Cleft-Kinder-Hilfe mit Sitz in Bielefeld organisiert Mission in Somalia
115 Operationen innerhalb einer Woche

Milse (WB). Eine Woche lang hat das medizinische Team alles gegeben, bis zu 15 Stunden am Tag operiert. 115 Kinder in der autonomen Region Puntland in Somalia, die an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leiden, haben sie dabei behandelt. Organisiert und möglich gemacht hat den Hilfseinsatz in dem zerrütteten Land die Cleft-Kinder-Hilfe mit Sitz in Bielefeld-Milse.

Montag, 05.08.2019, 15:57 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 16:02 Uhr
Ärzte, Krankenschwestern und weitere Helfer gehörten zu dem Team, das aus Kenia nach Somalia gereist war, um dort zu operieren. Foto: Cleft-Kinder-Hilfe

Seit Jahren hilft die Cleft-Kinder-Hilfe Professor Hermann Sailer Stiftung Kindern in Entwicklungsländern, die unter dieser meist angeborenen Gesichtsmissbildung leiden. Dazu hat sie mehrere Behandlungszentren aufgebaut – das größte liegt in Pakistan, vier weitere gibt es in Indien, eines in Palästina. 5000 bis 6000 Kinder werden mit Hilfe der Stiftung, die sich durch Spenden finanziert, jedes Jahr operiert.

Ärzte-Team aus Kenia eingeflogen

Darüber hinaus ist die Cleft-Kinder-Hilfe auch in Kenia aktiv, erklärt Gerhard Meyer, Geschäftsführer der Stiftung. »Dort gibt es ein Ärzte-Team, das im Land unterwegs ist, um in verschiedenen Krankenhäusern zu operieren.«

Im nordöstlich von Kenia gelegenen Somalia ist die medizinische Versorgung katastrophal, und für Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gibt es dort so gut wie keine Behandlungsmöglichkeiten. Im November 2016 habe es deshalb erste Gespräche zwischen der Cleft-Kinder-Hilfe und dem Verein SomCare mit Sitz in Deutschland gegeben, der in Somalia Hilfsprojekte betreut. »Nach den ersten Kontakten stellte sich heraus, dass es keine ausgebildeten Chirurgen und keine Versorgung von Cleft-Patienten in Puntland gibt«, so Gerhard Meyer.

So entstand der Plan, zwei ausgesuchte Chirurgen aus Somalia in das Zentrum der Cleft-Kinder-Hilfe im pakistanischen Lahore zu bringen, um sie dort zu schulen, so dass sie in Somalia ein eigenes Cleft-Zentrum aufbauen können.

Zwei Jahre Vorbereitung

Da die pakistanischen Behörden jedoch keine Visa für die somalischen Ärzte ausstellten, entwickelte Meyer die Idee, mit den Spezialisten der Cleft-Kinder-Hilfe in Kenia eine Mission nach Somalia zu starten. Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, bevor das erste Vorbereitungsteam nach Puntland einreisen durfte. »Das Ergebnis war erschütternd. Es gab so gut wie keine Ausrüstung, keine Fachärzte und auch kein geeignetes medizinisches Personal«, so der Geschäftsführer. Deshalb habe sich der Leiter des Zentrums in Nairobi, Professor Meshach Onguti, entschlossen, mitsamt dem kompletten Gerät und einem Team aus Ärzten und Helfern nach Somalia zu fliegen. Um dort möglichst viele Menschen zu erreichen, sei jedoch viel Vorarbeit nötig gewesen. Dabei konnten die Bielefelder Stiftung und SomCare den größten somalischen Mobilfunkanbieter gewinnen, der 3,5 Millionen Kurznachrichten verschickte und die Hilfsmission ankündigte.

Ende April flog das Team mit zwei Chirurgen – ein Arzt eines der Cleft-Zentren in Indien hatte sich bereit erklärt, die Mission zu unterstützen –, zwei weiteren Ärzten, fünf Anästhesisten, fünf Krankenschwestern und weiteren Helfern nach Somalia und baute im Krankenhaus von Garowe, der Hauptstadt der Region Puntland, die Operationsmöglichkeit auf. »Sie haben alles mitgebracht, vom OP-Tisch bis zum Wiederbelebungsgerät«, schildert Meyer.

Eine Familie mit vier betroffenen Kindern

Mehrere hundert Patienten hatten sich inzwischen an dem Krankenhaus versammelt, von denen nach einigen Voruntersuchungen mehr als 100 ausgesucht wurden. Innerhalb von sieben Tagen behandelte das Team 115 Menschen. Meyer: »Darunter war auch eine Familie, die vier betroffenen Kinder hatte.«

75.000 Euro brachte die Stiftung für die Mission auf, die Meyer aus Sicherheitsgründen selbst nicht begleiten konnte. »Angesichts dessen, was eine solche Operationen in Deutschland kostet, konnte mit dieser Summe vielen Menschen geholfen werden«, findet der Geschäftsführer.

Ziel ist nach seinen Worten nun, die Hilfe in Somalia weiter fortzusetzen. Im Herbst soll die nächste Mission mit dem selben Team starten, dieses Mal in die Region um Mogadischu.

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