine E-Sports-Show produziert. Bis 2020 soll sich der Sender alleine tragen.

Social-Media-Beratung

Darüber hinaus haben die jungen Unternehmer ein zweites Standbein aufgebaut. Sie beraten Firmen bei der Nutzung der Sozialen Medien und produzieren Videos und Liveübertragungen. Kunden sind namhafte Unternehmen wie der Bielefelder Getränkehersteller Carolinen, die Brauerei Brinkhoff und der Kaffeehersteller Krüger.

Im Durchschnitt schauen 1000 bis 1500 Menschen gleichzeitig bei den Sendungen aus dem Jöllenbecker Studio zu, »beim Frühstücks-TV sind es dann über die gesamte Sendung verteilt aber 10.000 bis 15.000«, so Dirk Ludewig.

Vor kurzem hat Nerdstar.TV die Grenze von fünf Millionen Zuschauern geknackt. Und ihr Ziel haben die beiden Gründer klar vor Augen. »Wir wollen weiter wachsen«, unterstreicht Marcel Menk. Und dass dies gelingt, davon zeigt er sich überzeugt. Denn allein der Bereich der Live-Übertragungen habe noch sehr viel Potenzial, und das in jedem Umfeld. Menk: »Es gibt kein Thema, das sich nicht für das Internet eignet.«

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