Neuer Online-Kartendienst der Stadt zeigt, wo Obst kostenlos geerntet werden kann
Mundraub erwünscht

Bielefeld (WB). Direkt unterhalb der Sparrenburg ist der »Tisch« reich gedeckt: Bald sind dort die Zwetschgen und die Äpfel reif, im Herbst folgen die Walnüsse. Wer möchte, kann all diese Früchte kostenlos ernten. Mehr als 3100 städtische Bäume gibt es im Stadtgebiet, an denen sich die Bielefelder bedienen können – und eine Übersicht über die Standorte und Früchte gibt es jetzt erstmals im Internet.

Montag, 05.08.2019, 06:44 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 07:40 Uhr
Michaela Hagmeister vom Umweltamt an einem der Apfelbäume unterhalb der Sparrenburg. Foto: Bernhard Pierel

Auf der Homepage der Stadt Bielefeld haben das Umweltamt, der Umweltbetrieb und das Amt für Geoinformation und Kataster alle Bäume, die essbare Früchte tragen, erfasst und mit ihrem exakten Standort gekennzeichnet. Überall dort, wo einer der Bäume steht, ist ein Symbol mit der entsprechenden Frucht zu sehen, »und bei vielen Bäume lässt sich dieses sogar anklicken, damit genauere Information zum Beispiel zu der Sorte sichtbar werden«, erklärt Michael Hagmeister vom Umweltamt.

An der Wiese zwischen Sparrenburg und Musik- und Kunstschule lassen sich so Äpfel der Sorte Ravensberger Renette, Hausbirnen, Kulturpflaumen oder Zwetschgen finden. An anderen Stellen gibt es laut Michaela Hagmeister auch seltenere Obstarten wie Quitten, Maulbeeren, Esskastanien, Mirabellen und Blutpflaumen, die bald reif sein dürften. »Die Blutpflaume kennen viele nicht. Sie sieht aus wie eine größere Kirsche, ist dunkelrot und schmeckt sehr lecker«, weist Michaela Hagmeister darauf hin, dass es bei den Stadtfrüchten auch einiges zu entdecken gibt.

Auch Weintrauben können geerntet werden

Erfasst sind im Online-Kartendienst nur Bäume, keine Sträucher wie Johannis- oder Stachelbeere. Ausnahme sind die Weintrauben an den Reben in den Winzerschen Gärten am Hang des Johannisbergs. Außerdem sind auch nur die Bäume verzeichnet, die tatsächlich von allen Obstliebhabern abgeerntet werden dürfen. Denn es gibt auch Bäume auf öffentlich zugängigen und städtischen Flächen, die verpachtet sind. »Deshalb bitten wir die Bürger, genau darauf zu achten, von welchem Baum sie die Früchte pflücken«, erklärt Michaela Hagmeister.

Das allerdings ist kein Problem, denn der Online-Kartendienst funktioniert auch auf dem Smartphone über die Bielefeld-App, so dass jeder, der auf der Suche nach leckerem und kostenlosen Obst ist, sich vor Ort genau orientieren kann.

In diesem Jahr wird eine gute Ernte erwartet

Dass die Bielefelder sich an den städtischen Bäumen bedienen dürfen, ist schon lange so. Neu ist nun jedoch die Übersicht im Internet, auf der alle Bäume gekennzeichnet sind. Die Idee, diese zu erstellen, sei auch aus dem Gedanken der Regionalität und Nachhaltigkeit heraus entstanden, erläutert Michaela Hagmeister. Und es werde wieder bewusster gemacht, dass es für jede Frucht eine Saison gebe, so die Diplom-Ingenieurin für Landespflege und Umweltplanung.

Die Ernte werde in diesem Jahr sehr gut, sagt sie voraus. An einigen Stellen gebe es noch einige Süß- und Vogelkirschen, als nächste folgen Mirabellen, Zwetschgen und Äpfel und dann später im Jahr die Nüsse. Neben Wal- und Haselnüssen gebe es auch viele Baumhasel, die vor allem entlang von Straßen zu finden seien. »Auch die kann man essen, sie schmecken sehr ähnlich wie Haselnüsse.«

Sorgsam mit der Natur umgehen

Wichtig sei, dass alle, die die Stadtfrüchte ernten möchten, dabei sorgsam mit den Pflanzen und der Umgebung umgehen. Sei ein Baum wider Erwarten nicht frei zugänglich, sollte also der Weg dorthin nicht mit aller Gewalt gebahnt werden sondern über die Bielefeld-App gemeldet werden, dass hier die Ernte nicht möglich ist. »Und weil die Bäume derzeit auch unter Trockenstress leiden, sind die Äste besonders brüchig. Deshalb sollte man beim Pflücken vorsichtig sein«, bittet Michaela Hagmeister.

Ansonsten freue sie sich, wenn viele Bielefelder das Angebot nutzen, so dass die Früchte nicht herabfallen und am Boden verkommen – nach dem Motto: Mundraub erwünscht.

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